Benoby – Tierisches Souvenir

Benoby – Tierisches Souvenir

16. Juli 2018

Als Support im Stadtpark für Adel Tawil ist Benoby (28) mittlerweile so bekannt geworden, dass er bald selbst mit seinem Album Das fün­fte Elementauf Tour geht. In Bayern auf­gewachsen, hat er sich schon in allen mög­lichen Musikrichtungen erprobt, so sang er im Kirchenchor, rappte und war zusammen mit seinem Bruder in einer HipHop-Crew. Der Name Benoby ist eine Mischung aus seinem bürgerlichen Namen Robert „Bobby“ Wro­blewski und dem des Jedi-Meisters Obi-Wan „Ben“ Kenobi aus Star Wars.

 

Wie ist es auf Tour?

Lukas und ich fahren meistens. Eigentlich ist das voll entspannt, aber ich muss zugeben, dass ich nicht einparken kann, vor allem nicht vor­wärts und seitlich. Bei den vielen Terminen verwechsle ich auf der Bühne auch manchmal die Namen. Wenn ich dann sage: „Hey, Flo an der Gitarre!“ und der mit „Ich heiße Ma­nu­el.“­ antwortet, ist das einfach nur peinlich. Des­wegen sage ich jetzt immer „Man“. Einmal hatte ich auch Backstage einen Koffer stehen und als ich den später geöffnet habe, lag da ein Frauenshirt drin. Das war schon echt gruselig. Einmal in Hamburg habe ich beim Abnehmen des Kapodasters gemerkt, dass ich die Gitarre nicht eingesteckt hatte. Gemerkt habe ich das beim nächsten Song, weil ich das Ding ab­machen und was vom Boden holen musste. Da erst habe ich die Klinke gesehen und beim Reinstecken hat es laut „Krrk“ gemacht, aber Gott sei Dank konnte ich das gut vor den Leu­ten verstecken.

 

Wie soll es nächstes Jahr weitergehen?

Die nächste Tour ist Anfang 2019 geplant, da habe ich dann Konzerte bis Oktober. Ich spiele dreimal ohne Adel und den Rest mit ihm zu­sammen. Ich bin in Berlin und auch in Ham­burg, was wirklich schön ist. Im Bürgerpark in Wernigerode herrscht aber eine ganz andere Romantik, weil man die Leute direkt anschaut und mit ihnen redet. Ich bin da nicht so erhoben, was ich nicht möchte, sondern sehr nah, sodass ich mit den Leuten auf einer Ebene bin. Heute habe ich die erste Reihe Leute mit den neuen T-Shirts gesehen und das hat sich ungemein gut angefühlt.

 

Wie sieht es mit einem neuen Album aus?

Ich bin schon am Schreiben und habe vier Tra­cks. Ich habe vor, bei der Tour nächstes Jahr die ersten neuen Lieder vorzustellen.

 

Worum geht‘s in den Liedern?

Mein Lieblingslied am Klavier ist „Piano“. Es geht darum, wie ich mich selbst kennengelernt habe und wie ich das mit meinen Eltern ge­schafft habe. Meine Eltern haben mich ja raus­geschmissen, als ich ein Klavier gekauft habe. Nachdem ich Jura abgebrochen habe, habe ich mit dem ersten Geld, das ich in meinem Job verdient habe, ein Klavier gekauft, spielen kon­nte ich aber nicht. Das hat meinen Vater total auf die Palme gebracht. Er meinte, ich könnte nicht einmal spielen und würde es auch nicht lernen, weil ich nicht so einer sei, der Sachen auch durchzieht. Er wollte, dass ich abhaue, wenn ich nicht wertschätze, wie viel er für mein Studium bezahlt hat. Ich habe gesagt, dass das Klavier bleibt, auch wenn er mich nicht versteht und das war der Anfang zur Mu­sik. Vorher habe ich immer gerappt, aber beim Klavier habe ich mir gesagt, dass es mir egal ist, wenn niemand das versteht, weshalb ich dann auch gegangen bin. Einen Tag spä­ter hat meine Mutter angerufen und gesagt, ich solle heimkommen.

 

Wie entstehen deine Songs?

Musikalisch mache ich nicht alles selbst, muss ich sagen. Ich mach die Komposition, bring sie dann aber zu Produzenten. Mit Ma­rk Smith, der auch Produzent von Johannes Oerding ist, habe ich viel zusammen­ge­ar­bei­t­­et und der hat auch viele Impulse gege­ben, auf die ich nicht gekommen wäre. Wir teilen die Arbeit dann Hälfte-Hälfte, das ist meine Philosophie. Die Texte schreibe ich selber, das ist auch eine Selbsttherapie für mich, wenn ich mir alles aus der Seele schr­eiben kann.

 

Wie kommt es, dass du so viele Studien­gänge abgebrochen hast?

Ich habe mit Jura angefangen, aber das war dann nichts für mich, weil man immer einen kaputt macht, egal, ob man im Familien- oder im Verwaltungsrecht ist, einer weint da­nach und das hat mir nicht gefallen. Deshalb wollte ich Medizin studieren, aber mich se­chs Jahre zu engagieren, um dann doch nie­mandem wirklich zu helfen erschien mir auch nicht richtig. Physiotherapie war für mi­ch so ein Mittelding, weil man da den Leu­ten hilft. Drei Wochen vor dem Examen hat Jochen Schuster mir dann gesagt, dass ihm meine Stimme gefällt, aber meine Eltern woll­ten nicht, dass ich Musiker werde und meine Freunde haben mir gesagt, dass ich das sowieso nicht schaffe, also habe ich das Examen in Physiotherapie gemacht.

 

Warum hast du am Anfang so wenig Un­terstützung von deiner Familie bekom­men?

Meine Eltern kommen aus Polen und außer ihrem Studium hatten sie hier nichts. Meine Mutter hat geputzt, häufig hat sie aber keinen Job bekommen, weil sie überqualifiziert war. Als ich vorhatte, Musiker zu werden, ha­ben sie immer gesagt, ich solle mein Stu­dium be­enden und etwas Gescheites lernen. Des­wegen habe ich das ein bisschen geheim gehalten und dann liefen plötzlich Songs von mir im Radio. Seit letztem November ver­stehen meine Eltern mich und sagen auch, dass ich wirklich gut bin. Weil ich vor ein­einhalb Jahren auch mein Studium beendet habe, hat sich unsere Beziehung sehr verän­dert, meiner Mutter geht es gut, alle sind glücklich und das ist wichtig. In Berlin war­en meine Eltern auch dabei und es war dann wirklich schön, als sich bei dem Song für meine Mutter alle Leute umgedreht und zu ihr geklatscht haben. Danach haben wir alle geweint, es war ja auch mein erster Gig.

 

Wie steht deine Familie sonst zur Musik?

Mein vier Jahre älterer Bruder war auch Pia­nist und hatte einen Synthesizer, im Gegen­satz zu mir konnte er aber auch spielen. Spä­ter hat er auch eine Rapband gegründet. Meine Eltern machen überhaupt keine Musik.

 

Wie hast du angefangen?

Mit 16 oder 17 habe ich in Freestyle Rap-Bat­tles 25-Jährige platt gemacht, das war echt cool. Wir haben dann 1 gegen 1 einfach gefreestylet. Wenn du mir ein Thema gibst, kann ich das jetzt auch machen.

 

Dodge Challenger

Dodge Challenger, pass lieber auf,

langsam geht’s noch aus,

und darum machst du lieber die Scheibe schnell auf,

sonst stinkt dieser Wagen von innen heraus!

 

Bevor ich später ein Wort geschrieben habe, habe ich immer erst drauf gefreestylet.

 

Du ziehst ja bald nach Hamburg…

Ich ziehe jetzt aus Berlin nach Mundsburg. Ich habe das Gefühl, dass es in Hamburg noch diese echte Liebe für die Mucke gibt, dass man einfach spielt und es einem egal ist, wo es da­nach langgeht. In Berlin habe ich es so kennen­gelernt, dass man nur Musiker wird, um etwas zu erreichen und sehr viel nicht echt wirkt. Die Leute in Hamburg geben mir mit ihrer Herz­lichkeit so viel und das würde ich gerne zur­ück­geben.

 

Wie bist du zu deinem Hund gekommen?

Mein Hund heißt Tobi, weil ich ein Showcase mit Jochen hatte und eine geile Location ge­sucht habe und nur ein Gitarrist, Tobi, hat ja gesagt. Als ich mit meiner jetzt Ex-Freundin in Paris war, habe ich meinen Hund zum ersten Mal gesehen. Meine Oma war kurz vorher ge­storben und hat mir 1500€ vererbt. Dann habe ich meine Mutter angerufen und ihr gesagt, dass ich einen Hund mitnehme. Er ist ein un­glaublicher Schatz, es war wirklich die beste Entscheidung.

[KS]
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