MS Stubnitz –  Das spannende Kulturschiff sucht Unterstützer

MS Stubnitz – Das spannende Kulturschiff sucht Unterstützer

5. Februar 2019

Ein Außenbereich am Deck, drei Innenräume, Platz für 700 Personen – wer nach einem geeigneten Ort zum Feiern sucht, der wird auf der MS Stubnitz auf jeden Fall fündig.  Das ClubSchiff mit Fans auf der ganzen Welt, hat schon in vielen europäischen Städten angelegt, unter anderem auch in Stockholm, wo dann auch mal der Zoll und die schwedische Rave-Komission in den Genuss kamen, das Schiff von innen zu betrachten. Da das 1964 erbaute, ehemalige Transportschiff, eher den Eindruck eines Party-Paradieses, als den eines schwim­menden Drogenkartells erweckt, hakte OX­MOX bei Kapitän und Kulturmanager Urs Blaser (58) noch einmal genauer nach…

 

„Wir hatten ‘ne Einladung für diese europäische Kulturveranstaltungsgeschichte. Ich dachte es wäre ja ganz charmant wenn wir, als alternatives Kulturzentrum, deutsches Fassbier mit nach Schweden bringen würden.

Das fand die Organisatorin auch super und  dann haben wir irgendwie so’n paar hundert Fass Rostocker Pils aufgeladen. Ich habe noch gefragt wie das denn mit Lizenzen ist, normalerweise muss ja auch der Zoll informiert werden. Die meinten: ‘Ja, das regeln wir alles’.“

 

Als sie dann in den Hafen einliefen, war natürlich nichts geregelt. Ihr Stellplatz lag genau neben dem Zoll und der, wie sollte es auch anders sein, wusste natürlich rein gar nichts über die Biere.

 

„Als der Zoll dann in der Früh gekommen ist und gesehen hat: ‘Uh, da ist ein neues Schiff!’, haben wir erstmal so ‘ne „Black Gang“ an Bord gekriegt. 24 Mann, 48 Stunden – die haben dann alle Klappmesser und so was auf einem großen Teppich gesammelt. Das war dann so der Waffenfund und dann ham’ sie an drei Stellen an Bord Drogen gefunden. Da waren in einer Gästekammer, in ‘ner Backskiste unten irgendwie 0,2 Gramm, ein paar Krümel. Ich glaube insgesamt 0,7 Gramm Haschisch.

Und dann ham’ sie die Mushrooms, die Pilze zum Kochen, von der Kombüse konfisziert und die Boulevardzeitung ist  daraufhin mit dem Titel raus: ‘Deutsches Schiff mit Waffen und Drogen’. Das war erst der Auftakt und dann hat sich noch rausgestellt, dass das Bier in Schweden eigentlich als Starkbier gilt. Hätten wir das verkauft, hätten wir wohl das Staatsmonopol gebrochen, da sind die gerade in Schweden ganz streng.“

 

Das Festival, für das sie ursprünglich nach Schweden fuhren, mussten sie schlussendlich ohne Alkohollizenz beschreiten. Aber bei dieser Einschränkung sollte es nicht bleiben. Die Rave-Komission der Schweden stattete dem Kulturschiff auch noch einen Besuch ab.

 

„Wir hatten den Percussionkünstler Muslimgauze Bord. Der hat ‘ne Mehrtrackaufnahme, die er mitbringt und dann spielt er einen Track dazu. Da haben die gesagt: ‘Ja, das ist Rave-Musik’ und fragt, ob wir ‘ne Lizenz für Rave-Musik haben. Sag ich: ‘Ne, wir ham’ eine Lizenz für Livemusik.’ So eine Rave-Lizenz muss man beantragen und das dauert zwei Wochen, unser Künstler war aber ja schon an Bord. Wir durften also das Publikum auf’s Schiff bringen, denen leichte Getränke verkaufen und Hintergrundmusik laufen lassen. Aber wenn der Künstler die Liveperformance macht, hätten wir quasi das ganze Publikum aus dem Raum rausbringen müssen, weil wir dafür keine Lizenz hatten und dann, wenn es vorbei ist, hätten wir das Publikum für die Backgroundmusik wieder reinholen können.

Also haben wir große Monitore und eine kleine Beschallungsanlage installiert und den Auftritt auf Deck übertragen. Das Publikum musste dann aus dem Raum raus und hat die Übertragung angeschaut. Das war dann kein Rave mehr, die haben ja nur die Übertragung von einem Rave gesehen.“

 

Natürlich wollte man sich das nicht einfach so gefallen lassen. Der Kapitän und seine Crew wollten auf ihre unangenehme Erfahrung aufmerksam machen – und das gelang ihnen innerhalb kürzester Zeit sehr gut.

 

„Wir haben dann ein riesiges Plakat gemacht und beschrieben, was da vor sich ging. Das hat richtig politische Auswirkungen gehabt. Das Ganze ging noch drei Monate und danach gab’s in Schweden keine Rave-Kommission mehr. Zwei Jahre später wurde das aber von den Schweden wieder eingeführt.“

 

Passend zu solch wilden Geschichten kennzeichnet sich die Stubnitz durch ein außergewöhnliches Ambiente. Mit seinem  post-industriellen Stil und mit charmanten und ausgefallenen Ideen begeistert und überzeugt der Ausnahme-Club Menschen aus aller Welt. Ehemalige Laderäume dienen als Veranstaltungsflächen, Bars und eine Bühne fügen sich perfekt in das Bild ein. Selbst vor einem Vintage Cinema, inklusive rustikalen Kinositzen, schreckte  man hier nicht zurück.

Für Künstler gibt es an Bord, dank Arbeitsbereichen und Studios, die Möglichkeit ihre Veranstaltungen in Bild und Ton zu dokumentieren und zu archivieren.

 

Diese Highlights erregen im Jahr das Aufsehen von rund 35.000 Besuchern, die sich nicht nur für eines der durchschnittlich 230 Live-Projekte, sondern auch für die zahlreichen Kulturangebote der Stubnitz interessieren.

So kann man sich zum Beispiel bei einer Führung genauer über die Geschichte des Schiffes informieren, von seinen Anfängen als Kühl- und Transportschiff 1964, bis zu der Anerkennung seines Denkmalstatus im Jahr 2003.

 

Die Weltoffenheit des Clubs zeigt sich nicht nur in ihrer langen Liste an abgeklapperten Reisezielen, sondern auch an ihrer Besatzung selbst. Vierzehn Crewmitglieder aus unterschiedlichsten Kulturen nennt die Stubnitz ihr Eigen. Das Team ist eng miteinander verwachsen, denn sie arbeiten nicht nur gemeinsam, sie leben auch gemeinsam auf dem Schiff.

Zusammen machen sie das Unmögliche möglich und hauchen dem alten  Industrie-Hochseeschiff durch ihren Zusammenhalt und ihr familiäres Miteinander Leben ein.

 

Der Lohn für ihre Arbeit besteht dabei tatsächlich ausschließlich aus einer Möglichkeit für einen Schlafplatz, vielen aufregenden Erfahrungen und kostenloser Live-Musik, wie uns Urs Blaser in unserem Interview verrät.

 

„Bei uns wird die Arbeit nicht bezahlt. Im  Sachkostenbereich bei der Instandhaltung ist ein durchschnittlicher Aufwand so bei 80 bis 100 tausend im Jahr. Wir sind jetzt nicht gänzlich erfolglos als Veranstalter, aber wir kommen nie aus dem Knick, weil alle Einnahmen für das Schiff drauf gehen.“

 

Spaß macht ihnen ihre Arbeit trotzdem. Die kleine Hochseefamilie betreibt das Schiff gerne und hat dabei immer Freude daran, Neues auszuprobieren. Und was dann gut ankommt, das wird auch gerne wiederholt.

 

„Wir haben im Januar zum zweiten Mal so’n Konzept gemacht: Das heißt ‘Ein Tag Frühling’ und ist ein Singer/Songwriter-Festival mit 20-30 Projekten an einem Tag. Das geht dann um 14 Uhr los und bis weit in die Nacht rein. Da haben wir dann quasi vorne ein Programm und hinten ein Programm, das ist dann immer so im Wechsel. Vorne so die etwas unkomplizierteren Projekte, hinten dann die komplizierteren. Da hatten wir so 500 Leute. Für so’n kleines Festival funktionieren die Räumlichkeiten ganz gut. .“

 

In Hamburg hat sich das ElbJazz Festival als populärstes Projekt bewährt. Die größte Jazz-Publikumsveranstaltung Deutschlands, die 2017 über 29.000 Besucher feierte, findet dieses Jahr im Juni teilweise auch wieder auf der MS Stubnitz statt.

 

Hamburger dürfen sich freuen – der HochseeClub hat, was unsere Hansestadt angeht, klare Zukunftspläne.

 

„Wir haben bis 2026 unseren festen Platz hier in der Mitte von Hamburg-Mitte. Für uns geht es jetzt nur noch darum Kontakte zu knüpfen, dann könnte man hier auch noch mehr Veranstaltungen machen und buchen. Die Räume haben wir ja.

Hier gibt es Livekonzerte, Clubkonzerte, man kann es mieten und zusätzlich ist es auch noch Industriedenkmal. Das sind eigentlich die vier Möglichkeiten hier auf dem Schiff was zu erleben.“

 

Während ihrer Zeit in Hamburg, am Kirchenpauerkai in der Hafen-City, hat die Crew natürlich so einiges vor – OXMOX hat für euch eine Liste mit den Events für den Juli zusammengestellt.

 

MS.Stubnitz.com

 

Jetzt Fördermitglied werden und damit die MS Stubnitz langfristig unterstützen. 

Die Stubnitz muss 2019 in die Werft für die 11. Klasseerneuerung. Ein Großteil des Aufwandes kann aus bereitstehenden Mitteln des Denkmalschutz bestritten werden, diese sind aber nur abrufbar, wenn wir aus eigener Tasche einen Teil dazu beisteuern.

Fördermitgliedschaften – klein und groß – helfen uns gegenüber den Fördermitteln des Bundes, der Freien und Hansestadt Hamburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu zeigen, dass hinter dem technischen Denkmal und dessen kultureller Nutzung eine breite Öffentlichkeit steht.

Summen, Förderungshöhe, wie viel wird benötigt:
Um die Lebenserwartung der Stubnitz 10 Jahre nach vorne zu bringen, laufen über die nächsten zwei Jahre die Instandsetzungsmaßnahmen. Jeder Förder-Euro bewegt dafür sieben Euro aus den Töpfen des Denkmalschutz, d.h. aus jedem Förder-Euro werden acht.

Das Ziel wird erreicht mit 850 Förderer*innen die über 2 Jahre einen Dauerauftrag von durchschnittlich 10€/Monat auslösen. Mit den ersten 200 Förderer*innen gelingt es, die erste Etappe zu bewegen, um die Klassenerneuerung durchführen zu können. Über lange Jahre haben sich enorm viele Personen für den Erhalt der Stubnitz eigebracht. Jetzt besteht die Riesenchance eine Perspektive für das Schiff zu sichern!

Hilfreicher als sich einmal mit einer Spende zu verausgaben ist also ein schmerzfreier Monatsbeitrag per Dauerauftrag über die 24 monatige Instandsetzungszeit. Kontaktaufnahme für eine eventuell größere oder sachliche Beteiligung am Erhalt des Industriedenkmals, wie sie zum Beispiel eher für juristische Personen denkbar ist, sowie andere Fragen gerne an foerdermitglied@stubnitz.com. Teilt und verlinkt diese Seite sehr gerne in eure Netzwerke, an eure Partner und an eure Freunde, wir freuen uns über euren Support, Kontaktaufnahme, Nachfragen und Förderung.

[KS]
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