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Henning Wehland: Aller Anfang ist ein leeres Blatt Papier

Gedanken am Tresen des Lebens

von Henning Wehland

#33 – Aller Anfang ist ein leeres Blatt Papier

„Das Leben wäre so wunderbar, wenn wir nur was damit anzufangen wüssten.“ (Greta Garbo)

Wenn mich junge Musiker fragen, “Wie hast Du angefangen?“, muss ich lachen. Es war ein Moment, in dem ich verstanden habe, dass ich aus „Nichts“ etwas entstehen lassen kann. Die Versuchung ein weißes Blatt Papier zu füllen. Bei mir war das Musik. Die erste Zeile, die mir damals durch den Kopf schoss, war „I´ve been looking for freedom…“ (dummerweise später von David Hasselhoff besetzt). Aber was für mich nach dieser Zeile kam, war der Beginn von Crossover in Deutschland. H-Blockx.

Zurück zum Anfang: Musik ist für mich ein ständiges Beginnen auf neuen Ebenen. Ich vergleiche das immer mit einem Videospiel. Wenn ein Level gelöst ist, kommt eine neue Ebene und ich fange wieder von vorne an. Wie Marteria schon gesagt hat: „Ich spring von Level zu Level zu Level“.

So ist es auch mit dem Songschreiben.

Wenn ich jetzt zurückschaue, sehe ich, das Lied, welches aus dieser Zeile entstanden ist: „Say Baby“. Inspiriert durch die Band Primus und deren Song „Tommy the cat“, die wir damals hörten, haben wir diesen Song aufgenommen und in der Zeit vor der ersten Platte in vielen Jugendzentren gespielt. Es war der heimliche Hit.

Anfang der 90er Jahre haben wir Bühnen gesucht. Wir haben nie über Zuschauerzahlen nachgedacht, sondern wollten nur, dass wir spielen können. Wer nicht zur Show gekommen ist, war selber Schuld. In der Zeit habe ich gar nicht an einen Plattenvertrag gedacht, das war viel zu weit weg.

Plötzlich ergab sich aber diese Chance. Ein Majorlabel aus Berlin meldete sich. Das drehte unsere Welt auf den Kopf. Ins Studio gehen, Demos machen, Single produzieren, Kompromisse eingehen. Das hat vieles verändert.

Vor allem musste ich das „Warten“ lernen. Wir hatten die Platte „Time to Move“ im Frühjahr 1993 fertig produziert. Es dauerte aber noch über ein Jahr, bis zur Veröffentlichung.

Unser familiäres und freundschaftliches Umfeld hat uns schon nicht mehr ernst genommen, weil wir schon Record-Release-Parties angekündigt hatten, die monatelang auf sich warten ließen. Damals hätte ich wissen müssen, dass die Geschwindigkeit von Kunst und Kreativität und das Momentum des Marktplatzes nur selten aufeinandertreffen. In unserem Falle war das einer der seltenen Momente. Im August 1994 erblickte „Time to Move“ das Licht der Welt und der Rest ist Geschichte.

Heute komme ich wieder an den Ausgangspunkt zurück. Ich habe wieder das Gefühl, Musik zu machen, die MIR Spaß macht. Etwas, das ich für mich und damit auch für Menschen mache, die ähnlich denken, wie ich.

Deshalb habe ich den ersten Song, den ich für H-Blockx geschrieben habe, wieder ausgepackt und zwar in der Version, wie ich sie damals „aufgelegt“ hatte.

Ich erwarte keine Antwort! „SAY BABY DO YOU REALLY LIKE MY STYLE?“

Für meine Supporter auf www.getnext.to/henningwehland gibt es den Song „Say Baby“ als Akustikversion von mir auch zu hören.

„…Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende….“ (Demokrit)

Beitragsbild: Foto: Ricarda Spiegel

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