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Ich will, dass es gut wird! – Interview mit Joe Bonamassa

 
Joe Bonamassa hat in den vergangenen 25 Jahren sagenhafte 50 Alben veröffentlicht. In Europa hat der US-Amerikaner einen Weg gefunden, sich neu zu erfinden. Das Resultat ist ein vielschichtiger Sound mit vitaler Note und heißt „Breakthrough“.
 
In „Breakthrough“ singst Du über das Wiederfinden des eigenen Feuers.
Joe Bonamassa: Nun, ich habe eine Pause vom Plattenmachen gemacht. Wahrscheinlich war das die längste Rast in meiner Karriere. Diese Platte hat zwei Jahre gedauert. Wir haben 20 Songs aufgenommen. Am Ende landeten zehn davon auf dem Album.
Wirst Du dem haptischen Format Album treu bleiben?
Bonamassa: Eine Vinylplatte bringt man nur für eingefleischte Sammler heraus. Sie wollen gern die Nadel fallen lassen, aber das ist nur ein kleiner Teil der Musikhörer. Streaming ist jetzt das Geschäft. Man kann heutzutage alles rausbringen, weil es gestreamt wird. Und dann sitzt man einfach da und wartet darauf, dass sich die Bruchteile von Cents summieren und die Produktionskosten sich wieder einspielen.
Die neuen Songs entstanden bei Sessions in Griechenland, Ägypten, Nashville und Los Angeles.
Bonamossa: Nun, wir waren als Touristen in Ägypten unterwegs, aber im griechischen Santorini spielten wir auch eine Studio-Session. Am selben Ort übrigens, an dem wir Alben wie „Black Rock“ und „Dust Bowl“ aufgenommen haben. Wir haben im Winter gearbeitet, was großartig war, denn es war niemand da. Santorini im Winter ist der perfekte Ort. Das Wetter ist da noch schön, und es gibt fast keine Touristen.
Wirkt sich der jeweilige Ort aufs Musikmachen aus?
Bonamassa: Das tut er tatsächlich. Ich habe in New York eine Platte aufgenommen, die auf eine bestimmte Weise klingt. Wir haben in Nashville Platten gemacht, die auf eine bestimmte Weise klingen. Und auch die in Los Angeles entstandenen Alben klingen auf eine bestimmte Art und Weise. Ich bin nach England gegangen, um eine britische Bluesplatte zu schreiben. Gemeinsam mit Bernie Marsden – er ruhe in Frieden – und Pete Brown, der ebenfalls in Frieden ruht. Pete hatte diese coolen Texte geschrieben, und Bernie und ich setzten sie zu Songs zusammen. Der Standort macht also immer noch einen Unterschied, auch wenn Studios in der Regel gleich aufgebaut sind. Aber allein die Tatsache, dass man sich in dieser ganz eigenen Studiowelt befindet, in einer bestimmten Stadt oder einem Land, wirkt sich wirklich auf den Sound aus.
Waren bei den Aufnahmen alle Musiker im gleichen Raum und haben die Songs live eingespielt?
Bonamassa: Ziemlich genau. Ich versuche, alle Soli live hinzubekommen, denn es verheißt Gutes, wenn ich diese Sachen live umsetze. Wenn ich ein Gitarrensolo im Studio aufnehme, dann auf derselben Gitarre, auf der ich den Rhythmus gespielt habe. Denn dann wird es wie live klingen, weil wir im Grunde eine Konzertband sind, kein Studioprojekt. Und wenn wir Konzerte geben, ist es mir eigentlich egal, ob wir die gleichen Arrangements wie bei der Studioaufnahme spielen. Ich erweitere nämlich gern Soli und mache andere spontane Sachen.
Hast Du im Studio Pro Tools benutzt, um die Gitarren-Soli zusammenzusetzen?
Bonamassa: Ja, Pro Tools ist ein tolles Werkzeug. Das Beste daran ist, dass man die einzelnen Takes ganz einfach zusammenschneiden kann. Wenn einem das Solo auf dem ersten Take gefällt, aber der Rhythmus-Track auf dem zweiten besser ist, kann man diesen einfach unters Solo legen. Auf diese Weise verbrennt man keine Takes, um das perfekte Solo zu finden. Mit Pro Tools hat man eine unendliche Anzahl von Spuren und Takes. Aber eine Band wie Black Country Communion braucht eigentlich nur drei, vier Takes. Danach fängt die Qualität an zu sinken. Ich sage immer zu meinem Produzenten Kevin: „Sind wir fertig? Denn ich bin fertig“. Alles andere kann man reparieren. Wenn wir mit einem Drumfill nicht zufrieden sind, dann reparieren wir das Drumfill. Das ist einfacher, als einen neuen Take zu machen.
Setzt Du dich unter Druck, wenn Du Alben machst?
Bonamassa: Nein. Man will ja, dass es gut wird. Ich bin eigentlich immer ziemlich zuversichtlich, dass es nicht schlecht sein wird, wenn wir mit den Aufnahmen für eine neue Platte beginnen. Man versucht, sein Bestes zu geben, aber manchmal schafft man es nicht. Jeder hat eine andere Meinung darüber, welche Platte von einem bestimmten Künstler am besten ist. Oft ist es die erste Veröffentlichung, mit der die Leute dich entdeckt haben. Und dann wollen sie, dass du diese Platte immer und immer wieder machst.
In dem harten Rocker „You don’t owe me“ heißt es: „Jimmy Page war in unserer Band“.
Bonamassa: Das ist ein Text, den sich mein Produzent Kevin Shirley ausgedacht hat. Es ist ein lustiges, härteres Stück, das wir in Griechenland am selben Tag wie den Sammy Hagar-Song „Fortune Teller Blues“ aufgenommen haben. Sammy übermittelte mir den Text, Kevin und ich setzten die Musik zusammen, und ich schickte sie an Sammy zurück. Der meinte daraufhin: „Mann, das ist so verdammt heavy. Ich will es unbedingt singen!“ Okay, kein Problem, los geht’s!
Sammy Hagar ist ein Freund von mir und hatte gerade diesen Blues-Text im Kopf. Und ich dachte mir: Hier bist du richtig, wenn du schlammigen Bluesrock hören willst. Denn wir wissen, wie man das macht.
Voriges Jahr kam ein neues Album von Black Country Communion. Der Beginn einer neuen Ära von BCC?
Bonamassa: Ich liebe es, mit diesen Jungs zu spielen. Das ist etwas, das mir wirklich Spaß macht. Aber wir kommen langsam zum Ende. Jede Show von Black Country Communion könnte die letzte sein, wir haben ja schon fünf Studioalben und eine Live-Platte herausbegracht. Wir sind seit 15 Jahren zusammen, ob Sie es glauben oder nicht.
Wie haben Du und Glen Hughes wieder zueinander gefunden?
Bonamassa: Oh, ich liebe ihn! Wir hatten unsere Differenzen darüber, wie wir die Dinge angehen. Aber Glenn und ich haben das in den letzten zehn Jahren wirklich überwunden. Ich mache Platten, weil es mir immer noch Spaß macht und wir coole Shows spielen können, wie etwa in einer Stunde.
Olaf Neumann