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Film des Monats: „Wolke im Zimmer“

Frederick Lau zum Vater-Tochter-Drama „Wolke im Zimmer“

Mit seiner Rolle als durchsetzungsschwacher Schüler in „Die Welle“ gelang Frederick Lau vor vierzehn Jahren der Durchbruch. Mit dem Gefängnisdrama „Picco“ sorgte er 2010 in Cannes für Aufsehen. Noch größer war der Rummel fünf Jahre später auf der Berlinale bei „Victoria“, jenem Krimi von Sebastian Schipper, der völlig ohne Schnitt auskommt. Zu den weiteren Filmen des 32-Jährigen gehören „Türkisch für Anfänger“, „Oh Boy“, „Das perfekte Geheimnis“ oder „Nightlife“.

Nun kommt der einstige Berliner Judomeister und zweifache Gewinner des Deutschen Filmpreises in „Wolke im Zimmer“ in die Kinos, darin spielt er einen jungen Vater, den der plötzliche Tod einer Ehefrau aus der Bahn wirft. Mit dem Schauspieler unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Herr Lau, Sie gelten als Allzweck-Waffe des deutschen Kinos – einverstanden mit dem Etikett?

Ich probiere tatsächlich sehr gerne sehr unterschiedliche Rollen aus. Ich habe immer große Lust auf verschiedene Dinge – insofern passt das Etikett Allzweck vielleicht gar nicht so schlecht. (Lacht) Klar ist eine Komödie lustiger zu drehen als ein Drama über den Tod. Aber mir war dieses Thema wichtig. Die Beschäftigung mit dem Tod holt einen ganz schön zurück auf den Boden der Tatsachen.

Die Unterschiede beim Drehen sind tatsächlich enorm. Die Atmosphäre bei einem Film wie diesem ist spürbar ernster. Das macht eben auch mit jedem im Team etwas. Der Dreh ist anstrengend, manche Szenen sind unangenehm. Da leidet man als Schauspieler schon und sehnt sich zurück zu seiner eigenen Familie.

Hatten Sie damit gerechnet beim Lesen des Drehbuchs?

Nein, das war mir vorher in dieser Tragweite nicht bewusst. Ich ahnte nicht, dass der Dreh derart heftig werden würde. Es geht da eben schon ums Eingemachte: Wie geht man mit Verlust und Trauer um? Insofern war ich nach Feierabend meist ziemlich glücklich, wieder zu Hause zu sein. Umgekehrt hat man sich wirklich nicht jeden Morgen darauf gefreut, wieder an das Set zu kommen.

Til Schweiger dreht gerne mit seinen Töchtern: Wäre das in Ihrem Fall auch eine Option gewesen?

Für solch eine Rolle sind meine Kinder noch zu klein. Wobei meine siebenjährige Tochter demnächst mit einem kleinen Auftritt in meinem ersten eigenen Film zu sehen sein wird. Auch meinen Sohn habe ich vor kurzem zu einen Drehtag von „Bibi Blocksberg“ mitgenommen. Wenn die Kids Lust dazu haben, sollen sie sich das ruhig einmal alles anschauen. Allerdings würde ich meine Kinder nie zu einer Casting-Agentur schicken.

Wie haben Sie das Vertrauen Ihrer Filmtochter Romy Schroeder gewonnen, die das erste Mal vor der Kamera steht?

Die Erfahrung mit meinen eigenen Kindern hat dabei gut geholfen, wir waren ziemlich schnell vertraut miteinander und haben uns gemocht. Meine ältere Tochter war total eifersüchtig, dass ich plötzlich eine neue Tochter habe. Da musste ich einiges an Überredungskunst und Erklärungsarbeit leisten, bevor sie mir abnahm, dass nur sie allein meine richtige Tochter ist. (Lacht)

Eine zentrale Szene zeigt Sie im Flieger bei einem akrobatischen Kunstflug – war das ein angenehmer Ausgleich zum belastenden Thema oder erst Recht der pure Stress?

Mir hat dieser Flug totalen Spaß gemacht, wann bekommt man schon die Gelegenheit, bei einem Flugakrobaten einzusteigen? Mein Problem war eher, dass ich laut Drehbuch ja überhaupt kein Vergnügen daran haben sollte und ein panisches Gesicht verlangt wurde. Das war dann schon ein kleiner Spagat für mich beim Looping, weil ich dieses Gefühl innerlich ja ganz großartig fand.

Welches Verhältnis haben Sie persönlich zu Tod und Verlust?

Ich finde es wichtig, dass man Trauer zulässt und auch annimmt. Mein Vater zum Beispiel hat über seinen Verlust nie ein Wort verloren. Ich glaube, für ihn war das nicht gut, es hat ihn fast aufgefressen. Wie meine Filmtochter mit dem Tod umgeht, gefällt mir sehr gut. Für sie gibt es auf dem Dachboden diese kleine weiße Wolke als Verbindung zu der verstorbenen Mutter. Das ist unser Spielberg-Moment. Für diese Magie ist das Kino der ideale Ort.

Was ist die wichtigste Qualität für Ihren Beruf?

Die Wahrheit zu erzählen und nicht zu lügen. Man kann durchaus Dinge behaupten, aber trotzdem sagt man die Wahrheit. Ein guter Schauspieler spürt, ob etwas richtig oder falsch ist.

Hatten Sie mit dieser Karriere gerechnet?

Karrierepläne waren nie mein Ding. Ich versuche, meine Sachen gut zu machen und keinen zu enttäuschen. Ich möchte in Filmen spielen, die das Publikum berühren.

Elyas M’Barek wünscht sich bisweilen eine Tarnkappe. Wie erleben Sie den Ruhm im Alltag?

Ich finde es teilweise schon ziemlich anstrengend, wenn man ständig beobachtet wird. Ich gehe nicht häufig unter Leute, aber wenn ich in einer Bar bin, merke ich, dass die Leute ab einer bestimmten Uhrzeit ihre Hemmungen verlieren und dich voll quatschen. Dieter Oßwald

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