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ELBRIOT 2026 – EINE Story von Bier, Crêpes und Unverständnis

Das Elbriot gehört seit mehr als einem Jahrzehnt fest zum Hamburger Festivalsommer. Seit 2013 verwandelt sich das Gelände am Großmarkt regelmäßig in einen Treffpunkt für Metalheads, die es laut, hart und gerne auch ein wenig spektakulär mögen. Zwischenzeitlich wurde sogar an zwei Tagen gefeiert, inzwischen konzentriert sich das Festival wieder auf einen einzigen Tag. Auch wenn das Gelände 2026 etwas luftiger gefüllt wirkt als bei mancher früheren Ausgabe, ist die Vorfreude groß.

 

Der Start in den Festivaltag läuft allerdings nicht ganz nach Plan. AVALANCHE EFFECT eröffnen bereits um 12 Uhr, und während die ersten Breakdown-Salven über das Gelände donnern und unsere Fotografin bereits im Graben steht, nutze ich die Zeit um Freunde zu begrüßen und einen ersten Gang übers Gelände zu machen.

Bildergalerie Avalanche Effect

 

Band Nummer 2 an diesem Tag ist SIGNS OF THE SWARM.

Die Jungs haben ihr frisch veröffentlichtes Album „To Rid Myself From Truth“ im Gepäck und bringen daraus gleich mehrere Songs auf die Bühne.

Das Publikum versteht die Ansage sofort: Kleine Circle Pits, und Tanzeinlagen verteilen sich in der Menge vor der Bühne und später werden die Reihen auch für Walls of Death geteilt. Die Musiker nehmen die Energie dankbar auf und feuern einen Track nach dem nächsten heraus. Lange Reden braucht hier niemand. Stattdessen gibt es brutale Riffs, massive Breakdowns und Vocals, die sich direkt durch die Magengrube arbeiten.

Klanglich könnte das Ganze etwas definierter sein. Vor allem im unteren Frequenzbereich ist ordentlich Druck vorhanden – stellenweise vielleicht etwas zu viel davon. Der Spielfreude der Band und der Stimmung vor der Bühne schadet das jedoch kaum. SIGNS OF THE SWARM liefern ab. Punkt.

Bildergalerie Signs Of The Swarm

 

Als nächstes sind unsere Freunde der

WARKINGS an der Reihe – oder zumindestens ist das der Plan.

Nach dem Deathcore-Gewitter folgt der Sprung in eine völlig andere Metal-Welt. Die WARKINGS sind in den vergangenen Jahren auf Festivals und Tourneen enorm präsent gewesen. Dass die Band so häufig gebucht wird, überrascht allerdings kaum: Ihr hymnischer Power Metal funktioniert live einfach verdammt gut.

Dieses Mal bekommen die Musiker zusätzlich eine ungeplante Herausforderung serviert. Mitten im Set verabschiedet sich die Beschallung.

Andere Bands würden an dieser Stelle möglicherweise nervös Richtung Technik schauen. Nicht so die WARKINGS. Sie machen daraus kurzerhand Entertainment. Das Publikum wird beschäftigt, die Stimmung hochgehalten und schließlich stimmt die Band „We Will Rock You“ a cappella an. Aus einer technischen Panne wird so einer der charmantesten Momente des Auftritts.

Als die Anlage wieder mitspielt, geht es ohne große Verzögerung weiter. „The Tribune“ verlässt später sogar die Bühne und mischt sich unter die Menge, um einen Song direkt aus dem Publikum heraus zu performen.

Natürlich darf auch die Pyrotechnik nicht fehlen. Bei den ohnehin sommerlichen Temperaturen ist zusätzliches Feuer zwar fast schon eine sportliche Herausforderung – spektakulär sieht es trotzdem aus.

Bildergalerie Warkings

Nächste Band, nächstes Bier.

Für ORDEN OGAN nähert sich langsam das Ende der Ära rund um „The Order Of Fear“. Im Januar 2027 soll mit „Lords Of The Grave“ bereits das nächste Kapitel beginnen. Beim Elbriot gibt es vorher noch einmal reichlich Material aus der aktuellen Phase zu hören.

Sänger Seeb Levermann präsentiert sich dabei bestens aufgelegt und entdeckt schnell ein Thema, das beim Hamburger Festivalpublikum hervorragend funktioniert: Bier.

Entsprechend dauert es nicht lange, bis aus „The Order Of Fear“ in den Kehlen der Fans kurzerhand „The Order Of Beer“ wird. Überhaupt scheint Levermann mindestens genauso viel Freude daran zu haben, die Menge zum Trinken zu motivieren, wie sie zum Mitsingen und Springen anzustacheln.

Musikalisch sitzt der Auftritt ohnehin. Die großen Refrains funktionieren unter freiem Himmel hervorragend und machen Lust auf die kommende Tour mit ENSIFERUM und ANGUS MCSIX Anfang 2027.

Bildergalerie Orden Ogan

DANKO JONES – Riffmaster of Rock’n Crêpes

 

DANKO JONES sorgt anschließend erneut für einen deutlichen Stilwechsel. Zwischen Power Metal und Deathcore wirkt der schnörkellose Hard Rock fast wie ein Exot im Billing – und genau das tut dem Line up gut.

Danko selbst präsentiert sich gewohnt unterhaltsam. Zwischen den Songs wird geredet, gescherzt und improvisiert. Besonders die gastronomische Infrastruktur des Elbriot hat es ihm angetan.

Genauer gesagt: die Crêpes.

Dass es auf dem Gelände gleich zwei entsprechende Stände gibt, beschäftigt den Kanadier offenbar so sehr, dass daraus spontan ein minutenlanger Monolog entsteht. Vielleicht ein wenig zu lang aber das Publikum nimmt die kleine kulinarische Exkursion mit reichlich Gelächter auf.

Danach wird natürlich wieder gerockt. Direkt, unkompliziert und mit genau der Portion Humor, die einen DANKO-JONES-Gig ausmacht.

Bildergalerie Danko Jones

Spätestens bei THY ART IS MURDER ist Schluss mit der entspannten Rock-’n’-Roll-Pause. Die Australier bringen die zweite große Deathcore-Ladung des Tages mit nach Hamburg.

Besonders gespannt sind viele Augen und Ohren auf Jerry Grimefeld gerichtet. Der neue Frontmann bewegt sich mit enormen Selbstbewusstsein über die Bühne und legt dabei eine Performance hin, die irgendwo zwischen alten Hardcore Shows und hyperaktivem Balzverhalten liegt.

Vokal gibt es wenig zu diskutieren: Das sitzt.

Zwischen den Songs zeigt sich Grimefeld dagegen ausgesprochen freundlich und bestens gelaunt. Deutschland scheint bei ihm Eindruck hinterlassen zu haben. Später soll es offenbar noch auf die Reeperbahn gehen – und auch ein gewisses deutsches Kräutergetränk steht auf dem Plan.

Dass er dabei aus Jägermeister kurzerhand „Bürgermeister“ macht, sorgt für zusätzliche Unterhaltung.

Bildergalerie Thy Art Is Murder

SAVATAGE – Wie man mit einer Legende NICHT umgeht

 

Mit SAVATAGE steht anschließend für viele Besucher eines der absoluten Highlights des gesamten Billings an. Entsprechend groß ist die Erwartung – und genau deshalb fällt vor allem eines negativ auf: Eine Stunde Spielzeit ist für eine Band mit dieser Geschichte und diesem Status in der Metalszene schlicht und einfach ein Witz

Auf weit kleineren Festivals, die auf der Tour zu verzeichnen waren, standen durchweg zusätzliche 40 Minuten (!!!) mehr auf der Running Order.

Erschwerend kommt hinzu, dass hinter der Band bereits Vorbereitungen für den späteren POWERWOLF Gig laufen. Dadurch ist ein Teil der Videofläche nicht vollständig nutzbar. Eine absolut unverständliche Aktion, da sowohl Bandgründer Jon Oliva mit Videobotschaften und Duettpassagen mit eingebunden ist in den Gig und auch die zur Show gehörende Designabfolge schlicht unwirksam ist. Wer auch immer so einen M##@&t zu verantworten hat, es mögen ihm beim Händewaschen ständig die Ärmel runter rutschen.

Musikalisch kann das die Stimmung allerdings kaum bremsen. SAVATAGE liefern einen emotionalen, starken Auftritt, bei dem deutlich wird, wie tief diese Songs bei vielen Fans verankert sind. Zahlreiche Texte werden Wort für Wort mitgesungen.

Einer der besonderen Momente ist der bereits erwähnte Videoauftritt von Jon Oliva zu „Believe“. Augenblicke wie dieser verleihen dem Set zusätzliche emotionale Wucht.

Das einzige echte Problem: Die Stunde rast vorbei.

Gerade hat man sich richtig in den Auftritt fallen lassen, da ist er schon wieder Geschichte. Eine tolle Show unter leider extrem befremdlichen Bedingungen.

Bildergalerie Savatage

POWERWOLF – Der Grund, warum alles so lange dauerte.

Wer die „Wake Up The Wicked“-Tour im Frühjahr erlebt hat, erkennt viele Elemente der Produktion wieder. Für den Festivalauftritt wurde die Show kompakter gestaltet, an Spektakel mangelt es aber keineswegs.

Feuerfontänen schießen in den Hamburger Himmel, auf den Videowänden läuft die visuelle Begleitung der Songs und Attila Dorn sowie Falk-Maria Schlegel liefern sich ihre gewohnt humorvollen Wortgefechte.

Musikalisch setzt die Band auf einen Querschnitt durch ihre großen Hymnen der vergangenen Jahre, wobei insbesondere die Alben ab „Blood Of The Saints“ im Mittelpunkt stehen.

Und vor der Bühne wird deutlich, warum POWERWOLF längst zu den festen Headlinern der europäischen Metal-Szene gehören.

Da stehen Fans, die ihr Corpsepaint offenbar schon durch die komplette Mittagshitze gerettet haben. Dazwischen feiern Nonnen-Outfits, Kutten, Shirts und verschwitzte Metalheads gemeinsam. Bei den großen Refrains verwandelt sich der Platz vor der Bühne in einen gewaltigen Chor.

Aber auch daran, das dieser Bericht erst jetzt kommt, ist POWERWOLF nicht ganz unschuldig. Warum? Weil seitens der Band die Auflage bestand, dass die Fotos von der Band erst eingereicht und freigegeben werden mußten, bevor sie veröffentlicht werden dürfen. Und einen Konzertbericht mit selbstgemachten Fotos ohne den Headliner zu veröffentlichen ist in etwa so sinnvoll wie zu versuchen, Pinguinen Wintersocken zu verkaufen. Das aber das ganze auch den anderen Bands des Tages nicht gerade zu gute kommt, wenn Konzertberichte incl. der Bilder gezwungenermaßen erst 4  Wochen nach Veranstaltungsende veröffentlicht werden können, ist ehrlich gesagt ziemlich kurz gedacht.

POWERWOLF – Elbriot 2026

Sei es drum. Der Tag war insgesamt – zumindestens vom musikalischen her – absolut gelungen.

 

 

Photocredits: Nola & Rockasmurf

 

 

 

 

Autor

  • Zwiebel. Er hat nicht nur einen an selbiger, er kennt auch 1000 Rezepte mit ihr. Hauke Jans bei uns auch liebevoll als Rockasmurf betitelt, ist zudem in der Metalszene als Fotograf und Schreiber unterwegs. Der Hobbykoch, Kuttenträger und hauptberufliche Resopal-Termite - etwas seriöser als Tischler bekannt - liebt handgemachte Musik, besonders im Metal-, Rock, und Bluesbereich. Als Co - Head unseres ROXX Ablegers, will er euch natürlich bei Laune halten und die Clubs, Geheimtipps und Konzerteindrücke mit Witz und Charme näherbringen

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