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Henning Wehland: Einfach“ heißt nicht immer „leicht“

DER LETZTE AN DER BAR

Gedanken am Tresen des Lebens von Henning Wehland

#35 – „Einfach“ heißt nicht immer „leicht“ – Die Geschichte eines Phänomens

„1. Spaghetti, 2. Knoblauch, 3. Tomaten, 4. Olivenöl, 5. Tomatenmark, 6. Salz, 7. Pfeffer, 8. Zucker, 9. Basilikum, 10. Parmesan“ (Allgemeinwissen)

In der Musikproduktion und Komposition, habe ich sehr oft schon den Satz gehört: “Erst wenn Du kein Element mehr weglassen kannst, ist der Song perfekt“.

Dieses Phänomen ist in der Küche schon seit vielen Jahren bekannt. Hier sagt man: “zu viele Köche verderben den Brei“.

Als begeisterter Hobbykoch muss ich mich oft zwingen, bei Gerichten oder Rezepten nicht immer noch etwas dazuzugeben. Ich muss versuchen eine Komposition von Geschmäckern finden, in der jede Zutat zu ihrem Recht kommt.

Viele Menschen verwechseln „leicht“ mit „einfach“. Ersteres verbinde ich mit einer Beschäftigung, die mir keine Mühe macht. Ich muss mich nicht konzentrieren – Routine.

Letzteres hingegen bezieht sich auf die Mittel, die mir zur Verfügung stehen. Mit Hummer und Iberico Schwein kann man leicht beeindrucken, aber mit einer Spaghetti Pomodoro meinen Gästen das Gefühl zu geben, dass sie noch nie eine bessere Tomatensoße gegessen haben, ist nicht einfach.

Ich sammle seit Jahren schon interessante Kochbücher und solche, die sich mit Kochen und Essen beschäftigen.

Erst kürzlich erwarb ich ein echtes Schätzchen. Spaghetti al Pomodorovon Massimo Montanari, aus dem Verlag Klaus Wagenbach.

Es ist ein Liebeslied auf 144 Seiten, als Ode an die Schöpfung der Pastakunst.

Für mich ist es auch die Geschichte einer Philosophie, die mich in vielen Lebenslagen umarmt. Die Kunst liegt in der Einfachheit. Ich habe oft den Drang, Dinge zu verkomplizieren. Vielleicht kennt Ihr das auch.

Die o. g. Zutaten scheinen keine große Herausforderungen zu sein. Auch jede Zubereitung, die man als Rezept im Netz finden kann, zaubern bei kaum einem Menschen die Angstperlen auf die Stirn.

Wenn die 10 Gebote ein Rezept wären, dann wäre es für mich „Pasta Pomodoro“ und das Buch von Massimo Montanari die Bibel. Respekt vor dem Produkt, Leidenschaft für den Geschmack und Demut für das Handwerk als Schutzheilige runden die Sache ab.

Jede italienische Mama ist ein Prophet und alle, die diese Philosophie teilen, die Jünger.

Es vermittelt die Magie, in der Einfachheit unendliche Möglichkeiten entdecken zu können. Diese Philosophie kann ich auch gut auf mein restliches Leben anwenden.

Ich kann kaum noch denken, weil bei der Vorstellung, wie ich die o. g. 10 Gebote anwenden kann, läuft mir das Nudelwasser quasi im Mund zusammen. Viel Spaß beim Kochen.

„…Liebe, Leidenschaft und Kochen sind die Summanden in einer Gleichung die immer in einem Wunder endet…“ (befreundeter Philosoph)

(Foto: Ricarda Spiegel)

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