Die GEMA-Diskussion

Die GEMA-Diskussion

1. Oktober 2012

Betr.: Exklusiv-Interview mit Marek  Lieberberg

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin seit 30 Jahren in der Musikbranche als Komponist/Texter, Verleger und Musiker auf der Bühne tätig und habe das Interview von Herrn Lieberberg zur  GEMA mit ungläubigem Staunen gelesen. Es ist wirklich erschreckend, wie man mit solch einer Ahnungslosigkeit so erfolgreich in dieser Branche sein kann!…
Mit freundlichen Grüßen P.Hubert

Brief von Jörg Evers (GEMA):

Sehr geehrter Herr Lieberberg, 
in bester, gewohnter Manier holen Sie nun wieder zum allgemeinen Rundumschlag gegen die GEMA aus. Da ist dann so richtig Pfeffer drin. Doch überwiegend  befindet sich der Pfeffer in Ihren Augen. Als langjähriger, von den GEMA Mitgliedern gewählter Aufsichtsrat, der sich in vielen, auch internationalen Gremien für die Interessen der Musikurheber eingesetzt hat und einsetzt, empfinde ich Ihren unsubstantierten, verleumderischen Angriff auf die GEMA, auf verdiente Aufsichtsratskollegen, wie Frank Dostal und Stefan Waggershausen, wie auch auf den Vorstand, als persönliche Verunglimpfung und Ehrabschneidung, sowie als Beleidigung aller Musikurheber. Durch Ihre permanenten  Unterstellungen angeblich undurchsichtiger Selbstversorgung, obskurer „schwarzer  Löcher“, gewinnbringender Systemprofite für Aufsichtsräte, Schlaraffenlandartiges Nichtstun auf Kosten der  Mitglieder, zeichnen Sie mit voller Absicht das Bild einer kriminellen Vereinigung und diskreditieren die Mitglieder der GEMA, insbesondere die von jenen gewählten Aufsichtsräte zu entsprechenden Handlangem und Komplizen(…) Sie, als Alt Hase im Geschäft, sollten doch wissen, dass die Musikwerke und Kompositionen, welche die Urheber in oft mühseliger, langjähriger Arbeit entwickelt und geschaffen haben, die wesentliche Leistung darstellt, deren Nutzung vergütet werden muss. Das Vergütungsinkasso übernimmt dann dessen Treuhänder, die GEMA. Sie beschweren sich mehrmals, dass die GEMA angeblich „keinerlei Investition, keinerlei Risiko“ eingehe nur „den Rahm abschöpfe“ und dem „süßen Nichtstun“ fröne.
Durch diese Ignoranz  verleugnen Sie bewusst, dass ja bereits die Musikurheber und ggf. deren Musikverleger ihre grundlegende Investition in die Entstehung neuer Werke erbracht haben. Der GEMA obliegt es nun, u.a. flankierende Investitionen im Auftrag ihrer Mitglieder in die Vergütungs-Erhebung, Abrechnung und Anteils-Zuweisung lt. demokratisch beschlossenem  Verteilungsplan zu tätigen. In unserem zunehmend kleinteiligen Massengeschäft eine große Herausforderung globalen Ausmaßes. Er wird deshalb auch in einem ständigen „work in progress“ mit Mitgliederbeschluss aktualisiert, überarbeitet und gestrafft, wie jüngst bei der Ablösung des PRO-Verfahrens durch das lNKA-Verfahren. Da die GEMA auch das öffentliche Wiedergaberecht wahrnimmt (z.B. bei Tonträgerwiedergaben in einer Bratwurstbude, Friseurladen, Fitness Studio etc.) und die Kosten für einzelne Erfassung des dabei aufgeführten Repertoires unverhältnismäßig teuer wäre, ist die GEMA gesetzlich zu Pauschalierungen berechtigt. Ihre Ausführungen dazu erinnern mich allerdings an die selbstzufriedene, zynische Aussage eines Baumwoll-Plantagenbesitzers im 19. Jahrhundert, der vom Umgang mit seinen Sklaven berichtete: „Gib ihnen weniger zu essen, dann singen sie noch schöner! Damit offenbaren Sie  der ja so gerne im Kostüm des Künstler-Fürsprechers auftritt – Ihre eigene Ianus-Köpfigkeit. Love & Peace & Authors‘ Rights
Jörg Evers Aufsichtsrat der GEMA Member of Executive Committee of CIAM  (CISAC) Board Member of ECSA (European Composers and Songwriters Alliance)

Antwort an Jörg Evers

Lieber Herr Evers, Ihre dünnhäutige Polemik zeigt, dass ich ganz offensichtlich mit meiner Kritik an der GEMA mitten ins Ziel getroffen habe. Es gibt zu denken, wenn Sie sich selbst in die Nähe einer kriminellen Vereinigung gerückt sehen. Ich will mich gerne um einen Kontakt zu Nobelpreisträger Stephen  Hawking bemühen. damit er Ihnen seine Physik der schwarzen Löcher näherbringt! Die in der Süddeutschen Zeitung jüngst beschriebene Blockwartmentalität bei der Hetzjagd auf kleine Geschäftsinhaber zeigt, was  Sie wirklich unter demokratischen  Prinzipien verstehen. Und was die Öffentlichkeit von Ihrem Demokratieverständnis hält wird durch die massiven Demonstrationen der jüngsten Zeit ebenso deutlich wie durch das negative Votum des Hessischen Landtages zu den neuen GEMA-Tarifen. Auf Ihre Schmonzette mit dem Plantagenbesitzer passt ein Zitat von Groucho Marx, das ich Ihnen zum Abschluss dieses Schriftwechsels widmen möchte:„Er sieht vielleicht aus wie ein Idiot und redet wie ein Idiot, aber lassen Sie sich nicht täuschen. Er ist wirklich ein Idiot!”
Mit freundlichen Grüßen Ihr Marek Lieberberg.

 

[KS]
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