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HARDBONE – Hardbeat

Rock ’n’ Roll muss nicht kompliziert sein. Manchmal reichen ein fettes Riff, ein dreckiger Groove und ein Verstärker, der ein bisschen zu weit aufgedreht ist. HARDBONE wissen das seit mittlerweile zwei Jahrzehnten ziemlich genau.

Nach längerer Pause an der Studiofront melden sich die Hamburger mit „Hardbeat“ und damit ihrem sechsten Album zurück, das am vergangenen Samstag mit einer grandiosen Releaseparty in der Hamburger Markthalle gefeiert wurde. Wer die Band schon einmal live erlebt hat, weiß, wohin die Reise geht: schnörkelloser Hard Rock, ordentlich Rock ’n’ Roll im Tank und eine Attitüde, die eher nach verschwitztem Club als nach Hochglanzproduktion riecht.

‚Hardbeat‘ Releaseparty Markthalle Hamburg. Photo: Nola

Für den Sound zeichnet Eike Freese verantwortlich, aufgenommen wurde in den Chameleon Recording Studios in Hamburg. Und wo Freese drauf steht, steckt auch Frees drin: HARDBONE kriegen hier genau die Produktion verpasst, die diese Musik braucht: druckvoll und fett, aber weit davon entfernt, die Gitarren so zu polieren, das Meister Propper neidisch wird.

Vorspiel? Wer braucht denn sowas?

Okay okay, ein kleines bisschen Vorspiel gibt es doch. Der instrumentale Opener „Hardbeat“ ist allerdings kaum mehr als der kurze Pulsschlag vor dem eigentlichen Start. Braucht man das? Das muß bitte jeder für sich entscheiden, Tim und seine Jungs haben sich aber sicher etwas dabei gedacht.

Aber dann geht’s rund: mit „Four To The Floor“ geht die Tür richtig auf. Ein sattes Riff, Tim Dammanns Reibeisenstimme, Gangshouts im Refrain und natürlich eine ordentliche Portion Leadgitarre – HARDBONE verlieren keine Zeit und zeigen direkt, wo der Matjes die Locken hat.

„House Of Rock ’n’ Roll“ macht anschließend bereits mit seinem Titel klar, dass hier niemand plötzlich Progressive Rock studiert hat. Der Song groovt herrlich unkompliziert und bringt genau diese Mischung aus Hard Rock und les cht dreckigen Rock ’n’ Roll, bei der unweigerlich Namen wie AC/DC oder Rose Tattoo durch den Kopf schießen.

Hardbeat‘ Releaseparty Markthalle Hamburg. Photo: Nola

 

Diese australische Schlagseite zieht sich durch das komplette Album. HARDBONE schaffen es aber, daraus mehr als eine bloße Verbeugung vor ihren offensichtlichen Einflüssen zu machen. Vor allem die Gitarrenarbeit von Sebastian Kranke und Luca Rosnau sorgt immer wieder für genügend Eigenleben.

Bass auf Voll AK und Ärmel hoch

Big Dog“ eröffnet mit einer kräftigen Bassline und lässt die Gitarren anschließend schön schwer darüberrollen. Hier muss nicht permanent Vollgas gefahren werden. Das Ding funktioniert über seinen Groove und zeigt gleichzeitig, dass die Band durchaus weiß, wann ein Riff einfach mal wirken darf.

Bei „Evil For A Good Cause“ klingt Tim, als hätte er sein Frühstück mit ner ordentlichen Portion Korundsplitter gewürzt. Seine Stimme passt hervorragend zu den kantigen Gitarren, während sich die beiden Sechssaiter im weiteren Verlauf ordentlich austoben dürfen.

Going Commando“ nimmt zunächst etwas Geschwindigkeit heraus und setzt stärker auf Rhythmus. Überhaupt ist „Hardbeat“ abwechslungsreicher, als es die grundsätzlich sehr klassische Ausrichtung zunächst vermuten lässt. HARDBONE verlassen ihren Spielplatz zwar kaum, nutzen darauf aber immerhin einfach alle Spielgeräte.

Genau das verhindert, dass die Platte nach wenigen Songs anfängt, auf der Stelle zu treten.

Ein Herz zwischen all den Riffs

Mit „Hole In My Heart“ gibt es schließlich einen kleinen Stimmungswechsel. Melodie bekommt mehr Raum, ohne dass HARDBONE deshalb plötzlich Feuerzeuge und Wunderkerzen verteilen und die große Kuschelrock-Schmalzwelle auf den Hörer zu rollt. Der Song fügt sich problemlos ins Album ein und sorgt an der richtigen Stelle für etwas Luft und Blutdrucksenkung.

You Made Me Do It“ rückt danach wieder die Gitarren stärker in den Mittelpunkt. Überhaupt ist das Zusammenspiel von Kranke und Rosnau einer der Pluspunkte der Platte. Statt jeden Song mit möglichst vielen Ideen vollzustopfen, setzen HARDBONE auf Riffs, Hooks und Soli, die ihren Platz bekommen.

Und immer wieder entsteht dabei derselbe Gedanke: Das Zeug gehört auf eine Bühne.

Die Band schreibt keine Musik für Leute, die beim Hören mit Notizblock vor der Anlage sitzen und Taktwechsel zählen. Songs wie „One Night Away“ wollen die Leute live vor der Bühne in Bewegung bringen, während „Unstoppable“ das Tempo deutlich anzieht und noch einmal ordentlich Feuer untern Kessel macht.

Hard To Get“ schlägt anschließend in die klassische Hymnen-Kerbe und dürfte live ebenfalls problemlos funktionieren.

Eine Portion Blues bitte!

Mit „Bad (As You Want Me To Be)“ verabschieden sich HARDBONE schließlich deutlich bluesiger. Gerade hier ist der Rose-Tattoo-Vibe kaum zu überhören. Statt das Album mit maximaler Geschwindigkeit durch die Wand zu fahren, gibt es zum Abschluss noch einmal einen lässigen, dreckigen Rocker der alleine schon ein Soundtrack für ne Blues Doku darstellen könnte ohne sich anzubiedern.

Das passt. Punkt.

 

‚Hardbeat‘ Releaseparty Markthalle Hamburg. Photo: Nola

 

Natürlich muss man bei „Hardbeat“ nicht darüber diskutieren, ob HARDBONE gerade die Zukunft des Hard Rock erfunden haben. Haben sie nicht. Wollen sie vermutlich auch nicht. Und warum sollten sie auch? Die Hamburger wissen längst, wo ihre Stärken liegen: kernige Riffs, eine hervorragend zum Genre passende Stimme, zwei Gitarren mit ordentlich Arbeitspensum und eine Rhythmussektion, die das Ganze zuverlässig nach vorne schiebt. Dazu kommt genügend Abwechslung bei Tempo und Arrangement, damit aus dem Album keine billige AC/DC Kopie wird. Dass die großen australischen Vorbilder trotzdem an allen Ecken mal durchblitzen, gehört praktisch zum Paket.

 

Haben wir ein Fazit? Klar.

Hardbeat“ riecht nach heißgelaufenen Verstärkern, klebrigem Dancefloor und dem Bier, das irgendwer garantiert gleich über die Monitorbox kippt. HARDBONE machen auch auf ihrem sechsten Album keine Wissenschaft aus Rock ’n’ Roll – und genau deshalb funktioniert die Platte so hervorragend.

Die Hamburger liefern Riffs statt Experimente, Groove statt Größenwahn und genug Abwechslung, um ihre klassische Hard-Rock-Schlagseite über die komplette Distanz interessant zu halten. Dazu Dammanns herrlich angeraute Stimme und zwei Gitarren, die regelmäßig zeigen dürfen, warum sie überhaupt eingestöpselt wurden.

Wer bei Rose Tattoo automatisch lauter dreht und Hard Rock am liebsten heiß und scharf gewürzt serviert bekommt, findet auf „Hardbeat“ reichlich Material für die nächste Runde. Abgeliefert wie erwartet und doch wiedermal überrascht. Top.

 

Anspieltipps: „Four To The Floor“, „House Of Rock ’n’ Roll“, „Unstoppable“ und „Bad (As You Want Me To Be)“

Wertung: 8/10

 

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Autor

  • Zwiebel. Er hat nicht nur einen an selbiger, er kennt auch 1000 Rezepte mit ihr. Hauke Jans bei uns auch liebevoll als Rockasmurf betitelt, ist zudem in der Metalszene als Fotograf und Schreiber unterwegs. Der Hobbykoch, Kuttenträger und hauptberufliche Resopal-Termite - etwas seriöser als Tischler bekannt - liebt handgemachte Musik, besonders im Metal-, Rock, und Bluesbereich. Als Co - Head unseres ROXX Ablegers, will er euch natürlich bei Laune halten und die Clubs, Geheimtipps und Konzerteindrücke mit Witz und Charme näherbringen

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