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Interview mit In Extremo: 25 Jahre verrocktes Mittelalter

Die Spielleute von In Extremo melden sich mit dem neuen Album „Kompass zur Sonne“ zurück. Frontmann Micha „Das letzte Einhorn“ Rhein und Gitarrist Basti „Van Lange“ stehen OXMOX Rede und Antwort. Was machen die rockigen Barden als erstes nach der Zwangspause, was in Hamburg und was mit Udo Lindenberg?

Euch gibt es ja schon eine Weile. Ihr seid ja mittlerweile seit 25 Jahren zusammen. Das ist ja richtig lang…

Micha: „Wir hatten letzte Woche den offiziellen Geburtstag.“

Ein Vierteljahrhundert! Was war denn euer bisheriges Karriere-Highlight? Da gibt es ja sicher einiges …

Micha: „Ach, Karriere-Highlight … Ach, da gibt es mehrere. Das größte, was wir mal gespielt haben, war auf dem Woodstock-Festival, wo es 650.000 Menschen gab.“

Micha: „Das ist so groß wie Rock in Rio. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das muss man erlebt haben.“

Spielt ihr lieber vor möglichst großen Mengen oder lieber in kleinen Clubs, wo es ein bisschen intimer ist?

Micha: „Die Abwechslung macht es.“

Basti, was war denn dein bisheriges Karriere-Highlight? So in 25 Jahren Band-Geschichte?

Basti: „Oh, Gott! Da war sie wieder, diese Frage. Es gibt so viele. Also, für mich sind eigentlich auch immer die Wacken-Konzerte Highlights. Natürlich war auch ein Highlight unsere erste Nummer 1 Schallplatte. Oder als wir das erste Mal auf Platz 1 gegangen sind. Das war, glaub ich, die Sængerkrieg. Die erste Goldene Schallplatte ist auch ein Highlight. Aber auch jedes Mal eigentlich, wenn eine Tour losgeht. Ich kann mich da nicht so auf eine Begegnung oder auf ein Event beschränken. “

Gibt es für euch besondere Orte oder unvergessliche Gigs, wo ganz viele tolle Sachen passiert sind oder auch mal Katastrophen?

Micha: „Ja, bei mir ist es zum Beispiel, da kann ich mich gut dran erinnern. Ein totales Highlight war damals in Argentinien.“

Basti: „Ah!“

Micha: „Wir sollten spielen. Plötzlich gab es einen Wolkenbruch und plötzlich stürzte die Decke ein von diesem Saal. Und alles stand unter Wasser. Da haben wir uns mit einem Megafon auf die Bühne gestellt und eine Ansage gemacht, weil: Wir hatten am nächsten Tag frei, dass wir das Konzert wiederholen. Das war ein Highlight. Oder du kommst in Chile am Flughafen raus und da stehen Leute mit In Extremo-Fahnen und schreien „Herzlich willkommen“. Das ist schon irre.“

Basti: „Ja, stimmt. Dieses Konzert in Chile. In diesen 200er Laden haben die irgendwie 500 Leute reingequetscht. Das war Wahnsinn. Die Stimmung! Highlights sind auch immer in Mexico oder in Russland. In Russland werden wir so herzlich empfangen. Wir haben da so eine riesen Fangemeinde mittlerweile.“

Was ist euch schon Verrücktes auf Tour passiert bisher?

Micha: „Bei mir gibt es eine Story, die werde ich zum Beispiel nie vergessen. radioeins, ein Radiosender in Berlin, gab ein Unplugged-Konzert …“

Basti (lacht)

„… und die Kamera geht an. Das wurde auch alles live gesendet. Mir fiel praktisch von dem ersten Song „Frei zu sein“ die Textzeile nicht ein, das Lied ging los und ich bin zu Basti hin: „Wie ging die Scheiße? Wie ging das los? Wie ging das los?“ Und da hat er die Mundbewegung gemacht und da war alles wieder da. (lacht) Das war so ein Gag. Das vergisst du nie.“

Basti: „Das stimmt. Ich war so aufgeregt. (lacht)“

Micha (lacht noch mehr)

Ihr seid ja so viel auf Tour … Sag mal, habt ihr schonmal jemanden irgendwo vergessen?

Micha: „Eigentlich haben wir eine gute Quote, haben noch nie jemanden vergessen. Obwohl es bei uns manchmal nah liegen könnte, aber wir haben dann so einen Top-Tour-Mann. Das ist der Dirk Verseck und der sammelt uns dann immer ein. Spätestens. Wir lassen keinen zurück. Der weiß, wo alle stecken.“

Ihr kommt Ende des Jahres auch nach Hamburg, ins Docks. Wie gefällt euch denn Hamburg so?

Micha: „Hamburg ist für mich nach Berlin die schönste Stadt.“

Basti: „Definitiv.“

„Habt ihr in Hamburg Lieblingsorte?“

Basti: „Der Goldene Handschuh!“

Micha: „Man ist auch mittlerweile mit dem einen oder anderen befreundet. Ist immer ein schöner Ausflug. Wir gehen nach der Show auch meistens noch mal in so ne Kiez-Kneipe. Hamburg ist immer Spaß und immer ein geiles Publikum.“

Basti: „Hamburg ist wunder, wunderschön, wirklich. Also, ich bin Berliner, aber nach Berlin sofort auf Platz 2 so wie Micha sagt: Hamburg.“

Woher holt ihr euch denn eure Inspiration für eure Songs?

Micha: „Da schwingt natürlich auch unsere Vergangenheit mit. So von den ganzen Anfangsjahren haben wir wirklich auf mittelalterlichen Märkten gespielt und da beschäftigt man sich automatisch damit. Das ist auch so eine Tradition. Weil am Anfang haben wir die ganzen Lieder sag ich mal „verrockt“. Und diese Tradition haben wir nach wie vor noch, vergessen die nicht und greifen solche Geschichten immer wieder auf und sowas gibt‘s.“

Und habt ihr eigentlich auch einen persönlichen In Extremo-Lieblingssong?

Micha: „Ich habe mehrere. Es ist immer schwierig. Also, wenn ich jetzt mal einen nennen dürfte. Ich nenn mal zwei oder drei: „Mein rasend Herz“ …“

Basti: „Hab ich gewusst!“

Micha: „… „Lieb Vaterland“ ist auch einer meiner Favoriten. Und einige von der neuen Platte. „Frei zu sein“ macht auch immer noch Spaß, nach wie vor.“

Basti: „Absolut!“

Micha: „“Liam“. Es gibt so viele. Reicht ja auch. Kann man immer nicht so sagen. Manchmal hat man ja auch so Phasen, dann liebt man den Song und dann liebt man wieder den Song einen Monat später. Fällt immer so ein bisschen durch.“

Momentan sind wir ja alle Zuhause. Wie nutzt ihr denn die erzwungene Pause?

Basti: „Ich mache momentan viel Musik. Ich höre viel Musik, aber ich lese auch mal wieder ein Buch – endlich. Also, man kommt ja zu einigen Sachen, beschränkt sich jetzt bei mir nicht nur auf Musik. Ich betreibe mit meiner Freundin noch ein Café in Berlin, wir backen Kuchen auf Bestellung. Also, ich hab zu tun. Bei Micha wird das ähnlich sein.“

Micha: „Ja, ich habe natürlich auch zu tun. Ist natürlich auch Langeweile, da wartet man, dass man wieder los kann.“

Basti: „Ja!!!“

Micha: „Am 8. Mai kommt unser neues Album. Die Situation ist einfach scheiße, auf Deutsch gesagt. Das nervt uns alle.“

Was sind eure Pläne für „Danach“?

Micha: „Da hoffe ich, dass wir sofort losfahren können. Die Hoffnung und das Ziel. Wir wären ja praktisch heute auf Tourtag gewesen für das neue Album und das ist natürlich unter diesen Umständen nicht möglich. Jeder Tag, der verstreicht ist einfach nervig. Also natürlich, wenn du fragst „nach Corona“. Wir hoffen natürlich, dass wir so schnell wie möglich wieder auf Tour gehen können, aber wir können es nicht erzwingen und wir werden sehen, was passiert. Vielleicht ist „nach Corona“, vielleicht reden wir da von 2021. Und wir stehen bereit, indem wir dann wahrscheinlich mit ein bisschen mehr Körperfett auf die Bühne gehen, aber was soll‘s. Wir wollen spielen. Das ist eigentlich die Hoffnung, die wir haben.“

Und könntet ihr euch auch vorstellen Doppelkonzerte zu geben?

Micha: „Wie? Morgens und abends? Oder wie? (lacht) Das hör ich zum ersten Mal! Das sollte man mal anpeilen! Nicht wahr, Basti?“

Basti: „Nachtschicht!“ (lacht)

Micha: „Nee, das ist natürlich auch logistisch ganz schön … Auf der Bühne stehen, das bedarf natürlich Publikumsnachfrage. Wir haben das ja öfter schon mal gemacht, aber nicht an einem Tag. Dass man einmal gespielt hat und dann war das ausverkauft. Dann haben wir das anderen Tag noch mal gespielt. Aber an einem Abend zwei Konzerte geben, hat für mich schon fast was von Zirkusvorstellung. Das ist eigentlich nicht Sinn und Zweck der Sache. Also, im Grunde könnte man theoretisch darüber nachdenken, das auf Tage aufzusplitten. Es geht ja darum, nach der Corona-Phase nicht die Geschwindigkeit zu erhöhen, dass alle in ihren Trott kommen. Da könnte man das ja auch über Tage strecken, dass man weniger Zuschauer in die Läden lässt. Dann macht eben ein Konzert Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag oder so. Aber da haben wir noch nicht konkret drüber nachgedacht. Müssen wir ganz ehrlich sagen. Gleichen Tag halte ich für ein bisschen übertrieben.“

Ihr seid ja auch immer recht aufgeschlossen für Kooperationen. Mit wem würdet ihr am liebsten zusammenarbeiten?

Micha: „Schwere Frage. Das ergibt sich bei uns immer. Wenn wir jetzt von Hamburg sprechen. Da würde ich mir mal den Udo Lindenberg wünschen.“

Basti: „Ja!!!“

Micha: „Das wäre natürlich der Ritterschlag.“

Basti: „Das stimmt!“

Gibt es da noch irgendeinen anderen Promi? Lebend oder tot? Was würde euch da reizen?

Micha: „Tot wird schwierig, aber … (lacht)

Basti (lacht)

Micha: „Naja. Das ergibt sich immer so. Wir haben z.B. mal mit Thomas D. einen Song gemacht, „Ave Maria“. Wir machen ja auch mit Leuten aus einem anderen Genre, wie man so sagt, auch gerne mal eine Kooperation zusammen. Mit Rea Garvey, der aus dem Pop kommt. Das ergibt sich immer und man lernt die Leute auf den Festivals kennen. Man kennt sich über Jahre weg. So funktioniert das bei uns. Und mit der Brechstange da ranzugehen: „Das muss jetzt so, so und so passieren“, haben wir eigentlich noch nie gemacht.“

Gibt es noch etwas, dass ihr unseren Lesern, euren Fans mit auf den Weg geben wollt?

Micha: „Ja, ich kann einfach nur sagen: Bleibt zuhause. Genießt das ruhige Leben. Es geht irgendwann weiter, bleibt gesund. Und am 8. Mai kommt unser Album. Und wir würden es sehr gut finden, wenn da gute, große Unterstützung betrieben würde.“

Basti: „Total! Und an alle lieben Hamburger: Kommt bitte zahlreich, wenn wir wieder in Hamburg auftauchen. Wir werden auf jeden Fall schönen Spaß haben zusammen – wie immer.“

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Photos ©: Jens Koch

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