Die ultimative History: David Bowie

Die ultimative History: David Bowie

20. März 2019

David Bowie war Major Tom, Ziggy Stardust, Alladin Sane, der Thin White Duke, kurze Zeit später der Man who fell to earth. Man nannte ihn ein Chamäleon der Rock- und Popmusik. Er war Musiker, Maler, Schauspieler und Enter­tainer. Er war ein Junge aus der Arbeiterklasse von Brixton (London), der zu einem der größten Künstler aller Zeiten wurde.

London Boy“

Wir schreiben den 8. Januar 1947. Es ist der Tag, an dem David Robert Jones das Licht der Welt erblickt. Geboren in einem Vorort von London, der durch die damalige Arbeiterklasse bestimmt war. Sein Vater Haywood Jones war Marketing­leiter des örtlichen Waisenhauses, seine Mutter Margaret „Peggy“ Burns Kellnerin. Der junge David galt als sehr schüchternes, zurückhaltendes Kind, was er im Inneren auch immer bleiben sol­lte. Die Atmosphäre im Hause Jones/Burns war „unterkühlt“ und distanziert, wie der Künstler einst in einem Interview verriet. „Man nahm sich nicht oft in den Arm“, sagte Bowie.

Dazu kam noch, dass seit jeher ein dunkler Schat­ten über der Familie lag, denn einige Verwandte der Mutter litten an Schizophrenie und es bestand immer die Angst, dass diese psychische Erkrank­ung weitere Mitglieder der Familie treffen kön­nte.

Der Vater Haywood Jones war wie Bowie ein ruhiger Typ, der nie die Stimme gegen seinen Sohn erhob und schon früh daran glaubte, dass sein Sohn einmal ein Entertainer sein wird. Er stellte den kleinen David einigen Musikern der Stadt vor und schenkte ihm schon früh einen Plattenspieler und einige Instrumente. Der Junge begann früh mit dem Saxophon, später mit der Gitarre. Mit neun Jahren drehte sich die Welt des jungen Musikers allerdings nur um einen Künst­ler, der gerade zu großem Ruhm aufstieg: den afroamerikanischen Rhythm & Blues-Sänger und Pianisten Little Richard. Mit seinem androgynen Look und der kraftvollen Stimme zog er den jungen David in seinen Bann. Er war fasziniert.

Dann war da noch der Halbbruder Terry, der erste Sohn seiner Mutter, den er sehr bewunderte und immer zu ihm aufschaute. Auch Terry liebte seinen kleinen Bruder innig und nahm ihn schon sehr früh mit in die Szene-Viertel von London,  wie Soho, wo sie sich zusammen Jazz- und Rhy­thm & Blues- Acts anschauten.

Mit 15/16 war Bowie ein gewöhnlicher Teenager, der sowohl in der Schule als auch in seiner Frei­zeit mit Freunden Mädchen hinterherlief. Mit seinem damaligen Freund George Underwood gingen sie durch die Straßen der Stadt und ver­suchten, so viele Mädels aufzureißen, wie sie konnten. Doch eines Tages standen beide auf das gleiche Mädchen, was in einer kleinen Prügelei endete, die für David nicht ganz ungefährlich wurde. Underwood verletzte seinen Kumpel un­gewollt stark am Auge, so dass er ins Kranken­haus gebracht werden musste und man befürcht­ete, er könnte auf dem betroffenen Auge seine Sehkraft verlieren. Dies konnten die Ärzte zum Glück verhindern, seine Pupille sollte aber für immer geweitet bleiben, was zu seinem mar­kanten Aussehen führte. Später sagte Bowie, er sei Weggefährten George Underwood sehr dank­bar, dass er ihm das angetan hatte, denn es för­derte und beschleunigte seinen Bekanntheits­grad. Alle Leute sprachen von dem „Mann mit den unterschiedlich gefärbten Augen“. Zur sel­ben Zeit spielte er in einigen unbedeutenden Te­enie-Bands, in denen er sowohl sang als auch Saxophon spielte. Die Singles wurden zwar ver­öffentlicht, bekamen aber nie große Beachtung von der örtlichen Musikpresse. David Bowie nannte sich damals noch Davie Jones und spielte in der Band „Davie Jones and the King Bees“. Allerdings gab es noch einen anderen Davy Jones auf dem Musikmarkt, nämlich den Sänger der US-amerikanischen Popband „The Monkees“. Um Verwechselungen zu vermeid­en, nannte sich David Robert Jones von nun an David Bowie, nach dem amerikanische Pionier und Soldaten James Bowie, der für das Bowie-Messer bekannt ist.

Ground Control to Major Tom“

Am 02. April 1968 kam der Filmklassiker „2001: A Space Odyssey“ von Regisseur Stanley Kubrick in die Kinos und der damals 21-jährige David Bowie war erneut fasziniert. Er dachte darüber nach, wie es wohl wäre, wenn man ganz alleine im Weltall strandet; und Ma­jor Tom war geboren.

Sein zweites Album und der Titeltrack sollte „Space Oddity“ heißen, inspiriert vom Titel des besagten Films.

Der Song, der zunächst als One-Hit-Wonder ab­gestempelt wurde, bis heute aber einen der be­kanntesten Songs von Bowie darstellt, handelt vom fiktiven Astronauten Major Tom, welcher im ständigen Kontakt mit der Erde steht, im Verlauf des Liedes allerdings Schwierigkeiten mit seinem Raumschiff bekommt und am Ende ganz alleine im All strandet.

Im darauffolgenden Jahr sollte sich Einiges in David Bowies Leben ändern. Nach kleinem Erfolg mit „Space Oddity“ lernte er eine ge­wisse Angela Barnett kennen und lieben, mit der er eine offene Beziehung führte. Sie heirat­eten trotzdem im Jahr 1970 und mieteten sich mit fünf weiteren Leuten in eine Villa in London ein. Modisch gesehen war das so genannte „Cross dressing“ sehr angesagt, was dazu führte, dass sich Männer wie Frauen anzogen und an­ders herum. Auf dem Albumcover seines nächs­ten Albums „The Man Who Sold the World“ trägt Bowie ein sehr elegantes, seidenes Kleid, welches er auch in seiner Freizeit trug, wenn er zum Beispiel seinen kleinen Sohn mit dem Kin­derwagen herumfuhr. Angela Bowie wurde nämlich schnell schwanger und gebar 1970 Duncan „Zowie“ Bowie. Sie veranstalteten oft Hausparties, bei denen viel Cannabis geraucht und Musik gemacht wurde.

Anfang der 70er nutzte Bowie eine sehr effek­tive Methode des Songwriting, von der vor ihm schon andere Autoren wie William Borough Gebrauch machten. Der Künstler nannte diese Methode „Cut-up“. Man schneidet sich aus Zeit­ungsartikeln oder Büchern Textpassagen heraus und setzt sie dann später so zusammen, dass sie einen Sinn ergeben. So entstanden durch Cut-ups einige Songs des legendären Bowie-Albums „Hunky Dory“. Auch Radiohead-Sänger Thom Yorke sowie Nirvana-Sänger Kurt Cobain nutzten diese Technik.

In den darauffolgenden Jahren sollte David Bowie zum Rockstar werden. Er fühlte sich schon immer besser auf der Bühne, wenn er Charaktere verkörperte, was wohl auf seine Pan­tomime-Ausbildung bei Lindsey Kemp zurück­zuführen ist. So erfand er kurzerhand sein be­kanntestes Alter-Ego „Ziggy Stardust“, mit dem er zusammen mit den „Spiders from Mars“ auftrat. Dürre, groß gewachsen, die markante rote Vokuhila, bunte Kostüme und schrilles Make-up machten diesen Charakter aus. Sein erstes Album mit diesem Alter-Ego war „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“, ein Konzeptalbum voller großartiger Rockmusik. Sein geschaf­fener Charakter begann allerdings, Überhand zu nehmen und Bowie bzw. Ziggy litt an leichtem Größenwahn. So schrieb Bowie ein neues Al­bum, das den Titel „Alladin Sane“ tragen soll­te. Der Name ist als Wortspiel zu verstehen, denn „A lad insane“ bedeutet übersetzt so viel wie „Ein verrückter Kerl“ und das war Bowie zu der Zeit wirklich: durchzechte Nächte, Drog­en, Partys, Sex und Alkohol, das sind die The­men des Albums.

Sein Gesundheitszustand war zwischendurch so kritisch, dass er bei einer Show nach dem letz­ten Song zusammenbrach. Ausgerechnet bei „Rock ´n´ Roll Suicide“. Am 03. Juli 1973 ver­kündete Bowie bei einem Konzert im Ham­mersmith Odeon in London: „Not only is this the last show oft the tour but it´s the last show we will ever do. We love you!“ Damit hatte sich Ziggy Stardust endgültig umgebracht, auf eine komisch, geniale Art und Weise Selbstmord be­gangen. Um seinen Lieblingskünstlern der Zeit Tribut zu zollen, nahm Bowie schließlich im Selben Jahr ein Cover-Album auf, das Songs wie „I Can´t Explain“ von The Who oder „See Emily Play“ von Pink Floyd enthält. Es musste aber neues, eigenes Material her und so setzte sich der inzwischen 26-jährige Bowie ans Kom­ponieren. Heraus kamen die Songs, die seit jeher auf dem 1974 veröffentlichtem Album „Diamond Dogs“ zu finden sind. Hier widmet er sich einer sehr anziehenden Mischung aus Musical-/Filmmusik-Sound und einer ganzen Menge Rock ´n´ Roll. Die Tour zu „Diamond Dogs“ hat für Bowies Verhältnisse und für da­malige Verhältnisse allgemein ein Vermögen gekostet und obwohl er in England große Be­kanntheit erlangte, hatte er oft weniger Geld, als die Fans, die ihn anhimmelten. Bei der „Dia­mond Dogs“-Tour sollte den Fans ein Bühn­enspektakel erwarten, das sie so noch nie zuvor erlebt hatten.

Fame makes a man take things over“

David Bowie, Fame

Großbritannien und Europa war dem Londoner Musiker 1975 nicht genug. Sein großer Traum war es, in Amerika Fuß zu fassen und dort seine Musik populär zu machen. So ließ er sich in diesem Jahr von Funk und Soul inspirieren und komponierte unter anderem mit Megastar John Lennon, Soul-Produzent Luther Vandross und Carlos Alomar sein neues Album „Young Americans“. Den Stil auf diesem Album nan­nte er selbst „Plastic Soul“. Lennon schrieb den Hit „Fame“ und nahm diesen zusammen mit Bowies Cover-Version von „Across the Uni­verse“ auf. Die Platte kam tatsächlich in die Top 10 der US-Charts. Mit 1976 kam dann wohl eines der dunkelsten Jahre in Bowies Le­ben. Er hatte immer noch nicht viel Geld, zog nach Los Angeles, die Stadt der Träume, und ernährte sich nur noch von Milch, roten Pap­rikas und Kokain. Mehrmals am Tag nahm er die Droge, war fast bis auf die Knochen abge­magert und wurde allmählich paranoid. Er litt unter Verfolgungswahn, bekam deswegen oft Panikattacken und gab faschistische Äußerungen von sich. An die Zeit, in der er im Studio saß, um „Station to Station“, eines seiner besten Alben, zu schreiben und aufzunehmen, könne er sich nicht mehr erinnern sagte Bowie einst in einem Interview.

The Man who fell to Earth“

Auch bekam er 1976 die Rolle für sein Film­debüt. Er sollte den Außerirdischen Thomas Newton im Science Fiction-Drama „The Man Who Fell To Earth“ spielen, der als Mensch auf die Erde kommt, um eine Wasserquelle für seinen ausgedörrten Heimatplaneten zu finden. Diese Rolle war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, da Bowie mit seinen 50 Kilo, den nach hinten gekämmten orange-kupfernen Haaren und den unterschiedlichen Augen der Vorstellung eines Außerirdischen sehr ähnlich sah. Er musste der Crew versprechen, während der gesamten Dreh­arbeiten kein Kokain zu nehmen und konnte nach Fertigstellung des Filmes noch in Los Angeles seine Kokainsucht bezwingen. So konnte er auch für seinen Sohn Duncan ein besseres Umfeld schaffen.

A new Career in a new Town“

David Bowie, Low

So lautete die Devise 1977. Bowie verschlug es ab diesem Jahr in die heutige deutsche Haupt­stadt, nach Berlin. Hier zog er sich in einer Alt­bauwohnung mit Kumpel James Osterberg alias Iggy Pop von den Stooges zurück, malte an Gemälden, war ganz der alleinerziehende Vater und hörte viel Krautrock. Deutsche Bands wie Kraftwerk und Can bereiteten ihm besonders viel Freude und so nahm er mit Brian Eno in drei Jahren gleich drei Alben in den Hansastudios in Berlin auf. Die Alben „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ werden auch zusammenfassend als „Berlin-Trilogie“ bezeichnet. Hier vereint Bowie Ambient-/Art Rock-Einflüsse zu einem großen Ganzen, die Single „Heroes“ kletterte nach ganz oben in den Charts und ging schon im selben Jahr in die Musikgeschichte ein. Die Textzeile „We can be heroes just for one day“ ist bis heute weltweit bekannt und Bowie schuf mit diesen Alben für viele Berliner den Soundtrack ihrer Jugend.

Do you remember a guy that´s been in such an early song?“

David Bowie, Ashes to Ashes

Nach den Berliner Jahren kletterte Bowie 1980 erneut mit einer Single in die Charts; „Ashes To Ashes“ vom Album „Scary Monsters (And Sup­er Creeps)“ greift den fiktiven Charakter Major Tom wieder auf, der vermutlich immer noch im All umherirrt. Er singt, er habe ein Gerücht ge­hört, dass Ground Control eine Nachricht vom 11 Jahre zuvor im All verschollenem Astronauten hätte. „I´m happy, hope you´re happy too“ berichtet Major Tom.

Put your red shoes on and dance the blues“

-David Bowie, Let´s dance

Von dem Bowie, den die Leute bisher kannten, mussten sie sich zumindest musikalisch verab­schieden, denn 1983 verfiel Bowie der nach Profit strebenden Attitüde der Musikindustrie. Mit „Let´s Dance“ und dem gleichnamigen Al­bum landete er den größten Hit seines Lebens und füllte ab nun Stadien, vergleichbar mit Ba­nds wie Coldplay heutzutage. Auch Songs wie „Modern Love“ und „China Girl“ sind be­stimmt Vielen ein Begriff. Durch seinen kom­merziellen Erfolg verdiente er endlich ein Ver­mögen und nahm aufgrund dessen Songs auf, die ihm selbst gar nicht zu 100 Prozent zu­sagten. Das Album „Tonight“ von 1984 mit der Hit-Single „Blue Jean“ gehörte zum Beispiel dazu. Zwischen diesem und dem darauffolgen­dem Album „Never Let Me Down“ ereilte Bowie allerdings noch ein großer Schicksals­schlag: Sein geliebter Halbbruder Terry, der einige Jahre zuvor die Diagnose Schizophrenie bekam und danach in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wurde, begann 1985 Selbstmord, in­dem er aus seinem Fenster sprang. Mit der Diagnose allein wurden die schlimmsten Befür­chtungen der Mutter wahr. Mit seinem Tod al­lerdings brach für David eine Welt zusammen und er zog sich für einige Zeit in seine Villa in Lausanne zurück, um zu trauern. Im selben Jahr veröffentlichte er die bekannte Single „Dancing In The Street“ mit Mick Jagger, wo besonders das Musikvideo sehr erfolgreich wurde. Zu die­sem Thema kursierten zeitgleich Gerüchte von einer Liebesbeziehung der Rockmusiker in der Presse, diese wurde aber nie von einem der Beiden bestätigt. Angela Bowie behauptete sogar, sie habe die beiden zusammen im Bett erwischt. Es ist davon auszugehen, dass sich beide Künstler daraus einen großen Spaß macht­en und auf die Reaktionen der Öffentlichkeit warteten. Bowie gab Anfang der 70er Jahre an, dass er schwul sei. Dieses Statement revidierte er jedoch einige Jahre später und sagte, er habe das nur behauptet, damit sich die Augen der Öffentlichkeit endlich auf seine Musik richten und nicht mehr auf seine Sexualität. In diesen Jahren wurde zudem „This Is Not America“, das Bowie zusammen mit Jazz-Gitarristen Pat Matheney schrieb, zu einem Kassenschlager.

Black Tie White Noise“

1992 brachte dann das somalische Supermodel Iman Abdulmajid neues Licht in die dunkle Welt des Stars. Sie heirateten noch im selben Jahr in einem Luxushotel in der Toskana, üb­rigens mit Bono, Brian Eno und Yoko Ono unter den Gästen. Sohn Duncan war Trauzeuge für seinen Vater. Das Paar kaufte sich nach der Hochzeit ein 175 Quadratmeter großes Apart­ment im Essex House in New York City, wo bis heute noch die größten Stars der Welt wohnen. Bowie veröffentlichte auch im selben Jahr noch ein neues Album, auf dem er in einigen Songs von seiner Hochzeit und seiner Liebe singt, in „Jump they say“ allerdings vom Suizid seines Halbbruders Terry. Auch versuchte sich Bowie wieder in einer Band namens „Tin Machine“, die allerdings floppte. Bowie wollte nur ein Bandmitglied unter vielen sein, ganz ohne Son­derrolle. Ein Jahr später schrieb er den Sound­track zur Romanverfilmung von „The Buddha of Suburbia“ und versuchte sich 1995 wieder an einem Konzeptalbum.

It´s happening outside“

David Bowie, Outside

Auf diesem Album geht Bowie in die experi­mentelle Schiene á la Radiohead. Es geht um Künstler und Mörder und wie diese zusammen­hängen können, Ein sehr düsteres, interessantes Konzept mit vielen fantastischen Songs. „Hello Spaceboy“ ist nochmals eine Hommage an den Charakter Major Tom und wurde mit den Pet Shop Boys aufgenommen. Die heute sehr be­kannten Bands Nine Inch Nails und Placebo begleiteten Bowie auf seiner Tour zu „Outside“ und bildeten sein Vorprogramm.. Das zwei Jahre darauf veröffentlichte und oft unterschätzte Werk „Earthling“ wird hingegen eher von elek­tronischen Sounds dominiert und so wird wort­wörtlich eine Klanglandschaft geschaffen, denn auf dem Cover des Albums sieht man Bowie umgedreht mit einem Union Jack-Mantel auf grünen Feldern stehen.

My love wears forbidden colors“

-David Sylvian, Forbidden Colors

David Bowies Filmkarriere hat die ganzen Jahre lang angedauert. Er nahm immer mal ab und zu Rollen an, die teilweise relativ erfolgreich war­en. So spielte er 1983 die Hauptrolle in dem Drama „Merry Christmas Mr. Lawrence“, der Soundtrack wurde vom japanischen Kom­ponisten Ryuichi Sakamoto geschrieben und das Thema von „Forbidden Colors“, das von Japan-Sänger David Sylvian eingesungen wu­rde, weltberühmt. Auch spielte er die Hauptrolle im von George Lucas produzierten Film „Die Reise ins Labyrinth“ sowie Pontius Pilatus in „Die letzte Versuchung Christi“, unter an­derem mit Willem Defoe, Harry Dean Stan­ton und Barbara Hershey. Der Soundtrack stammt von Peter Gabriel.

Seven days to live my life or seven ways to die“

David Bowie, Seven

1998 machte sich Bowie wieder an neues Mate­rial, dieses Mal schrieb er die Musik nicht nur für das neue Album, sondern auch für das Vi­deospiel „Omikron: The Nomad Soul“. „Hou­rs“ war das erste Album seit „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ aus dem Jahr 1972, welches nicht einmal die Top 40 der US-Charts erreichte. Es kam nur auf Platz 47.

Little Wonder“

Ende 1999 erreichte Bowie und seine Frau eine tolle Nachricht: Iman war schwanger und so bekam das Paar im August 2000 Alexandria Zahra Jones. Bowie war immer ein sehr guter Vater, vielleicht wollte er bei „Lexi“ etwas gut machen, was er bei seinem Sohn Duncan durch seine Drogensucht versäumt hatte. In Interviews sprach der Musiker immer in den höchsten Tönen von seiner Tochter und war sichtlich glücklich.

Twinkle twinkle Uncle Floyd“

David Bowie, Slip Away

Es war ein ganz normaler Morgen bis plötzlich gegen circa 8:45 Ortszeit ein entführtes Flug­zeug in einen der World Trade Center-Tower in New York City steuerte, um 9 Uhr dann ein weiteres Flugzeug in den südlichen Tower. Die Ereignisse am 11. September 2001 gehen als wohl tragischster Terroranschlag in die Geschi­chte ein. Rund 3.000 Menschen sind dabei ge­storben, 15.000 konnten sich aus den einstürz­enden Türmen retten. David Bowie war gerade im Studio, um sein neues Album „Heathen“ zusammen mit langjährigem Produzenten und Freund Tony Visconti aufzunehmen. Die Songs waren zwar schon alle komplett fertig, aller­dings handeln viele von ihnen von Angst und psychischer Belastung. Bowie selbst hatte viel damit zu tun, als er nach New York kam, des­halb ist das Album lyrisch hochwertig und sehr ehrlich. Viele Leute fühlten sich verstanden, als sie „Heathen“ zum ersten Mal gehört hatten. Aufgrund des Konzeptes können die Songs auch thematisch auf 9/11 zurückgeführt werden, Bowie selbst meinte aber, dass sie nicht von den Ereignissen beeinflusst seien. Nach großer Welttournee ging es dann ein Jahr später auch schon wieder ans Eingemachte: Das nächste Al­bum sollte her. „Reality“ kam schon im De­zember 2003 auf den Markt, gefolgt von einer erneuten Welttournee, die allerdings beim Hur­ricane Festival in Scheeßel enden sollte…bis zu seinem Tod sein letztes Konzert. Hier erlitt Bowie hinter der Bühne einen Herzinfarkt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Er kam in die Asklepios Klinik St. Georg und wurde dort behandelt. Danach wurde es still um den Künst­ler. 10 Jahre lang hat man nicht viel von ihm gehört. Ab und zu ließ er sich mit Iman auf Gala-Veranstaltungen blicken, einmal trat er sogar 2006 mit David Gilmour für zwei Lieder in der Royal Albert Hall in London auf. 2013 über­raschte er seine Fans mit neuen Songs. David Bowie schien wieder zurück, man fragte sich, wann er eine Tour ansetzen würde. Diese blieb für immer aus. Er arbeitete zudem an einem lang­ersehnten Traum, ein Broadway-Musical zu schreiben. Dies setzte er in die Tat um: „Laza­rus“, die Fortsetzung seines Filmdebüts „The Man Who Fell To Earth“, feierte Ende 2015 Premiere. Niemand erwartete, dass der Meister höchst persönlich kommen würde, doch er trat noch mal in die Öffentlichkeit. Zum letzten Mal, wie sich wenige Monate später herausstellte.

Look up here, man, I’m in heaven“

David Bowie, Lazarus

Am 10. Januar verlor David Robert Jones den jahrelangen Kampf gegen den Leberkrebs, wie sich herausstellte. Die Welt war erschüttert, einer der größten Künstler aller Zeiten hat mit seinem „Spaceship“ die Erde für immer ver­lassen. Zwei Tage zuvor, an seinem 69. Geburts­tag, machte er seinen Fans und der Welt noch ein Abschiedsgeschenk: Das Album „Black­star“, auf dem Bowie in einigen Songs davon singt, wie es mit ihm zu Ende geht, stellt somit das letzte Werk dieser unfassbaren Karriere dar. „I´m not a white star, I’m a blackstar.“

Bowie nahm tausende Menschen an die Hand, inspirierte sie in Sachen Musik, Kunst, Mode und Persönlichkeit und zeigte einer gesamten Generation, dass Veränderungen etwas tolles sein können, man sich ständig neu erfinden kann und man keine Angst vor dem „Anders­sein“ haben muss.

David Bowie war Major Tom, Ziggy Star­dust, Alladin Sane, der „Thin White Duke“, kurze Zeit später der „Man Who Fell to Earth“. Man nannte ihn ein Chamäleon der Rock- und Popmusik. Er war Musiker, Maler, Schauspieler und Entertainer. Er war ein Junge aus der Arbeiterklasse von Brixton (London), der zu einem der größten Künstler aller Zeiten wurde, für alle Zeiten. Jannes Winkler

[KS]
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