Close
Skip to content

JODIE FOSTER: „Ist es wahrhaftig oder nicht?“

Jodie Foster über das Polit-Drama „Der Mauretanier“

Sie steht seit 55 Jahren vor der Kamera. Als Achtjährige gab Jodie Foster ihr Debüt 1970 in „Gefährliche Begegnung“, 1976 an der Seite von Robert de Niro in „Taxi Driver“ wurde sie für den Oscar nominiert. Nach „Bugsy Malone“, „Das Mädchen am Ende der Straße“ und „Angeklagt“, gab es 1989 den Oscar. Der nächste folgte für „Das Schweigen der Lämmer“. Nach Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ ist sie nun als Anwältin im Polit-Drama „Der Mauretanier“ zu erleben. Mit Jodie Foster unterhielt sich via Zoom unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Sie haben sich in der letzten Zeit rar gemacht, woran liegt das?

Foster: Das hat mehrere Gründe. Nach 55 Jahren in diesem Job, bin ich mittlerweile auch etwas wählerischer, was die Projekte anlangt. Mittlerweile führe ich selbst Regie, was mir sehr wichtig ist. Der Stoff muss mich berühren. Ich brauche das Gefühl, dass ich dazu beitragen kann, eine Rolle besser ausfallen zu lassen. Es ist dabei ganz egal, ob es sich eine Komödie oder eine Nebenrolle handelt: Etwas muss mich so stark berühren, dass ich gerne Zeit und Leidenschaft dafür investieren möchte.

Was hat den Ausschlag für „Der Mauertanier“ gegeben?

Foster: Die Geschichte von Mohamedou kann einen vieles lehren, zumindest mir erging es so. Es geht um den Kampf für Menschlichkeit, um das Gesicht von Angst und Terror. Ich bewundere diesen Menschen sehr und wollte seine Geschichte erzählen. Zudem fasziniert mich meine Figur der Anwältin Nancy. Die Welt der Gesetze fand ich immer spannend, wenngleich ich nie Jura studierte – vielleicht ist das Kino jetzt mein Zugang dazu.

Was ist die wichtigste Eigenschaft in diesem Beruf?

Foster: Ich bin nicht sicher, ob ich die richtige Expertin dafür bin. Es gibt diese sehr alte Philosophie: Suche nach maximaler Einfachheit. Stelle die Frage: Ist es wahrhaftig oder nicht? Damit wirst du immer richtig liegen! Soll meine Figur blaue oder grüne Kleidung tragen? Das beantwortet sich damit, was sich wahrhaftiger anfühlt. Ein großer Fehler sind Fragen, was das Publikum gerne hätte oder wie man es zum Heulen bringt. Mein Kompass lautet immer: richtig oder falsch?

Ist es schwieriger, eine reale Person zu spielen als eine fiktive Figur?

Foster: Tatsächlich ist dies erst das zweite Mal, bei dem ich eine reale Figur verkörpere – die erste hat vor ein paar Hundert Jahren gelebt, was die Sache damals einfach machte. Für „Der Mauretanier“ habe ich mich vor den Dreharbeiten etliche Male mit der realen Nancy Hollander getroffen. Ich besuchte sie in ihrem Haus und sah wie sie lebte. Sie zeigte mir ihren Nagellack und Lippenstifte. Ich bekam also einen guten Eindruck von ihr. Gleichwohl war mir wichtig, keine bloße Imitation von Nancy abzuliefern. Ich wollte wahrhaftig ihr gegenüber bleiben, aber sie bleibt eine Kreation von mir. Ich sagte ihr schon vorab: Meine Nancy ist sehr viel bösartiger als die reale. Was nicht sehr schwierig ist, denn die echte Nancy ist eine sehr nette und liebevolle Person.

Wie hat sich das Bild der Frau im Lauf Ihrer Karriere gewandelt?


Mehr im Juni-OXMOX! 

(Foto Beitragsbild: Der Mauretanier Tobis Film)

InstaStory

OXMOX ABO AKTION

das Durchblick-Abo

Werbung