Wenn irgendwo in Niedersachsen zwei Tage lang Gitarren donnern, Pyros den Nachthimmel erstrahlen lassen, sich tausende Fäuste und Köpfe im Takt bewegen und gleichzeitig echte Menschlichkeit über allem schwebt, dann kann das nur eines bedeuten: Das Rock in Rautheim hat wieder seine Tore geöffnet. Und wie sagte schon Tom Gerhardts Ruhrpottlegende Tommie: “Endlisch noomaaale Leudde”.
Mal ganz ehrlich: Dieses Festival ist kein gewöhnliches Festival mehr. Es ist eine verdammte Bewegung.
Zwischen drückenden Doublebass-Attacken, epischen Power-Metal-Hymnen und brennenden Feuerfontänen entsteht hier immerwieder etwas, das in der heutigen Zeit selten geworden ist: echtes Miteinander. Keine aufgesetzten Phrasen. Keine künstliche „Wir sind alle Familie“-Romantik. Sondern ehrliche Menschen, die gemeinsam feiern, lachen, headbangen und aufeinander achten. Genau das macht das Rock in Rautheim so unfassbar besonders.

Schon beim Ankommen am Gelände fühlt man immerwieder diese Energie. Überall freundliche Gesichter, Kutten, lachende Crewmitglieder aber auch Helfer im Dauerstress – und trotzdem nimmt sich jeder Zeit füreinander. Ob Security, Thekencrew, Fotografen, Besucher oder – und vorallem – das Pflege-Team: Hier zählt nicht, wer du bist oder welche Einschränkungen du mitbringst. Hier zählt nur, dass du Teil dieser riesigen Metal-Familie bist.
Und genau darin liegt die wahre Kraft dieses größten Inklusions Rock- und Metalfestival Deutschlands.
Denn während draußen oft über Ausgrenzung, Spaltung und gesellschaftliche Kälte diskutiert wird, zeigt die Lebenshilfe Braunschweig gemeinsam mit dem Hotel666 Metalclub e.V., Metality und den Sponsoren wie Inklusion wirklich funktioniert: laut, kompromisslos und mitten im Moshpit.
552(!!) ehrenamtliche Helfer in INKLUSIVEN Teams sorgen dafür, dass dieses Festival lebt, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung arbeiten hier also Seite an Seite, Hand in Hand – beim Aufbau, hinter den Theken, in der Organisation oder direkt vor der Bühne. Rollstuhltribüne, barrierefreie Wege, Pflege-Teams und perfekte Infrastruktur gehören hier nicht zu irgendeinem „Sonderkonzept“. Sie sind ein selbstverständlicher Teil des Festivals. Und genau deshalb fühlt sich hier niemand ausgeschlossen. Rock in Rautheim beweist eindrucksvoll: Metal verbindet hier Menschen stärker als jede gesellschaftliche Grenze sie spalten könnte.

Und musikalisch? Meine Güte, was für ein Abriss.
Schon der erste Tag fühlte sich an wie ein wilder Ritt durch die epischsten Facetten des Heavy Metal. TERRA ATLANTICA eröffneten das Wochenende mit voller Breitseite und verwandelten das Gelände in ein johlendes Piratenschiff. Hymnen voller Abenteuerlust, donnernde Gesänge und Refrains, die man nach wenigen Sekunden mitgrölen musste. Es roch förmlich nach Salzwasser, Schwarzpulver und Freiheit.

Direkt danach zauberten MOONLIGHT HAZE eine gewaltige Klangwand aus Melodie, Härte und Atmosphäre auf die Bühne. Frontfrau Chiara Tricarico ließ ihre Stimme durch die kühle Luft schweben wie ein Sturm zwischen Oper und Metal-Ekstase.

Dann kamen die GRAILNIGHTS — und plötzlich stand ganz Rautheim mitten in einem Fantasy-Blockbuster. Battlechoir-Rufe donnerten über das Gelände, Umhänge flogen durch die Luft, Lichtschwerter würden geschwungen und die Menge verwandelte sich in eine einzige riesige Armee aus Metalheads. Selbst der (plüschige) ‚Heilige Aal‘ fand den Weg aufs Gelände und wurde fortan zum Running Gag bei den Bands und Besuchern.

Spätestens bei Riot V kochte die Stimmung schon auf hohem Level und ebbte nicht mehr ab. Pommesgabeln reckten sich gen Himmel und die amerikanischen Metal-Veteranen zeigten eindrucksvoll, warum echter Heavy Metal niemals alt wird. Und das trotz kurzfristig eingesprungenem, neuen Sänger Valentino Frankavilla, der einen großartigen Job machte und anfänglicher Technikprobleme und auch Kontroversen um den vor der Europatour ersetzten Drummer Frank Gilchriest und von ihm geäußerte toxische Aussagen.

Mit VISIONS OF ATLANTIS wurde es anschließend cineastisch. Piratenromantik traf auf bombastischen Symphonic Metal, während Clémentine Delauney und Michele Guaitoli das Publikum auf eine musikalische Reise über stürmische Ozeane schickten.

Und dann: ORDEN OGAN. Eine Wand aus Licht, Druck und epischer Energie rollte über das Gelände hinweg. Tausende Stimmen sangen mit, die Menge vor der Bühne feierte die Band auf überaus laute und bejahende Weise, so das der erste Festivaltag berechtigterweise in einem gewaltigen Meer aus Euphorie enden konnte.

Die Bildergalerie für Tag 1 des Festivals findet ihr HIER.
Tag 2, der Samstag, stand dem Geschehen von Freitag aber in nichts nach.
Schon der Auftakt von der traditionell am Samstag als erstes spielende Inklusiven Band – dieses Mal MH:LK Experience aus Braunschweig – sorgte für pure Gänsehaut. Wer rechnet auch schon damit, das „Ace of Spades“ von Motörhead aus den Boxen dröhnt und es sich anfühlt als würde Lemmy persönlich am Mikro stehen. Gänsehaut pur. Roh, ehrlich und voller Leidenschaft – genau so muss Metal sein.

Hier zeigte sich erneut, warum Inklusion auf diesem Festival so unglaublich stark funktioniert: Die 3500 Besucher feiern nicht „trotz“ irgendwelcher Unterschiede miteinander. Sie feiern einfach gemeinsam.
Band Nr.2 am Samstag: STEREO START. Mit einer schönen Mischung aus Rock und leichten Popanleihen nebst Referenzen härterer Spielarten lockerte das Line Up gekonnt auf und sorgte an diversen Stellen im Publikum für spontane Tanzeinlagen.

Die ‚Space Ninjas‘ VICTORIUS ließen als nächstes ihre Geschichten um Dinosaurier und Drachen und den Kampf gegen böse Ninja Clans und Zauberer auf die Fans los, während die Schweden ELEINE den Nachmittag in musikalisch düstere Schönheit tauchten.


FIREWIND verwandelten daraufhin Rautheim in einen Pool aus Gitarrenfeuer, bevor die BURNING WITCHES es zu einem Hexenkessel umgestaltete und die Bühne endgültig in Brand setzten.


Kurz bevor der Headliner die Bühne zerlegte, wurde es noch einmal emotional: Marco Spiller trat gemeinsam mit Teilen seiner Crew ins Rampenlicht – und es wurde klar, warum Rock in Rautheim weit mehr ist als einfach nur irgendein Festival unter hunderten anderen. Mit ehrlichen Worten sprach er darüber, wie kaputt und aufgeheizt die Welt da draußen gerade wirkt. Menschen, die anders sind – ob durch eine Beeinträchtigung, ihre queere Identität oder einfach, weil sie Frauen sind – erleben immer mehr Hass, Hetze und Ausgrenzung. Besonders in den sozialen Netzwerken schlägt einem dieser Wahnsinn täglich entgegen. Gleichzeitig wird ausgerechnet dort gekürzt, wo Menschlichkeit gebraucht wird: in Kultur, Sozialarbeit und Eingliederungshilfe. Als wären Menschen bloß Zahlen in irgendeiner Tabelle. Und genau deshalb trifft einen dieser Moment auf dem Festivalgelände umso direkter ins Herz:
„Aber dann läuft man hier zwei Tage über das Gelände und sieht nur eure strahlenden Gesichter“, sagte Marco sichtbar bewegt. „Dieser Kontrast ist unfassbar.“

In diesem Augenblick explodierte das Publikum in Jubel, Anerkennung und Applaus.
DAS ist Rock in Rautheim. Kein seelenloses Massenfestival. Kein Event von der Stange. Sondern ein Ort, an dem Zusammenhalt, Respekt und echte Gemeinschaft nicht nur gepredigt, sondern gelebt werden. Hier stehen Menschen füreinander ein. Hier zählt nicht, wie du aussiehst, wen du liebst oder welche Einschränkungen du hast. Hier zählt nur eines: gemeinsam laut sein.
Marco brachte es auf den Punkt:„Wenn ich mir Sorgen wegen der verrückten Welt da draußen mache, dann braucht es die Helden des Alltags – und diese Helden seid ihr alle!“
Gänsehaut. Pure Emotion.
Natürlich durfte auch der Dank an die Menschen hinter den Kulissen nicht fehlen: Unglaubliche 552 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer machen Rock in Rautheim überhaupt erst möglich. Zwei Tage Festivalbetrieb, dazu der Aufbau seit Montag – und das alles in inklusiven Teams. Genau dieses Miteinander macht das Festival so verdammt besonders.
Ein riesiges Danke ging außerdem an die Unterstützer und Sponsoren wie zum Beispiel die Salzgitter AG oder Förderer wie die Aktion Mensch . Ohne den Support aller Sponsoren und Förderer gäbe es keine gigantischen Leinwände, keine Produktion und keine dieser magischen Festivaltage und -Nächte. Die Unterstützer haben verstanden, dass das Rock in Rautheim nicht einfach nur ein Festival ist – sondern etwas Einmaliges.
Anschließend wurde es noch kurz nostalgisch: Marco erinnerte daran, wie 2002 alles mit einer Idee in einer kleinen Kantine begann. Anschließend holte er Thore Lindemann auf die Bühne – begleitet von lautstarken Sprechchören aus dem Publikum. Lachend erklärte Marco, Thore sei quasi der Chef der Bühnenbauer. Und die Geschichte dahinter klingt fast wie eine klassische Metal-Legende: Angefangen mit drei Podesten und zwei Boxen entwickelte sich daraus Jahr für Jahr eine immer größere Festivalproduktion. Legendär ist inzwischen auch die diesjährige Rollibühne, die 2022 und 2023 sogar als Hauptbühne diente. Genau diese Rollibühne kann man genau dreimal in der aktuellen Festivalbühne unterbringen. Ein Satz, der garantiert Kultstatus erreichen wird.

Zum Abschluss von Marcos Rede wurde es noch einmal laut. Richtig laut.Gemeinsam mit dem Publikum ließ Marco den Namen des Festivals dreimal über das Gelände donnern: „ROCK IN RAUTHEIM!“ Ein Moment voller Herz, Zusammenhalt und echter Festivalmagie. Genau deshalb bleibt Rock in Rautheim nicht einfach im Kopf –sondern direkt im verdammten Herzen.
Und dann kamen FEUERSCHWANZ endlich auf die Bühne.
Was da passierte, war keine normale Show mehr — das war Eskalation in ihrer schönsten Form. Feuerfontänen und ander Pyroeffekte bis zum Abwinken, Rauch und Nebel zog über das Gelände, Mosh- und Circlepits incl. Rollatornutzern bildeten sich direkt vor der Bühne und tausende Stimmen grölten jede Zeile mit. Zwischen Drachen, Flammenwerfern und gigantischen Refrains verwandelte sich das Festival endgültig in ein loderndes Fantasy- und Metal Feuerwerk mit Sänger Ben Metzner (manche kennen ihn noch unter Prinz Hodenherz) in mitten der feiernden Fans mit Kameramann und Fotograf im Schlepptau, ein letztes Mal den wieder aufgetauchten Heiligen Aal stolz präsentierend.



Die Bildergalerie für Tag 2 findet ihr HIER.
Doch selbst mitten in all dieser Eskalation blieb ein Gefühl immer präsent: Hier geht es um mehr als Musik.
Hier geht es um Zusammenhalt. Um Respekt. Um Menschlichkeit. Und darum, dass wirklich jeder Besucher Teil dieser Szene sein darf. Und genau deswegen braucht diese Szene mehr Festivals wie dieses. Oder besser: ähnliche, wie dieses. Denn den Status als Einzigartig wir das RiR im Herzen aller Fans sicher auf ewig behalten. Und so ging der Tag so zu Ende wie das Festival begann: mit freudigen Gesichtern überall und einer sichtlich zufriedenen Crew und begeisterten Fans. Danke, Danke, Danke! Wir freuen uns, das wir alle ein Teil dessen sein durften und mit Euch ein wunderbares Wochenende erleben konnten. Bis zum nächsten Jahr.
Ein paar Impressionen des Festivals findet ihr zusätzlich HIER.
Wer sich Tickets für 2027 sichern will, sollte sich beeilen, denn bereits jetzt sind mehr als 50% der Tickets bereits verkauft. . Das Line Up für 2027 steht im übrigen auch schon fest:







