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Hexen in Hamburg

Hamburgs Historische Hexen

Der Glaube an Hexen begleitet die Menschen schon seit jeher. Je weniger man sich die Welt erklären konnte, desto magischer musste sie den Menschen erscheinen. Von der bösen Zauberin Circe, die Odysseus‘ Männer in Tiere verwandelt, über weise Frauen bis hin zum Kräuterweib. Hexen waren Teil der natürlichen Welt. Lediglich Schadenzauber galt als Verbrechen, das bewiesen werden musste und dann geahndet wurde (Sachsenspiegel ca. 1220) wie jedes andere Verbrechen auch.

Warum kam es dann plötzlich zu Hexenverfolgungen – gerade im Mittelalter und der frühen Neuzeit? Was war anders?

Das 15. Jahrhundert war ein Zeitalter der Innovationen. Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck mit beweglichen Lettern und löste damit eine Medienrevolution aus. Vorher musste alles mühsam von Hand abgeschrieben werden. Jetzt konnte innerhalb kurzer Zeit eine wesentlich größere Anzahl an Menschen erreicht werden. Praktisch das Internet des Mittelalters. Dies hatte auch seine Schattenseiten. Denn jedes Buch konnte so vervielfältigt werden.

PR-Genie und Frauenhasser Heinrich Kramer wusste sich in Szene zu setzen. Zunächst latinisierte er seinen Namen zu Henricus Institoris, das war damals üblich und klingt ja auch gleich viel besser. Dann verfasste er ein Restrikt, das von Papst Innozenz VIII. so übernommen wurde. Der hatte wohl nicht richtig aufgepasst, denn mit der sogenannten Hexenbulle oder auch Summis desiderantes affectibus, wie das Restrikt vollständig hieß, bestätigte er die Existenz von Hexen. Dies stand der Lehrmeinung der Kirche entgegen, die den Hexenglauben als Wahnvorstellungen abtat. Wäre jetzt wohl nicht so schlimm gewesen, wenn dieses zunächst unbedeutende Schriftstück in irgendeinen Aktenschrank im Vatikan verstaubt wäre. Doch Kramer wusste es gekonnt einzusetzen.

Immer wieder hatte Kramer mit Widerstand in der Kirche zu kämpfen, z.B. wurde er in Innsbruck vom Bischof des Landes verwiesen, als er angebliche Hexen verfolgen ließ. Daraufhin verfasste der gescheiterte Inquisitor 1486 sein legendäres Werk: Malleus Maleficarum – den Hexenhammer. Eine Ansammlung von Vorurteilen und Ansichten über Hexen, die deren Vernichtung fordern. Dieser stellte er die Hexenbulle vorweg, fügte noch ein gefälschtes Gutachten der theologischen Fakultät der Kölner Universität hinzu und voilá: Der Hexenhammer erschien plötzlich völlig legitim. Durch den Buchdruck konnte er sich nicht nur im ganzen Deutschen Reich verbreiten, sondern auch weit über Landesgrenzen (z.B. bis nach Amerika) hinaus und wurde bis ins 17. Jhd. immer fleißig nachgedruckt.

Auch Hamburg blieb nicht verschont vom Hexenwahn. “Wenn ein christlicher Mann oder Frau, der/die ungläubig ist und mit Zauberei und Vergiftung umgeht und auf der frischen Tat ertappt wird, den/die soll man auf dem Scheiterhaufen verbrennen.” (Hamburger Stadtrecht von 1497). 101 Hexenprozesse sind dokumentiert. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Die meisten Frauen, die meisten endeten mit dem Tod der Beklagten. Eine von ihnen ist Abelke Bleken.

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Abelke ist wunderschön, wohlhabend und unabhängig. Eigenschaften, die ihr Sicherheit und Prestige bringen. Als junge Frau ahnt sie noch nicht, dass ihr gerade das mal zum Verhängnis werden wird. Denn Neider gibt es überall. Nach einem Unglück (wahrscheinlich die große Flut von 1570 mit Deichbruch) schafft sie es nicht, die Schäden beheben zu lassen. Ihre Pflicht als gute Bürgerin! Also muss sie ihren Hof an den Hamburger Ratsherrn Johann Huge verkaufen. Der lässt sich dieses Schnäppchen natürlich nicht entgehen. Alleinstehende Frau in Geldnöten – da kann man den Preis schon mal drücken. Streit ist vorprogrammiert. Das Unglück nimmt seinen Lauf, als es zu Vorfällen kommt, für die es keine Erklärung gibt. Oder etwa doch? Da muss es ja mit dem Teufel zugehen oder mit seinen Verbündeten: Hexen. Eine Schuldige ist schnell gefunden: Abelke. Sie hat ein Motiv, niemand steht ihr bei und unter der Folter gesteht sie alles, was man von ihr hören will.

Am 18. März 1583 lodert der Scheiterhaufen für Hamburgs berühmteste Hexe: Abelke Bleken, über die wir kaum mehr wissen als ihr Geständnis.

Was von Abelke bleibt, ist eine Mahnung.

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Abelkes Geständnis

„Abelke Bleken aus dem Ochsenwerder […] im peinlichen Verhör Folgendes gestanden:

Erstens bekennt sie, dass sie sich […] dem Satan […] ergeben hat […]. Dass sie auch mit demselben Buhlen Gemeinschaft gehalten hat […] Sie bekennt auch, dass Geseke Schwormstedt […] und der Gefangene Peter Wenten auf dem Sandberge getanzt haben. […] Sie bekennt auch, dass sie und Geseke Schwormstedt […] verabredet hätten, dem Ratsherrn Johann Huge Schaden […] zuzufügen. Denn der Ratsherr Johann Huge hatte zuerst den Hof von Henneke Schwormstedt und dann Abelkes Hof gekauft, was sie ihm nicht gönnten. Und dass sie also Herrn Johann Hugen […] seine Ochsen und […] seine Kälber totgezaubert, was sie […] in der Weise verrichtet, dass sie mit einem Stock so viele Löcher, wie Tiere sterben sollten, in aller Teufel Namen in die Erde stachen. […] Ebenso bekennt Abelke, dass sie den […] Vogt […] verzaubert habe, weil dieser ihr bei der Besichtigung einen Kessel ausgepfändet hatte; sie habe damals zu ihm gesagt, dass er dies auf dem Bett büßen solle. Und dass also Abelke ihren Gürtel, der aus buntem Wollband gewesen, hergerichtet, und an beiden Enden Knoten in aller Teufel Namen darein geschlagen, und des Vogtes Haare und die abgeschnittenen Nägel von den Fingern der Frau darein gebunden, und diesen Gürtel in des Vogtes Pferdestall gelegt, damit also der Vogt in Krankheit bleiben sollte, so lange bis der Gürtel gefunden und die Knoten gelöst würden. Sie bekennt auch, dass sie die Hausfrau des Vogtes […] gebeten habe, ihr den gepfändeten Kessel wiederzugeben, was aber die Frau nicht hat tun wollen. Da habe Abelke im Haus des Vogtes eine Katze mit einem Stock in aller Teufel Namen totgeschlagen. Sie habe das Katzengehirn in Kohl und Warmbier gelegt, davon der Frau gegeben, die auch am dritten Tag krank geworden und bald danach gestorben sei. […]

Worauf sie also leben und sterben will.“

Flugsalbe nach historischen Rezept

100g Menschenfett (am besten von ungetauften Kindern)

40g Haschisch

50g Bilsenkraut

20g Belladonna

260g Indisch Hanf

50g Knoblauch

30g Sonnenblumenkerne

250g Mohnblumen

60g Callamus

100g Weizen

Alle Zutaten mischen, trocknen und zu Pulver zermahlen. Hand- und Fußflächen damit einreiben.

(Anmerkung der Redaktion: Nicht Zuhause nachmachen!)

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Hamburgs Hipster Hexe

Mit leicht mulmigen Gefühl betrete ich den Hexenladen Practical Magic. Ich hatte so einiges erwartet, aber nicht das. Der Laden ist groß und hell und er duftet. So hatte ich mir einen Hexenladen nicht vorgestellt, erscheint auf den ersten Blick wie eine Drogerie. Keine Pentagramme, keine Besen, keine Samtvorhänge. Stattdessen gibt es Kerzen, Kräuter und kleine Päckchen (was es damit wohl auf sich hat?) Hier treffe ich auf Inhaberin Meike Menzel (46) – eine Hexe.

Wie würdest du die Hexe in der heutigen Zeit definieren?

Nicht alles, was das Schicksal oder das Universum dir in den Weg wirft, einfach so hinzunehmen, sondern zu wissen mit welchen Mitteln und Hilfsmitteln man irgendwie die Geschicke so ein bisschen lenkt, das ist für mich der Hauptteil, wo ich sagen würde, dass jemand aktiv magisch arbeitet, dass er dann eine Hexe ist. Ohne aktive Arbeit an Dingen findest du das Thema nur schön oder magst es gerne ankucken, nennst dich selber aber nicht Hexe.

Bist du eine Hexe?

Ja, eindeutig.

Haben Hexen für dich was mit Frauenbewegung oder Feminismus zu tun?

Es hat was mit Selbstwert, mit self-fulfilment, also mit dem, was du erreichen willst zu tun, ist also eigentlich geschlechtsneutral.

In den 80er/90er …

90er sind das Schlimmste für mich. Da war überall das „Freche Mädchen kommen überall hin“-Ding und dementsprechend hießen die Bücher dann „Wie du deinen Ex in einen Frosch verwandelst“. Hexentum zu der Zeit war bitter. Inzwischen deutlich besser geworden. Feministisches Thema? Nein!

Welchen Unterschied siehst du zwischen der heutigen Hexe und der Hexe im Märchen?

Eindeutig kommen die Hexen im Märchen nicht gut davon. Ich glaube, mir würde jetzt keine gute Hexe einfallen außer von Ottfried PreußeDie kleine Hexe“ oder Bibi Blocksberg, aber das sind ja nicht wirklich Märchen. Klassisch sind wir immer die Bösen gewesen.

Frau Holle ist ja im weitesten Sinne auch eine Hexe …

Nee! Frau Holle ist ja Hollundra. Das ist eine Göttin – keine Hexe. Ein Stück weiter oben.

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Hast du eine moderne Ausrichtung oder eher traditionell?

Wir haben den Staub aus den Büchern gepustet und die Spinnweben weggeputzt. Alles sehr modernisiert, basiert natürlich auf altem Wissen.

Wann hast du gemerkt, dass du eine Hexe bist? Oder hast du dich dafür aktiv entschieden?

Wir haben in der Familie viel Aberglauben. Bei meiner Großmutter war z.B. sehr wichtig, Salz über die Schulter zu werfen, wenn du was verschüttet hast, und diese ganzen Geschichten. Und ich war ein typisches Warum-Kind (lacht) und musste wissen, was dahinter steckt. Warum bringt das Unglück? Wer kommt dann? Solche Dinge. Ich war also in dieser ganzen Welt immer schon Zuhause. Als ich mit meiner Tochter schwanger war, die ist jetzt 28, hat mir die Hebamme das alles ein Stück näher gebracht. Symbole in die Handfläche malen, um ein gesundes Kind zu kriegen, das man dann bald in den Händen hält.

Wird man als Hexe geboren oder kann man sich selbst zur Hexe machen?

Hexe ist ein Handwerk. Du hast einen Vorteil, wenn du damit aufwächst, klar. Wenn du die Geschichten aus der Familie kennst, musst du sie dir nicht extra antrainieren. Aber du hast keinen Vorteil dadurch. Ich glaube nicht an diese Blutliniengeschichte.

Hattest du schon mal Schwierigkeiten damit?

Im Freundes- und Bekanntenkreis nicht. Das würde sich keiner trauen, weil sie dann Angst haben, dass sie verhext werden. (lacht) Als meine Tochter klein war, habe ich keine Interviews gegeben, weil sie keine Lust hatte, dass die Kinder dann in der Schule sagen: „Deine Mama ist komisch.“ Spätestens als sie pubertär waren und dann zum Karten legen zu mir kamen, war es dann wieder nicht ganz so schlimm. Ich geh damit aber ganz frei um und erzähl das ziemlich gleich als Erstes. Wer das nicht mag, kann dann die Biege machen.

Du versteckst dich ja nicht, bist du denn schon mal angefeindet worden?

Da kam so ein Typ in den Laden und hat erzählt, dass Satan mich holen komme und ladiladila. Und die Zeugen Jehovas kommen relativ regelmäßig vorbei und erzählen mir, dass ich bitte den Laden schließen solle. Im Freundeskreis nicht, dafür gehe ich aber auch zu modern damit um, ich bin nicht seltsam dabei.

Gibt es auch so spezielle Aufgaben, die man als Hexe hat, die man erledigen muss?

Es wäre ganz schön, wenn du dir was vom Universum wünschst, dass du dann im Gegenzug das Konto vorher auffüllst. Das ist wünschenswert. Aber es gibt auch Hexen, die Kraft aus dem Negativem ziehen. Ich glaube nicht zwingend, dass das was mit dem Hexentum zu tun hat, sondern mit dem Menschsein an sich. Wenn du ein schlechter Mensch bist, kannst du auch daraus Energie ziehen, dass du nur Schlechtes tust. Wenn du an einen Ausgleich glaubst, ist so was wie Tierschutz, Umweltschutz und all das, wo du ein bisschen was bewegen möchtest, das, wo du das Konto auffüllst.

Gibt es Dinge, die eine Hexe auf gar keinen Fall tun sollte?

Wie ging noch der Spruch: „Was du nicht, das man dir tu …“ Wir sind prinzipiell gegen Manipulation in der Magie, beim Zaubern. Alles, das anfängt mit: „Jemand soll. Mein Chef soll mir eine Gehaltserhöhung geben. Jemand soll mich toll finden.“, lehnen wir komplett ab. Aber das ist, glaube ich, keine generelle Regel, sondern meine persönliche ethische Richtschnur.

Unterscheidet sich deine Ernährung …

Wir leben vegan. Kleine Aussetzer mal in alle Richtungen, bisschen Butter, bisschen Käse kommt mal vor. Aber 99% der Zeit vegan.

Hat das mit deinem Hexensein zu tun?

Das hat mit meinem Mann zu tun (lacht). Als ich den kennengelernt habe, war er Veganer. So ein seltsamer Veganer, wie ernährt man die? (lacht noch mehr). Irgendwann kuckt man da eben mit anderen Augen drauf, ohne den Scheiß erzählt zu bekommen oder Earthlings kucken zu müssen. Wie Kälbchen sterben für Milch, das versteh ich nicht. Ich habe einfach vorher nicht hingekuckt.

Was waren deine bisher größten Errungenschaften so im Hexendasein?

20 Jahre Hexenladen! 20 Jahre von dem leben, was mir am meisten Freude macht. Das machen zu dürfen und in dem Maße machen zu dürfen, was natürlich auch unterstützt wird mit Ritualen und Bittstellungen.

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Was für Bittstellungen und an wen?

In diesem Fall war es Fortuna – die blöde Kuh. Wir haben Fortuna für einen anderen Laden, den wir ganz gut fanden, um Unterstützung gebeten und sie hat uns so richtig abblitzen lassen. (lacht) Wir glauben eigentlich nicht an Gottheiten, das ist einfach nur eine Personifizierung von Energie, also der Energie des Glücks. Und ich habe geschimpft, wirklich, wirklich geschimpft – auf die olle Kuh (lacht noch mehr). Und sie hat wahrscheinlich gesagt: „Ach, verdammt warte! Ich hab da noch was viel Besseres.“ Und dann haben wir diesen Laden entdeckt und ich dachte: „Ok, sorry. Das ist das Zuckerstück, das sie für uns aufbewahrt hat.

Hast du irgendwelche Ziele?

Die Community ist mir ganz wichtig. In Hamburg ist ja fast nichts. Wir haben relativ viele kleine Gruppen und machen viel Alltagsmagie, wo Leute einfach mal Fragen stellen können. Wir haben einen Beratungsraum zum Karten legen und Astro. Uns ist unheimlich wichtig, ihnen die Angst zu nehmen.

Die schöne große Fensterfront. Da können die Leute beim Vorbeigehen mal reinschielen …

Kein Pannesamt und Vorhänge. (lacht) Hier kommen manchmal auch Leute rein und fragen: „Was machen Sie hier eigentlich?“ Wir haben hier einzelne Themenregale, wo wir die moderne Magie auch sehen. Alltagstauglich und nicht im Pannesamtkleid im Wald.

Oder nackt ums Feuer tanzen …

Das kann man mal machen (lacht). Wir hatten gerade Beltaine. Aber das darf dann gerne auch privat bleiben (lacht).

Wurdest du christlich erzogen?

Ich bin nicht getauft. Meine Mutter war ein verbriefter Hippie, wie man sich das vorstellt. Mit Zipfelkleidchen und allem. Mein Papa hingegen Hanseat, der heute noch sagt: „Ich weiß ja nicht, was ihr da macht, aber solange ihr damit erfolgreich seid, ist mir das recht.“ Ich musste auch nicht zum Religionsunterricht. Meine Tochter ist auch komplett frei aufgewachsen, auch nicht getauft, kein Religionsunterricht. Eine Hexe ist sie aber auch nicht geworden.

Feiert ihr Beltaine, Samhain usw.?

Ja. Wir feiern das relativ klein inzwischen, weil das für uns arbeitsame Tage sind. Wir feiern Beltaine tatsächlich zweimal. Einmal klassisch nach dem Kalender in der Nacht zum 1. Mai mit dem Thema Fruchtbarkeit. Da sammeln wir Kräuter für unsere Kunden, die schwanger werden wollen. Und dann feiern wir das nochmal in der Vollmondnacht mit dem Thema auf Leidenschaft. Da haben wir dann Produkte hergestellt, z.B. Kerzen. Für uns sind das auch energetisch wichtige Tage, sodass das Feiern manchmal ein bisschen kurz kommt, aber dafür hunderte von Leuten glücklich sind.

Was habt ihr denn während der Walpurgisnacht gemacht?

Walpurga ist Kirche. Wenn jemand das Wort sagt und sich zeitgleich Hexe nennt, fange ich an, innerlich zu kreischen. Das ist definitiv Beltaine und für uns auch immer nach dem Vollmond, also nach dem Mondkalender, nicht den kalendarischen Feiertagen. Lassen wir den Kunden offen. Jeder, wie er das gelernt hat und gut findet und was er damit verbindet, aber für uns nach dem Vollmond.

Was praktiziert ihr für Rituale?

Wir räuchern definitiv immer. Ich glaube, wir haben noch nie irgendein Ritual ohne Räuchern gemacht. Durch den Wald ziehen, was zurückgeben, Saatgut streuen zur Frühlingstagundnachtgleiche, Nüsschen und ähnliche Sachen für die Tiere. Ein ganzzeitliches in dieser Energie Schwelgen mit vorher und nachher eben entsprechend Räuchern. Zielsetzung: Ernte, Dank, usw. Wir sind da ziemlich frei.

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Was hältst du denn von Wicca?

Kegelclub. (lacht) Für Leute, die Regeln brauchen, damit sie sich heran trauen, finde ich das sehr schön. Da gibt es relativ feste Strukturen. Ich würde sagen, 90% unserer Kunden sind freifliegend. Wir haben da relativ wenig Berührung und entsprechend auch keine echte Meinung dazu.

Was hältst du denn von der Church of Satan?

Falsch verstanden. Also Anton Szandor LaVey hat das nur gemacht, um Macht auszuüben. Das ist alles Schwachsinn. Satanismus ist tatsächlich nicht das, als das er immer dargestellt wird. Der Temple of Satan, also die, die einfach nur sagen: „Wir brechen mit den Regeln“ – cool. Hat aber nichts mit Hexen zu tun. Das fehlgeleitete Satanismus-Ding, wo Leute meinen, sie müssten Fledermäusen den Kopf abbeißen und sich mit Blut beschmieren, die sollten sich eigentlich Sadisten nennen. Wir haben aber auch keine Kunden, die in diesen dunklem Bereich fallen, weil die sich gar nicht in den Laden trauen. Wir passen da so gar nicht mit rein, wobei wir jeden lassen, wie er möchte. Wenn einer reinkommt und sagt, er möchte eine Schwarze Messe feiern und braucht schwarze Kerzen, dann bin ich die letzte, die sagt: „Nee, du kriegst hier nichts.“ Wir richten den nicht, leiten ihn aber auch nicht dazu an.

Was hältst du von Aleister Crowley?

Crowley … ähnlich motiviert wie Anton Szandor LaVey: Macht, Sex, Drogen. Auch das hat meiner Meinung nach nichts mit Magie zu tun. Er hat das auch als Vehikel genutzt. Fast alle, die diese Wicca-Bewegung vorangebracht haben, waren Männer, Gardner z.B., die Frauen um sich gesammelt haben, die sie irgendwie Untertan gemacht haben. Da wiederholt sich dieses Muster.

Was für Dienstleistungen bietet ihr an?

Also erstmal stellen wir all unsere Produkte selber her und die sind ausgerichtet auf zehn grundsätzliche Themengebiete. Du kommst rein und sagst dann, du bist auf der Suche nach einem neuen Job und hast da Schwierigkeiten bei den Vorstellungsgesprächen und möchtest wissen: „Gibst da etwas, das mir hilft?“ Da würden wir dich erstmal vor das gelbe Regal stellen. Gelb ist Kommunikation, Konzentration, Ausstrahlung im Sinne von Professionalität, also nicht sexuell, mehr in Richtung Eloquenz. Manche möchten dann noch einen Stein mitnehmen, damit der ihnen ein bisschen Glück bringt. Andere möchten eine rituelle Handlung. Wenn das alles nicht passt oder dein Fall sehr speziell ist, dann gibt es die Hexensprechstunde, wo wir dir ein eigenes Ritual auf dein Thema schreiben und alle Zutaten zusammenstellen. Letztens hatten wir was mit Erbschaft. Da gab es mehrere Geschwister, die sich nicht einig waren. Familienbindung wieder aufbauen ist natürlich nichts, was es im Regal gibt.

Was ist euer größter Kassenschlager?

Beltaine! Die Jahreskreisfeste alle. Die Jahreskreisfeste verkaufen wir ein paar hundertmal. Zu jedem Jahreskreisfest gibt es ein Set vorab, was wir zusammenstellen, wo alles drin ist, damit du es allein feiern kannst, weil die wenigsten in Gruppen sind. „Couchtischhexen“ – wie wir gerne liebevoll sagen.

Und kann jeder die Produkte einfach anwenden, die ihr so im Laden habt?

Es gibt natürlich das Do-it-yourself-Regal für die, die Ahnung haben. Da kannst du dann selber sagen, wozu du eine Kerze brauchst, du weißt, wie du die ölst. Die kannst du dann einzeln zusammen sammeln. Wir lassen Raum für die, die wissen, was sie tun. Aber die, die das nicht wissen, können es komplett mit Anleitung und allen Zutaten kriegen. Backmischungen nennen wir das auch (lacht). Nur noch Wasser zufügen (lacht noch mehr).

Kann ich das erkennen, wenn ich eine Hexe vor mir habe?

In den Handlungen und Worten, also nicht optisch. Man muss kein Pentagramm tragen. Wenn du jetzt einer Hexe sagst: „Ich habe morgen ein Vorstellungsgespräch und ich habe Bammel.“ Dann sagt sie wahrscheinlich nicht „viel Glück“, sondern: „Wieviel Uhr? Ich mach dir eine Kerze an.“, damit du weißt, dass in dem Moment von der Person Energie in deine Richtung fließt, positive Energie, unterstützende Energie. Ich würde wahrscheinlich noch fragen: „Was ist deine größte Angst?“, damit ich die Farbe entsprechend aussuchen kann. Wenn du sagst: „Ich bin so nervös. Ich habe keine Kommunikation mehr“, ist es eine andere Farbe, als wenn du sagst: „Ich reiß immer die Fresse so auf und trete den Leuten immer gleich auf die Füße, weil ich den Job vom Chef machen will.“ Du erkennst andere Hexen in ihren Handlungen. Nicht einfach annehmen und hinnehmen und jammern, sondern was tun.

Was willst du unseren Lesern noch Spezielles mitteilen?

Das Wort zum Sonntag. (lacht) Es gibt kein „falsch“ in der Magie. Ich glaube, das ist das häufigste, das wir so hören: „Oh Gott, was ist, wenn ich was falsch mache?“ Du kannst nicht aus Versehen das siebte Tor zur Hölle öffnen, weil du das Abrakadabra verkehrt herum gesagt hast. Wenn du nicht die richtigen Zutaten hast, also wenn du nicht DIE Zutaten hast, die in dem Zauber stehen, kannst du immer kreativ nach deinem Bauchgefühl gehen. Und wenn du nur ein Teelicht Zuhause hast und morgen ist das wichtige Gespräch, dann nimm das Teelicht. Man darf sich heran trauen. Das ist wie kochen und backen. Dann ist der Kuchen vielleicht mal flach und nicht aufgegangen, schmeckt wahrscheinlich trotzdem, wenn du nicht gerade Zucker mit Salz verwechselst hast. Achtsamkeit gehört rein, aber es gibt kein „falsch“ und du musst nicht das ultimative Wissen haben, du darfst einfach ran. Ärmel hochkrempeln! Practical Magic! Es ist immer besser, was zu machen, als auf den idealen Moment zu warten oder die idealen Zutaten. Wenn es dich glücklich macht, kann es nicht verkehrt sein.

Also, jeder kann und jeder darf.

http://www.hexenladen-hamburg.de

Hamburgs Herzliche Hexe

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Elanor vom Eichenmoor (50) hat keine Warze auf der Nase, keine schwarze Katze umstreift ihre Beine und keinen spitzen Hut auf dem Kopf. Den erspähe ich an einem Regal. Ich wage mich in den Laden und sie geleitet mich ins Hinterzimmer.

Was ist eine Hexe?

Eine Hexe ist ein Mensch, der sich daran erinnert, dass es außer dieser Welt, die wir anfassen können, auch noch feinstoffliche Welten gibt und dass die Wände zwischen diesen Welten unheimlich dünn sein können. Hexen werden ja auch „Hagazussa“ genannt, das heißt „Zaunreiterinnen“. Wir haben einen Fuß in der anfassbaren Welt, und einen in der feinstofflichen Welt. Wir sind auf der Grenze, wir reiten den Zaun zwischen beiden Welten.

Haben die anderen das vergessen?

Ja, wir haben es vergessen. Im Zuge unserer Urbanisierung und der Zivilisierung und auch des stückweise Abgebens unserer Eigenmacht an die Religion, an den Staat, die alles für uns regeln, haben wir vergessen, was wir können und was wir sind.

Haben Hexen was mit Feminismus, mit der Frauenbewegung zu tun?

Hexen sind für mich sehr apolitisch. Eine Zeitlang haben sie dabei geholfen, diesen Befreiungsschlag anzufachen. Wir mussten eine neue Definition bringen, was macht denn eine wilde, freie Frau denn eigentlich aus? Sie trifft ihre eigenen Entscheidungen. Natürlich ist das mit Feminismus verknüpft, aber ich halte mich jetzt nicht unbedingt für feministisch, bloß weil ich eine Hexe bin. Ich bin einfach eine freie Frau.

Man könnte also beides sein, aber man muss nicht …

Man muss nicht. Genau. Es heißt immer: „Hexen und Katzen dürfen den König ansehen“. Die Hexe hat einen Hut und damit hat sie auch, genau wie der König die Krone, ein Symbol für Eigenständigkeit auf dem Kopf und das heißt: Die Hexe unterwirft sich nicht.

Und was unterscheidet die moderne Hexe von der Hexe im Märchen?

Dass es im Märchen oft sehr vereinfacht zugeht, alles auf den kleinsten Nenner runtergebrochen und oft sehr polarisierend. Es gibt in sehr vielen Märchen nur die bösen Hexen. Ich kann mich jetzt irgendwie so auf Anhieb an gar keins erinnern, wo die Hexe praktisch eine weiße Hexe wäre.

Höchstens Frau Holle …

Ein bisschen Frau Holle. Goldmarie und Pechmarie ist natürlich auch ein verkleidetes Märchen über Hexerei. Keine Frage. Aber sehr, sehr häufig haben wir da so ein bisschen den Part der Dunklen, der Greisinnen-Aspekt ist sehr stark betont, die ebenfalls die Leute herausfordert und Prüfungen ablegt. Was ich ganz ehrlich gesagt scheußlich finde, sind Serien wie Bibi Blocksberg, weil dieses „Hex, hex“ und alles ist genauso, wie sie das will. Das ist schlichtweg ein völlig falsches Bild. Hexerei ist harte Arbeit.

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Sind Sie eine moderne oder eine traditionelle Hexe?

Ich bin eine Hexe von altem Schrot und Korn. Nennen wir es mal so. Ich bin auch gerne Feld-, Wald- und Wiesenhexe. Ich bin eine Hexe, die nimmt, was sie als Geschenke zur Verfügung gestellt bekommt, und das Beste daraus macht. Ich fühle mich, ich kann mich anpassen und fühle mich überall Zuhause, nur in einer einzigen Welt nicht: In der Technik-Welt. (lacht)

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie eine Hexe sind?

Ich bin hellfühlig und aurasichtig auf die Welt gekommen. Ich habe schon vom Tag meiner Geburt an Farben gesehen, um die Dinge herum, die leben. Ich dachte, bis zu meinem siebten Lebensjahr, das könnte jeder. Erst dann fiel mir langsam aber sicher auf, dass das nicht jeder kann. Und dass man mich zunehmend für ein bisschen plemplem hielt, weil ich etwas sah, dass kein anderer sah. Und dann kam es immer wieder zu Reibereien. Und ich sagte: „Nein, ich bilde mir das nicht ein. Ich sehe was!“ Ich hatte eine ziemlich schwere Pubertät, da wurde alles noch viel schlimmer und noch komplizierter. Ich hatte eine Zeit, in der ich gedacht hatte: „Ich bin im völlig falschen Film und in der völlig falschen Zeit und im völlig falschen Land. Ich bin einfach völlig verkehrt.“, weil ich nicht definieren konnte, was mit mir anders ist, hat mir ja keiner gesagt. Wie auch? Bis ich eben jemanden getroffen habe, der mir gesagt hat: „Mädchen, du hast keine Ahnung, was du bist, oder?“ Ich so: „Nein, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mich grade völlig fehl am Platz fühl.“ Dann sagte er: „Ja, du bist eine Hexe. Und das von Geburt an.“ Ab da war es nicht mehr aufzuhalten.

Kann man das erkennen, ob jemand eine Hexe ist?

Sagen wir mal so: Man erkennt sich unter einander. Doch, doch. Weil die Hexen haben meistens so eine Aura von Zeitlosigkeit ums sich herum. Es ist irgendwie so, als würde alles an ihnen vorbei rasen, aber sie selber bleiben in sich ruhend. Manchmal ist es so, dass man sich sieht und der eine fängt einen Satz an und der andere sagt ihn weiter. Und am Ende sagen beide nur noch: „Ich weiß.

Kann man zur Hexe werden?

Man kann sich dazu entschließen. Dann sollte man es aber wirklich auch als Handwerk begreifen. Hexe sein bedeutet wirklich lebenslanges Lernen. Das ist keine Sache, die man irgendwann mal aufhört. Man wächst sozusagen von Jahr zu Jahr immer weiter da hinein. Hexe sein bedeutet vor allen Dingen, dass man das, was man in der Theorie in sehr, sehr vielen Büchern gelesen hat, dass man das in der Praxis auch umsetzt, dass man das lebt. Das heißt, ich spüre und kucke auch wirklich hin, was für eine Mondphase wir haben. Was macht das mit mir und meiner Energie? Ich surfe regelrecht auf diesen Wellen, die die Naturenergien produzieren. Ebbe und Flut sind für mich nicht nur Gezeiten im Meer. Ebbe und Flut bedeuten für mich auch die Energien, die ich zur Verfügung habe.

Hat das was mit Wiedergeburt zu tun?

Ja, ich denke schon. Wir haben unser Wissen in den Knochen. Hexen wurden ja auch manchmal in anderen Kulturen als Knochenfrauen bezeichnet, weil wir leidenschaftlich Knochen sammeln. Und die meisten denken: Warum machen die das bloß? Weil wir zuhören können. Und wenn wir lernen auf das Lied unserer Knochen zu hören, das anzuzapfen, was wir in unseren Zellen als Wissen gespeichert haben, dann haben wir Zugang zur ältesten Bibliothek der Welt.

Hatten Sie deswegen schonmal Schwierigkeiten?

In der Schule. Da hieß es: „Die hat sie halt nicht alle.“ Im Familienkreis kam ich an einen gewissen Punkt, da hatte ich dann den Schwarzen Schaf-Status. Ab einem gewissen Punkt war mir das egal. Ich konnte gar nicht anders sein. Ich habe versucht die Undercover-Hexe zu geben und mich ein bisschen im Besenschrank zu verstecken. Ich habe gemerkt, dass mich das verblassen lässt. Irgendwann habe ich mir gedacht: „So jetzt reicht‘s mir.“ Wir haben zum Glück nicht mehr das finstere Mittelalter.

Hat eine Hexe besondere Aufgaben?

Die meisten von uns sind Beschützerinnen. Wir wachen über die Grenzen. Hexen waren ja früher sehr häufig Hebammen, aber wir haben auch die Sterbebegleitung übernommen. Wir haben Seelen begleitet, sowohl von der einen Seite als auch zur anderen Seite. Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Trennwände zwischen den Welten verschlossen sind. Wenn sich mal jemand verirrt, den bringen wir wieder sicher nach Hause.

Und wie machen Sie das?

Zum einen indem wir die Feste im Rad des Jahres feiern. Viermal im Jahr öffnen sich die Türen. Das muss sein, damit ein gewisser Austausch stattfindet. Durch Rituale können wir diese Kräfte kanalisieren. Wenn diese Rituale nicht mehr gefeiert werden, dann kommen die Dinge aus dem Gleichgewicht. Je mehr die Feste jetzt wieder gefeiert werden, je mehr die Kraftplätze wieder wach werden, je mehr das Lebensnetz unserer wunderschönen Planetin mit Leben durchpulst wird, umso wichtiger ist unsere Aufgabe des Behütens der Grenzen.

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Gibt es Dinge, die eine Hexe nicht tun darf?

Wer sich auf die schwarze Seite begibt, der fängt an, sich über den Willen von anderen hinwegzusetzen. Das ist etwas, von dem man sich fern halten sollte. Niemals etwas zerstören.

Gibt es Hexen, die das tun?

Leider ja. Das sind halt die, über die viele schlechte Filme und Bücher gedreht und geschrieben wurden. Es gibt Hexen, die lassen sich verführen, weil Macht korrumpiert. Das ist nun mal ein Fakt. Man kann dem Sog der dunklen Seite erliegen. Dann scheint es leicht zu sein, sich alles zu erschaffen auf Kosten anderer. Das hat immer seinen Preis.

Was halten Sie denn von der Church of Satan?

Sagen wir es mal so: Wenn jemand mir gegenüber steht und ist schwarz gekleidet mit dunklen Augenringen und mehr umgedrehten Kreuzen als ein Gothic-Laden, dann sag ich: „Ok, ist schon recht.“ Schwierig wird es dann, wenn der einen Anzug trägt und aussieht wie Sie und ich, dann habe ich Angst. Dann meint er es ernst. Die Church of Satan ist meiner Meinung nichts weiter als eine Firma. Eine Firma, die den Raubtierkapitalismus auf die energetische Ebene ausgedehnt hat. Für die sind Menschen nichts weiter als ein All-you-can-eat-Buffet und zwar auf allen Ebenen.

Was halten Sie von Wicca?

Wicca ist der Versuch, das zu definieren, was nicht zu definieren ist. Die Wicca versuchen dem Hexenwesen eine Struktur zu geben. Sie versuchen den Spagat zwischen der intuitiven Magie, der wilden Magie und der hohen Magie, der Hermetik-Magie. Stellenweise je nach Coven gelingt ihnen das gut und sie leisten auf jeden Fall hervorragende Arbeit.

Unterscheidet sich Ihre Ernährung von einer Nicht-Hexe?

Ich habe gelernt, das zu essen, das mir gut tut. Das, was mein Körper gerade möchte. Wenn ich morgens aufwache und sage: „Ich brauch heute unbedingt Rote Beete“, dann versuch ich am Tag das auch aufzutreiben. Ich versuche, mit meinem Körper mir selbst ein guter Freund zu sein und ihm das zu geben, was er möchte.

Hat Hexentum was mit Veganismus zu tun?

Wir sehen Nahrung ein bisschen anders. Fleisch zu essen ist ja per se nicht schlecht. Was es schlecht gemacht hat, ist die Massentierhaltung, denn das war niemals vorgesehen. Wenn ich ein Stück Fleisch esse, bedanke ich mich bei dem Tier, das dieses Fleisch gegeben hat. Ich segne mein Essen, bevor ich es verzehre und ich versuche so viel Gutes aus diesem Essen herauszuholen wie möglich,

Was waren bisher Ihre größten Errungenschaften?

Das, wofür ich am meisten dankbar bin, ist der Zugang zur Kristallbibliothek. Also, dass ich die Fähigkeit erlernt habe, mit Kristallwesen zu kommunizieren, die Erlaubnis Kristallschädelhüterin sein zu dürfen. Ich habe mehrere Kristallschädel bei mir Zuhause, die ich behüte und die mich unterweisen. Dann habe ich Zugang zur Pflanzengeisterwelt und auch für diesen Zugang bin ich sehr, sehr dankbar, weil durch die Meditationsreisen zu den Pflanzenhelfern, kann ich wunderbare Räuchermischungen erschaffen. Das sind meine besten Gaben.

Was sind denn Kristallwesen?

Kristalle leben, genau wie Pflanzen. Kristalle haben ein inneres Leben. Sie haben nur einen völlig anderen Begriff von Zeit, sie leben wesentlich entschleunigter. Die Kristalle haben eine Aufgabe auf dieser wunderbaren Welt und zwar sind sie Wissensspeicher. Es heißt nicht umsonst: „Die Berge sind die Knochen von Mutter Gaya.“ Die Kristalle sind ihre Nervenzentren.

Was möchten Sie noch als Hexe erreichen?

Ich wünsche mir Harmonie mit mir und meiner Mitwelt. Ich rede mittlerweile schon nicht mehr von einer Umwelt. Ich möchte einfach ein kleiner Stein sein, der in einen sehr großen Teich fällt und anfängt Kreise zu ziehen.

Wurden Sie christlich erzogen?

Ja! Ich habe eine Menge darüber gelernt, wie man es nicht macht. Ich habe nichts gegen Christen. Ich finde nur, das Bodenpersonal könnte sich was schämen. Ich glaube, Jesus würde, wenn er heute nochmal wieder käme, erstmal eine Tempelreinigung durchführen. Ich denke, durch die Hintertür sind die Heilsverkäufer, Geldwächsler in den Tempel zurückgekehrt und haben sich da breitgemacht. Womit ich echt ein Problem habe, ist diese unsägliche Bürde der Erbsünde, die uns die christliche Kirche aufgedrückt hat. Das ist entsetzlich.

Gibt es Religionen, denen Sie zugetan sind?

Hexe sein ist keine Religion, es ist ein Teil der Natur. Hexen sind Naturpriesterinnen. Eigentlich sind wir dazu da, die Schnittstelle zu sein zwischen den Menschen, die rein in der materiellen Welt verhaftet sind, und den Wesen, die nur auf der anderen Seite existieren. Früher oder später kommt es zu Überschneidungen. In Island und in Irland gibt es heute noch Ministerien für das Kleine Volk. Es wird nachgefragt: „Können wir da eine Straße bauen? Oder wohnt da schon jemand, den wir nur nicht sehen.“ Ich fänd es gut, wenn wir das hier auch wieder hätten. Ein Ministerium für energetische Angelegenheiten.

Gibt es in Hamburg besondere energetische Orte?

Unglaublich viele. Hamburg ist zum Glück eine besonders grüne Stadt. Es sind also viele alte Bäume da. Es gibt allein im Stadtpark mehrere Hotspots, wo sehr, sehr viele positive Energien herrschen. Da tanke ich mich regelmäßig auf.

Was ist mit dem Sandberg in Altona?

Da ist eine dünne Stelle. Manchmal fühlt sich das wie eine flirrende Wand an, manchmal eher wie so ein Sog. Bei dem Sandberg ist es ein Sog. Ein Energiestrudel, ein Vortex.

Kann man das nutzen?

Man sollte niemals eine Tür öffnen, die man nicht wieder schließen kann und nichts rufen, das man nicht wieder wegschicken kann.

Also, wenn ich da jetzt hingehe und Fotos mache, kann mir nichts passieren …

Es könnte was Lustiges auf den Fotos drauf sein, dass sie gar nicht fotografiert haben. Zumindest nicht auf den ersten Blick.

Was für Rituale kann man da praktizieren?

Ich feiere alle Feste und Beltaine ist für mich das Fest der Lebensgeister. Es liegt ja auf einer Achse mit Samhain, dem Fest der Totengeister. Jedes Fest hat so seine Qualität: Das Erwachen, das Blühen, das Gedeihen, das Ernten, das Bedanken und das Schlafen.

Was ist mit der Walpurgisnacht?

Beltaine und die Walpurgisnacht ist ein und dasselbe. Die Kirche hat aus dem Geweihten den Gehörnten gemacht und behauptet wir würden zum Blocksberg reiten und Satan anbeten. Was für ein Schwachsinn!

Welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Am liebsten gebe ich Hilfe zur Selbsthilfe. Ich bring die Leute dazu, dass sie mehr ihre wirklichen, eigenen Ressourcen anzapfen: Ihre Energie, ihre Willenskraft, ihre Intuition.

Was ist eine Auraanalyse?

Alles, was lebt, hat eine Aura. Jeder Mensch hat eine individuelle, lichtvolle Aura. Die Aura umgibt uns wie eine zweite Haut. So wie unsere normale Haut schmutzig wird, kann auch unsere Aura schmutzig werden. Es gibt zum einen leider Menschen, die sind nicht nett und die ziehen von anderen Lebensenergie ab. Ich nehme diesen ganzen schwarzen Dreck und neutralisiere das. Und es gibt auch Dunkelwesen, die normale Menschen nicht sehen können, die ernähren sich von Trauer, von Depression, von Frustration. Also heften sie sich an die Menschen ran, die diese Nahrungsquelle gerade zur Verfügung stellen.

Wie merke ich das?

Man ist erschöpfter, müder, trauriger und man hat manchmal das Gefühl, als wäre irgendwas am Rücken verspannt oder verdreht. Manche machen dann instinktiv das Richtige und gehen ins Schwimmbad oder in die Sauna. Hitze mögen diese Viecher gar nicht und wenn dann noch ein Salzpeeling im Spiel ist, wird man sie wieder los. Oder sie kommen zu mir.

Was hat es mit dem Salz auf sich?

Diese Dunkelwesen mögen das Salz nicht und suchen kotzend das Weite. (lacht) Genauso wie sie Salbei und Thymian nicht mögen.

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Was ist denn ihr größter Kassenschlager?

Die Reinigung. Eine Räuchermischung: Beifuß, Salbei, Kopalharz als Verstärker und diese Mischung reinigt die Aura oder auch die Wohnung. Die läuft so gut, da komm ich kaum hinterher.

Kann jeder das einfach anwenden?

Wir haben hier einen Vorführtisch und zeigen den Leuten, die das noch nie gemacht haben, wie es geht. Wir haben auch Basissets, wo alles drin ist, was man braucht, mit einer schriftlichen Anleitung

Kann man da was falsch machen?

Beim Reinigen eigentlich nur, dass man vergisst das Fenster aufzumachen. Wenn das, was fliehen will, nicht fliehen kann, sondern sich einfach nur angeekelt in eine Ecke verzieht, dann wird man es ja nicht los.

Ist es möglich, wenn ich als Laiin das ausprobieren möchte, eine Katastrophe auslöse?

Das kann nicht passieren. Schlimmstenfalls hat es keine Wirkung.

Wie ist so ein typisches Ritual?

Wichtig ist, den Ort vorzubereiten und einen Schutzkreis zu ziehen. Ein Ritual ist immer ein Kraftkegel, man baut Energie auf. Man zieht Wesen an und zwar von allen Fraktionen. Man will aber nur bestimmte haben. Ganz unabdingbar ist der Schutzkreis.

Wie mach ich das?

Mit dem Kraftstab z.B., indem man den Schutzkreis mit dem Stab des Feuers zieht. Dann die sechs Himmelsrichtungen: Osten, Westen, Norden, Süden, Oben, Unten. Abdecken und die jeweiligen Hüter anrufen.

Wer sind die Hüter?

Im Osten meist etwas, das fliegen kann, mal ist es ein Falke, mal ein Schmetterling, mal der Adler. Im Westen ist es das Wasser, oder etwas, das nächtens ist, z.B. eine Eule. Im Norden ist die Erde, etwas das stark ist, Büffel, Bär, Keiler, Wolf. Im Süden ist es das Feuer, das könnte z.B. aber auch eine Schlange sein, Das unter uns ist Mutter Erde, das über uns Vater Himmel. „Vater Himmel, du Sterngeschmückter, bedecke uns und beschütze uns. Sechsstrahliger Stern über mir. Fünfstrahliger Stern unter mir, Mutter Erde.“ Dann haben wir einen heiligen Raum erschaffen, wo nur das reinkann, das wir einladen. Dann werden die Gäste eingeladen, die wir bei dem Treffen dabei haben wollen. Bei Beltaine die Lebensgeister. Dann wird Energie kanalisiert in den Kreis. Es wird immer das Fest thematisiert. Immer ein: Willkommen, ein Danke, ein Bitten um etwas, oder ein Ehren. Es ist immer eine Absicht dahinter. Dann wird gerne noch orakelt. Danach wird sich bedankt. Das ist sehr wichtig. Und dann wird der Kreis aufgehoben. Wenn es ein Outdoor-Ritual ist, wird hinterher gerne noch gemeinsam gegessen und getrunken. Es wird auch immer eine Opfergabe der Natur hingestellt. Mehl, Haferflocken, schöne Blumen. Irgendwas, das die Naturgeister erfreut.

Wie wird so ein Kreis aufgehoben?

Indem man sich bedankt bei allen, die den Kreis ermöglicht haben, indem man die Hüter nochmal benennt und sie entlässt und sagt: „Danke, dass du da warst und den Kreis beschützt hast. Wir sehen uns beim nächsten Mal wieder.“ Das macht man mit allen sechs. Man verabschiedet sich von den Ehrengästen. Wenn es draußen ist, wird anschließend gefegt.

Wie wird dieser Kreis gezogen?

Man kann den Kreis mit allem Möglichen ziehen. Entweder mit der reinen Kraft deines Willens, indem man ihn visualisiert, oder mit Mehl, Blütenblättern, mit Kieselsteinchen, mit Sand, mit einem Seil … Die Mindestanzahl um einen Kreis zu ziehen ist fünf. Man muss fünf Punkte benennen und es muss erkennbar eine Kreisform sein. Beim Ziehen dieses Kreises muss man das schon lückenlos machen.

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Der Blocksberg

= Brocken im Harz, magischer Berg auf dem die Hexen tanzen

„Zum Brocken wandeln wir in der Walpurgisnacht“

(Goethes Faust)

Walpurgisnacht

= eigentlich Gedenktag der Heiligen Walburga

= seit dem 17 Jhd. Nacht der Hexen

Text: Anna Brauer

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