NADJA KÄTHER – Auf dem Sprung nach Rio …

1. Juli 2016

Von Hamburg bis nach Rio de Janeiro sind es knapp 10.000 Kilometer. Für die 27-jährige Profi-Weitspringerin des HSV geht es aktuell um „nur“ 6,66 Meter, die sie überwinden muss um im August von der Hanse- in die Olympiastadt reisen zu dürfen. OXMOX sprach mit der frisch studierten Lehrerin und voll motivierten Spitzensportlerin über ihre Ziele und Hoffnungen für diesen Sommer …

Was macht Hamburg für dich zur Heimat?

Ich genieße die Kombination aus dem Leben in einer Großstadt und der Nähe zum Wasser (Elbe sowie Ost- und Nordsee). Dort halte ich mich immer gern auf, wenn ich mal Fernweh habe – und das habe ich häufig. (lacht) Ich will die Welt entdecken, freue mich auf jedes Trainingslager und kann es am Ende doch ni­cht abwarten, wieder zurück nach Hamburg zu kommen! Sportlich gesehen haben wir hier tolle Trainingsbedingungen: Seit dem Bau der Leichtathletikhalle können wir auch bei Schietwetter professionell trainieren. Mit der Jahnkampfbahn haben wir außerdem ein Stadion, das schöner und grüner nicht liegen könnte – mitten im Stadtpark.

Wie bist du zum Weitsprung gekommen?

Die Grundausbildung bei der Leichtathletik startet immer mit dem Mehrkampf. Die Trai­ner versuchen so herauszufinden, welche Dis­ziplin einem am meisten liegt. Ich hatte das typische „Frauenproblem“ – war nie wirklich in der Lage, die Kugel oder den Speer beson­ders weit zu werfen … Also bin ich zu einem Landestrainer im Sprungbereich gewechselt. Die anfängliche Idee, aus mir eine Hochsprin­gerin zu machen, hat er schnell verworfen als er gesehen hat, wie untypisch meine Latten­überquerung war. (lacht) Da ich schon immer recht sprintstark war, haben wir schließlich das Weitsprungtraining vertieft.

Seit 2010 bist du beim Hamburger SV …

und ich kann mir zur Zeit keinen besser­en Verein vorstellen! Der HSV hat eine lan­ge Tradition und einen tollen Wiedererken­nungswert – bisher habe ich bei jeder Meis­terschaft mindestens eine Flagge gesehen … Mein Trainingsumfang hängt von der jewei­ligen Phase ab, in der ich mich gerade be­finde. In der Vorbereitung absolviere ich 9-10 Einheiten die Woche – manchmal im Wald, hin und wieder am Berg und ansons­ten auf der Bahn, in der Halle oder im Kra­ftraum. In der Wettkampfphase trainieren wir 4-5 Einheiten die Woche.

Sind „magische“ 6,66 Meter aktuell noch deine Bestweite?

Die Zahl aus dem Jahr 2010 ist draußen tat­sächlich (noch) meine Bestweite. In der Halle bin ich 2014 zwei Zentimeter weiter gesprungen. Mir hat die Zahl immer sehr gut gefallen, aber ich habe schon ein paar tolle neue Kombinationen im Kopf – am liebsten mit einer 7 vor dem Komma!

Im Mai hast du an der Promi-Ausgabe des BKK Mobil Oil Lauftreffs mitgewirkt – wie war diese Erfahrung für dich?

Ich finde es einfach toll, wenn Menschen sich zu gemeinsamen sportlichen Aktivitä­ten treffen. Ich habe mich in der Gruppe sehr wohl gefühlt und war begeistert von der guten sportlichen Grundausbildung, die alle mitgebracht haben. Super fand ich auch die spürbare Motivation und Wissbegierde.

Welche Übungen konntest du den Teil­nehmern vermitteln?

Wir haben während des Trainings viel über allgemeine Dinge geredet, z. B. dass es für Läufer wahnsinnig wichtig ist, regelmäßig Kräftigungs- und Stabilisationsübungen für den Rumpf und die Beine zu machen, da je­de Bewegung aus der Körpermitte heraus gestartet wird. Außerdem haben wir über technische Feinheiten beim „Lauf-ABC“ gesprochen. Dabei ist es beispielsweise wi­chtig, die Fußspitzen anzuziehen und nicht hängen zu lassen, damit der Fußaufsatz dynamischer ist und der Schritt aktiv nach vorne geht.

Wie wichtig ist Lauftraining für dich per­sönlich?

Momentan sind lange Läufe für mich die „reinste Qual“. (lacht) Im Training laufen wir zur Zeit nie länger als 15 Minuten, da die schnellen und kurzen Bewegungen ziel­führender für meine Disziplin sind. In der Vorbereitung sieht man mich häufiger mal durch den Stadtpark oder um die Alster laufen. Gerade in der trainingsfreien Zeit erwische ich mich häufig dabei, dass ich beim Laufen den Gedanken freien Lauf las­se und es mir danach viel besser geht, weil ich richtig abschalten konnte.

Wie bereitest du dich auf Rio, bzw. die Qualifikation vor?

Zur Vorbereitung auf den Olympiasommer waren wir dieses Jahr bisher in vier unter­schiedlichen Trainingslagern. Ich bin in ei­ner guten Form und habe diese zum Teil schon in den ersten Wettkämpfen zeigen können. Kurz vor den Deutschen Meister­schaften trainieren wir jetzt noch intensi­ver, um dann den großen Sprung auszu­packen. Ich bin mir sicher, dass ich das schaffen kann und dann den Weg zur Europa­meisterschaft nach Amsterdam und schließli­ch auch zu den Olympischen Spielen in Rio gehen kann …

Was machst du in Hamburg am liebsten, wenn du mal keinen Sport treibst?

Wenn es der Zeit- und Essensplan erlauben, treffe ich mich mit Freunden in einem der vie­len tollen Cafés in Winterhude oder Eppen­dorf zum Frühstück. Mein aktuelles Lieblings­café ist die Näscherei in Uhlenhorst. Ansons­ten verbringe ich auch gerne mal einen Abend in der Schanze oder ganz entspannt irgendwo am Wasser – egal ob in der HafenCity oder am Elbstrand. Da kann man bei gutem Wetter so richtig die Seele baumeln lassen!

Habt ihr Lust, auch mal eine sportliche Runde um die Alster zu traben? Der kostenlose BKK Mobil Oil Lauftreff mit Coach Nils Goerke (Vize-Europameister im Triathlon und Iron­man Top 3 Finisher) findet immer dienstags von 19.00-20.15 Uhr statt. Treffpunkt ist das AlsterCliff (Fährdamm 13). Mehr Infos: bkk-mobil-oil.de/lauftreff

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