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Interview: Helge Schneider – Ein Mann und eine Gitarre

WIE IN EINEM SCIENCE-FICTION-FILM

Unter dem Motto „Ein Mann und seine Gitarre“ geht der begnadete Anarcho-Entertainer aus Mülheim an der Ruhr jetzt wieder auf Tournee. Olaf Neumann traf für OXMOX einen gut aufgelegten Künstler in seiner Kreativwerkstatt, in der er seine Lieder zusammenschneidert. Sie erinnert an ein kunterbuntes Musikinstrumentenmuseum.

Dokumentiert „Live in Luxemburg“ einen ganz eigenen künstlerischen Ausdruck?

Helge Schneider: Es war ein sehr schöner Abend mit einer tollen Atmosphäre im Dezember 2021, den ich mit Mehrkanaltechnik aufgenommen und nachträglich abgemischt habe. Jetzt kann ich mit einer aktuellen Live-CD auf Tour gehen … In dem Club Den Atelier in Luxemburg City durfte das Publikum stehen und die Stimmung war ausgelassen – ein paar Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Etwas ungewohnt für uns, wo wir die letzten
Konzerte, wenn sie überhaupt stattfinden durften, mit den landesüblichen und immer wieder geänderten Beschränkungen gespielt hatten.

Was machen die Beschränkungen mit dir persönlich?

Sie machen mich im Inneren frei. Ich denke einfach: Wie scheiße! Und daraus resultiert eine sehr persönliche Haltung diesem großen Ganzen gegenüber. Ja, ich fühle mich irgendwie so, wie ich mich damals fühlte, als ich angefangen habe aufzutreten. Ein Gefühl, als wäre man nicht ganz gesellschaftskonform. Ich musste ja immer für etwas kämpfen, um Anerkennung als Musiker und Komiker. Das kann man nur durchstehen, wenn man besonders cool bleibt und seine Freiheit immer wieder propagiert. … Zwei Jahre des Lebens könnten jetzt einfach weg sein. Aber man kann auch sagen: Es war eine gemütliche Zeit. Sich selbst überlisten ist eine ganz praktische Eigenschaft. Aufräumen. Nix tun. Sich ärgern, auch schön. Fernsehgucken, immer dasselbe. Immer dieselben Leute auf dem Bildschirm. Man könnte meinen, man kennt sie persönlich. Wir leben ja jetzt in einem billigen Schundheft mit Science-Fiction- Inhalt mit wenigen fettgedruckten Seiten, von allen Seiten beobachtet und ausgestattet mit Plastikgeld.

Was ist für dich der Maßstab für eine gute Bühnenperformance?

Die Atmosphäre. Die Akustik. Die Laune. Ich muss sagen, ich habe eigentlich immer unheimlich gute Laune, vor allem, wenn ich auftreten kann. Bei Corona ist das ja ziemlich kompliziert. Manche Veranstalter sind echt arm dran mittlerweile. Diese immer wieder sich ändernden Vorschriften. Trotzdem hatte ich fast 40 Auftritte letztes Jahr, glaub ich. Und wenn ich schon auftreten darf, macht es nicht nur den Zuschauern, sondern auch mir unheimlichen Spaß. … Nach dem Auftritt ist plötzlich wieder Alltag, und das ist auch gut so. Ich fahre dann meist mit meinem Wohnmobil wieder nach Hause. Oder geh ins Hotel und freue mich schon auf das Frühstück.

Wäre das Leben ohne die Bühne noch lebenswert?

Tja, was für eine Frage. Ich denke, darüber müsste ich erstmal tagelang nachdenken.

Du gehst jetzt unter dem Motto „Ein Mann und seine Gitarre“ auf Tournee. Wie fühlt sich das an?

Tournee kann man das ja jetzt nicht mehr nennen, weil man immer einen Tag vorher mitgeteilt bekommen kann, dass der Auftritt abgesagt werden muss. So geht das seit zwei Jahren. Außerdem trauen sich zu einem Konzert, zu dem 1.000 Zuschauer kommen dürfen, nur die Hälfte.

Wer wird mit dir diesmal auf der Bühne stehen?

Wir sind zu zweit – Sandro Giampietro (Git., Anm. d. Red.) und ich – und haben irre Spaß daran. Wenn dann noch jemand dazu kommt, wenn er schulfrei bekommt und Lust hat, kann das nur ein lässiger Typ wie mein Sohn Charlie sein.

Leidet dein Humor unter…

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