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Lockdown: Interview mit Carsten Brosda

Dr. Carsten Brosda (45)

Senator der Behörde für Kultur und Medien

Wenn es nun keine Kultur in Hamburg geben darf und somit uns als Hamburgs Kulturmagazin auch die Existenzgrundlage genommen werden soll, braucht man dann noch eine Kulturbehörde, einen Kultursenator? Haben Sie schon an Rücktritt gedacht?

… Nein, ich habe daran bislang keine Sekunde gedacht, hatte dazu ehrlicher Weise seit Mitte März auch keine Zeit.

Rund 300 unserer Verkaufsstellen sind bis dato ruiniert und geschlossen. Uns und anderen Medien fehlen Einnahmen aus Vertrieb sowie (stornierter) Anzeigenwerbung, z. B. von Veranstaltern, Theatern, Clubs, Konzerthäusern, Gastronomie … Wie wird hier geholfen?

Hamburg hat sehr schnell die Corona-Soforthilfe auf den Weg gebracht und hilft hier mit direkten Zuschüssen. Außerdem gibt es diverse Kreditprogramme sowohl unserer Investitions- und Förderbank als auch über den Bund. Die Kulturbehörde hat diese Programme zusammen mit der Wirtschafts- und der Finanzbehörde entwickelt. Mehrere Hundert Millionen Euro sind darüber allein in Hamburg bereits an Hilfen ausgezahlt worden. Und es wird permanent nachgeschärft. Für den Bereich der geförderten Kulturangebote hat die Kulturbehörde darüber hinaus ein eigenes Hilfspaket in Höhe von 25 Millionen Euro aufgelegt, damit helfen wir zum Beispiel Privattheatern, Musikclubs oder Stadtteilkulturzentren.

OXMOX erhielt bisher nicht einen einzigen Cent. Erhielten die Großkonzerne bereits staatliche Geldhilfe? Wenn ja, wie viel?

Solche Hilfen dürften vor allem über die großen Kreditprogramme des Bundes laufen. Uns war es in Hamburg besonders wichtig, gerade auch für die vielen Solo-Selbstständigen, kleinen und mittleren Unternehmen die Corona-Soforthilfe auf den Weg zu bringen. Schon im März haben wir beschlossen, die Soforthilfen für Künstlerinnen und Künstler und Solo-Selbstständige um 2.500 Euro pauschal zu ergänzen, die nicht an betriebliche Fixkosten geknüpft waren.

Über welchen Krisenzeitraum planen Sie? Dieses Jahr hatten wir u. a. mehrere Stadtfeste, den 35. HAMBURG-BANDCONTEST mit 7 Veranstaltungen und 34 frischen Bands organisiert …

Das kann seriös derzeit niemand sagen … In Hamburg haben wir in Absprache mit den Bühnen und Clubs entschieden, zunächst bis zum 30. Juni zu schließen. Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind bis zum 31. August nicht möglich. Aber es ist leider so: Vorhersagen sind schwierig. Wir fahren auf Sicht!

Haben Sie eine Idee, wie Hamburgs Kulturlandschaft auch unter dem Aspekt Nachholbedürfnis nach dem Lockdown aussehen wird?

Unser Ziel ist es, dass unsere Kulturlandschaft auch nach dem Lockdown noch so vielfältig sein wird, wie sie es gerade in Hamburg Anfang des Jahres noch gewesen ist. Das halte ich auch für gesellschaftlich hoch notwendig und es wird ganz sicher auch ein großes Bedürfnis geben, endlich wieder Kultur gerade auch live zu erleben. Natürlich wird sich vieles auch verändern. Aber ich hoffe, dass sich alle auch dann noch erinnern, wie sehr sie aktuell kulturelle Live-Erlebnisse vermissen … Das ist die beste Grundlage dafür, dass wir künftig sorgsamer mit ihnen umgehen.

(Foto Beitragsbild: ©Bertold Fabricius)

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