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Interview: Billy Talent

ICH LEBE IM MOMENT

Punkiger, hymnischer Rock, eigenwillige Melodik und kantige Riffs: Billy Talent ist eine der erfolgreichsten kanadischen Bands. Das Quintett um Sänger Benjamin Kowalewicz (46) hat bis heute weltweit drei Millionen Tonträger verkauft. Auf dem Schoß des Rockstars räkelt sich Hündchen Ozzy.

In „End Of Me” geht es um vermeintliche Freunde, die einen durch ihr zerstörerisches Verhalten in ein tiefes Loch ziehen. Eigene Erfahrungen?

Ja. Ich vermute, dass jeder schon einmal Erfahrungen mit toxischen Freunden gemacht hat. Du versuchst, diesen Menschen zu helfen und ihnen Ratschläge zu geben, aber sie scheinen es immer wieder zu vermasseln, und du hältst zu ihnen, weil du sie magst. Der Song ist auch ein bisschen ironisch gemeint.

Wie war es, mit Rivers Cuomo von der Band Weezer aufzunehmen?

Ich würde nicht sagen, dass Rivers für mich ein Held ist, aber er hatte definitiv einen großen Einfluss auf Billy Talent. 1993 waren aggressive Männerbands wie Nirvana, Soundgarden, Pearl Jam, Rage Against The Machine, Tool und Green Day sehr angesagt. Weezer wurden zur selben Zeit bekannt, aber sie hoben sich von allen anderen ab mit ihren wunderbar geschriebenen, schönen Popsongs über Mädchen und Beziehungen. Durch Weezer wurde mir bewusst, dass man sich als Songschreiber auch ein biss-chen verletzlicher und reflektierter prä- sentieren konnte. In unserer Anfangszeit coverten wir viel von ihnen. Und als wir jetzt „End Of Me“ fertig geschrieben hatten, wachte ich eines morgens auf mit dem Gedanken: „Eigentlich müsste Rivers auf dem Song singen!“ Also schickten wir ihm eine Anfrage, er sagte zu, und der Rest ist Geschichte. Das Resultat klingt perfekt.

Hat ein Künstler die Aufgabe, die Regeln zu brechen und – wenn auch nur für einen Moment – das Leben der Menschen zu verändern?

Das Leben der Menschen zu verändern ist eine große Verantwortung, und ich glaube nicht, dass dies die Absicht der Kunst ist. Aber als Künstler hofft man natürlich, auf Resonanz zu stoßen. Mein Kreativpartner Ian D’Sa und ich verbringen viel Zeit damit, Songs und Texte zu schreiben. Man hofft immer, mit seiner Arbeit Menschen zu inspirieren, die sich im besten Fall in deinen Songs wiedererkennen. Das ist nicht die Verantwortung des Künstlers, aber das erklärte Ziel. Er will Gefühle auslösen. …
Ich persönlich brauche bestimmte Lieder in einer bestimmten Phase meines Lebens und verbinde mich mit ihnen auf einer spirituellen, körperlichen und geistigen Ebene. Ich
höre immer noch Songs, die ich vor 25 Jahren für mich entdeckt habe und die mich in diese Zeit zurückversetzen. Das ist wirklich schön. Ich habe gerade die Beatles-Dokumentation „Get Back“ gesehen, der schönste Film seit langem. Die Beatles waren die größten Songschreiber aller Zeiten. Wenn die vier zusammen abhingen, waren sie nur Freunde und hatten Spaß. Daraus ist diese wunderschöne Kunst entstanden. Es war wirklich beeindruckend, das zu sehen.

Was war der schwierigste Teil bei der Arbeit?

Der schwierigste Teil war, positiv zu bleiben. Ich lebe viel im Moment und ich bin zum ersten Mal Vater geworden, was großartig ist. Ich verbrachte zuletzt viel Zeit zu Hause und kümmerte mich um meine Familie. Das sind die einzigen Dinge, die ich kontrollieren kann.

Hast du in der Zeit des Lockdowns ein anderes Verhältnis zum Musik- machen bekommen?

Wir haben fast 29 Jahre lang zusammen Musik gemacht und es ist so viel passiert. Es ging immer nur um höher, schneller, weiter. Dies ist das erste Mal in unserer Karriere, dass wir pausieren mussten und zurückgeblickt haben. Heilige Scheiße, der Berg, auf den wir geklettert sind, ist ganz schön hoch! Das Wichtigste, was ich von all dem mitgenommen habe, ist die über- wältigende Wertschätzung unserer Fans.

Die Aufnahmen fanden im bandeigenen Studio in Toronto statt, vom fünf- fachen Grammy-Gewinner Chris Lord-Alge abgem…

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