THE VOLCANOES – Hamburgs neue Soulsensation begeisterte Tausende beim Hafengeburtstag.
Volkan Baydar (Gesang), Patrick Pagels (Gitarre), Hannes Koeppen (Saxophon), Frederick Thoele
(Keys), Nancho Campos (Schlagzeug) und Boris Vasiljevic (Bass) sind Könner und Kenner aus den
Hamburger Clubs seit Jahrzehnten.
Wie seid ihr zur Musik gekommen?
Hannes: Ich spiele Saxophon – unter anderem bei Think Big, Papa Calvin und Lotto King Karl. Ich
habe mir den Klavierunterricht selbst finanziert bei unserer Organistin aus der Kirchengemeinde. Später
habe ich eine Wette abgeschlossen, dass ich Flöte in zwei Monaten lerne – die habe ich gewonnen. So bin
ich zu den Blasinstrumenten gekommen, habe Querflöte studiert und dann Saxophon gelernt, weil die
Hochschul-Bigband keine Flöte wollte, sondern Saxophon. In meinem Elternhaus lief nur Klassik – und
alles, was ich spielte, nannten meine Eltern „Krach“. Ich höre gern Jazz, spiele ihn aber nicht so gern.
Eher poppiger Jazz, Funk bis Soul – das ist mein Ding.
Boris: Ich spiele Bass seit Ende der 80er. Eigentlich komme ich von der Gitarre, dann gab es eine Probe
mit einem Bassisten, der nichts verstanden hat – ich habe die Nerven verloren, ihm den Bass
abgenommen und gedacht: Das muss man doch anders spielen können. In den 90ern war ich lange bei
einer Band – alternativer Rock und Grunge, eher experimentell. Das haben wir acht Jahre durchgezogen.
Danach habe ich wegen des ganzen Band-, Label- und Verlags-Stresses eine Pause gemacht. Als ich
wieder anfing, habe ich auf Bandsuche Nancho wiedergetroffen – wir kannten uns aus den 80ern von
Blue Exhibition und haben gefühlt 8000-mal „Black Magic Woman“ gespielt.
Nancho: Ich bin Schlagzeuger. Geboren in Santiago de Chile, seit ’74 in Hamburg. Ich habe 20 Jahre auf
dem Kiez gespielt – später unter anderem mit Angelo Kelly, Toni Sheridan und im Käptn-Kaos-Club.
Zuhause lief Rock’n’Roll, oft Beatles, auch Soul.
Volkan: Ich habe angefangen zu singen, als ich ganz klein war – und nie wieder aufgehört. Mit 13 oder
14 bin ich in eine Plattenfirma – oder einen Verlag, ich kannte den Unterschied nicht – und habe gesagt:
„Ich bin Sänger, ich möchte singen.“ Die Antwort war: „Bring eine Aufnahme.“ So bin ich ins Recording
gerutscht. Heute habe ich ein Studio und produziere auch. Ich erinnere mich noch, wie ich Ende der 90er
einen riesigen Rechner aufs Autodach gepackt habe – erste Kurve, das Ding runter, auf der Straße
zerschellt. Im Elternhaus lief viel türkische Musik. Die mochte ich als Kind nicht – später habe ich
gemerkt, wie nah diese Melismen und „Schlenker“ an Soul und Funk sind.
Und wie habt ihr zusammengefunden?
Volkan: Zu uns gehören außerdem Patrick (Gitarre, sehr funky, sehr viel Gefühl) und Fred
(Hammond/Keys). Das war keine Castingsache – uns fehlten noch Mitglieder und die Namen lagen sofort
auf dem Tisch. Einmal geprobt, es passte, und dann war es so.
Nancho: Volkan und ich hatten vorher schon zusammen Funk gemacht und wollten mehr in Richtung
Soul.
Volkan: Für mich war das fast spirituell. Ich war lange im Studio – Mixing, Mastering, Corona-Zeit – und
irgendwann sagte meine Freundin: „Du bringst Songs raus, aber du bist nicht glücklich.“ Ich habe mir
wirklich gewünscht, wieder live zu spielen. Kurz danach ging alles sehr schnell: Charity-Gala,
Begegnungen, Proberaum – und plötzlich war diese Band da.
Warum gerade Soul?
Volkan: Soul ist für mich das Gegengewicht zur digitalen Welt. Das ist warm, ehrlich, dreckig im besten
Sinn. Du schwitzt, du riskierst was, du bist frei. Das ist nicht „Arbeit“ – das ist Begegnung. Soul war da
und ist nicht mehr gegangen.
Hannes: In den 80ern kamen überall Drumcomputer. Was bleibt, ist Bühne: Musik aus Bauch und Herz,
gemeinsam mit dem Publikum.
Was gehört sonst noch zu einem guten Live-Jam?
Hannes: Connection. Du hörst, ob es stimmt. Mit der Zeit lernst du, an Atmung, Timing, Gesten zu
erkennen, was gleich passiert. Das Publikum denkt oft: „Die haben das ewig geprobt“ – dabei passiert
vieles live zum ersten Mal.
Volkan: Eine gute Performance hat Risiko. Wenn ich einen Song zum 25. Mal gleich singe, wird mir
langweilig – und das spürt man. Musikalisch darf man auch mal „verloren“ sein, wenn man gemeinsam
wieder rausfindet. Das ist lebendig. Wir nehmen Stücke, die es gibt, als Anlass – und machen unser
Eigenes daraus. Dann passieren Dinge, die nicht geplant sind.
Ist das Ziel Major-Company oder autonom?
Volkan: Eher autonom. Majors haben Vorteile, aber du musst dich heute sowieso selbst organisieren:
Sound finden, sichtbar sein, Community aufbauen.
Welche Rolle spielt Hamburg dabei?
Boris: Hamburg ist Tradition und Spielort. Auf dem Kiez zu spielen – auch in Clubs, die
Musikgeschichte atmen – das hat Gewicht. Das prägt.
Volkan: Wir wollen dahin: eigene Singles, irgendwann Vinyl, gern ein gutes Live-Video – und dass man
unseren Namen nennt, wenn es in Hamburg um diese Art von Soul/Funk geht.
Hamburg, OXMOX, Musikerleben – wie steht das für euch in Verbindung?
Boris: OXMOX ist DAS Stadtmagazin. Als Musiker suchst du dort neue Bands und guckst: Wo spielt
wer?
Nancho: Ich habe über OXMOX meine erste Band kennengelernt.
Volkan: Als Teenie habe ich dauernd Bands gesucht. Auf eine Anzeige vom Orange-Blue-Vorläufer bin
ich im OXMOX aufmerksam geworden – so habe ich meinen Partner Vince Bahrdt kennengelernt. Das
ist schon eine coole Zeitschrift.




