Interview: Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien

Interview: Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien

10. Juni 2018

OX: Können Sie kurz erzählen, wie Sie hier gelandet sind?

 

ANT: Nach Hamburg gekommen bin ich 2011, als der damalige Erste Bürgermeister Olaf Scholz mich gebeten hat, mich um die Medienpolitik in Hamburg zu kümmern. Ich habe das neu geschaffene Amt „Medien“ in der Senatskanzlei übernommen und mich von dort um Digitalwirtschaft, Medien und später auch die Digitalisierung der Stadt gekümmert. 2016 bin ich zum Staatsrat der Kulturbehörde und der Senatskanzlei benannt worden, habe da sozusagen die Medienthemen aus der Senatskanzlei weitergemacht und den Job in der Kulturbehörde. Der Plan war das länger so zu machen, während Barbara Kisseler als Kultursenatorin für die Kulturpolitik in der Stadt zuständig ist. Das hat sich so dann leider nicht bewahrheitet, weil sie wenige Wochen, nachdem ich hier im Amt gewesen bin krank geworden ist und ich dann diese Aufgabe mit übernehmen musste, weil natürlich die Kultur in Hamburg weiter einen Ansprechpartner brauchte. Einige Zeit nach ihrem Tod hat Olaf Scholz mich gefragt: Willst du nicht Senator werden? Nach ein bisschen Bedenkzeit und nachdem ich mit meiner Frau gesprochen habe, habe ich gesagt: Okay, das machen wir so.

 

OX: Sie sind ja noch verhältnismäßig jung. Ist das jetzt eine erreichte Position und da wollen sie bleiben, oder soll es noch weitergehen?

 

CB: Das lasse ich weiter auf mich zukommen (lacht). Mir macht dieser Job Spaß – es ist auch mehr als ein Job. Es ist etwas, das sehr erfüllend ist und mir auch gar nicht die Zeit lässt, darüber nachzudenken, was denn danach kommen könnte?

 

OX: Also keine Ambitionen? Bürgermeister, Bundespräsident…? Sie sind ja auch in der Partei (SPD) sehr gebunden.

 

CB: Ich finde wir haben einen guten Ersten Bürgermeister und das ist alles super so.

 

OX: Nun ist der Kulturbereich ja sehr umfassend. Würden sie sagen, dass Sie sich schon überall reingearbeitet haben?

 

CB: Ich glaube schon, dass mir nichts Wesentliches entgangen sein dürfte. Häufig geht’s ja vor allem darum, im Gespräch und ansprechbar zu sein, Sachen mitzubekommen, weil man auch draußen ist und sich nicht nur im Büro verschanzt.

 

OX:  Beim Thema Kultur gibt es ja eigentlich keinen Stillstand. Das entwickelt sich sogar immer. Und aus der Sicht vieler Hamburger hat sich so etwas wie eine Zweiklassenkultur entwickelt. Das heißt: große Leuchttürme, und viele kleine, die auch gerne beachtet werden möchten und manchmal, u.a. in schwierigen Zeiten, eine kleine Stütze brauchen, während die ganz Großen das vielleicht nicht brauchen, die sind ja schon groß. Gibt es hier ein Bewusstsein dafür, dass das auseinanderklafft?

 

CB: Ich würde die Geschichte anders erzählen. Es gibt völlig unterschiedliche Kultureinrichtungen. Die Elbphilharmonie ist mit der Großen Freiheit oder gar kleineren Clubs wie zum Beispiel dem Nochtspeicher nicht zu vergleichen, um nur im Bereich der Musik zu bleiben. Dass sie so unterschiedlich sind, hat nicht in erster Linie etwas damit zu tun, dass der Staat unterschiedlich stark hinguckt, sondern damit, dass sie von der Grundstruktur ganz unterschiedlich sind. Ich glaube zum Beispiel nicht daran, dass die Stadt ein guter Musikclubbetreiber wäre, aber sehr wohl, dass wir über Gesellschaften Konzerthäuser ordentlich betreiben können.

 

OX: Also in Konkurrenz zu den Privatbetreibern?

 

CB: Nein, nicht in Konkurrenz zu den Privatbetreibern, weil ein Privater wahrscheinlich gar nicht in der Lage wäre, ein Haus wie die Elbphilharmonie oder die Laeiszhalle zu unterhalten und zu betreiben. Wenn man denn möchte, dass es Eintrittspreise gibt, die es – Stichwort staatlicher Kulturauftrag – jedem ermöglichen dahinzugehen, könnte man das kaum zu kostendeckenden Preisen hinbekommen. Das ist das eine. Dann gibt’s andere Bereiche, an denen natürlich Dinge privat wachsen. Zum Beispiel in den „krausen Ecken dieser Stadt“, an denen Hamburg nicht so glatt und schön ist. Hier entstehen Dinge, gerade weil es rau ist, gerade weil es kraus ist, gerade weil Dinge sich daran buchstäblich abreiben. Und die funktionieren auch nur deshalb, weil sie eben nicht an einer staatlichen Subvention hängen, bei der es dann gleich Zuwendungsnachweisprüfungen gibt und dann die Beteiligungsverwaltung kommen muss und ein riesiger Aufwand entsteht, der gar nicht dazu passt, dass da etwas urwüchsig wächst. Das muss aus sich selber heraus entstehen. Das muss teilweise auch die Chance haben wieder kaputt zu gehen, damit Neues daraus entstehen kann.

Dennoch gibt es auch da vieles, bei dem der Staat helfen kann. Ich denke zum Beispiel an die Musikclubs, die Schwierigkeiten haben, weil sie aufgrund von veränderten Lärmschutzauflagen mit der Nachbarschaft ein Problem bekommen oder mit Sicherheitsauflagen kämpfen müssen. Da haben wir in den letzten Jahren etlichen Clubs zum Beispiel mit Sanierungsgeldern geholfen, Auflagen zu erfüllen. Wir helfen auch dabei die Gespräche vor Ort zu führen. Da geht es ja nicht immer nur ums Geld geht, sondern häufig hat es auch etwas mit der Frage zu tun, ob eine Gesellschaft akzeptiert, dass Kultur auch laut sein kann und nicht nur wohlgefällig ist? Das auszuhalten und dafür ein Bewusstsein zu schaffen ist eine Aufgabe, dir wir hinbekommen müssen.

Es ist also nicht so, dass wir uns als Behörde nur verantwortlich sehen für das Schauspielhaus, das Thalia Theater, die Oper und die Elbphilharmonie, sondern genauso für das Clubkombinat, für die Stadtteilkulturzentren, für die freien Theatergruppen und die freien Spielstätten, die wir in ganz vielen Teilen dieser Stadt haben.

Und auch hier gibt es ja immer wieder interessante Entwicklungen. Wenn man sich z.B. Kampnagel über die letzten Jahrzehnte ansieht, dann ist das etwas, das aus einer Künstlerbesetzung heraus entstanden ist und heute ist es eine Einrichtung, die wir als Stadt deutlich fördern. Kampnagel hat mittlerweile eine solche Größe erreicht, dass die dortigen Künstlerinnen und Künstler auch in der Lage sind, Dinge auszuhalten, die ihre Vorgänger in der Gründungsphase niemals ausgehalten hätten. Deswegen war ich beispielsweise in der gleichen Woche, in der die Elbphilharmonie eröffnet wurde, auch bei den Club Awards und im Lichthof Theater und habe da eine experimentelle Aufführung angeguckt. Das macht die Arbeit für die Kulturbehörde auch so schön und so erfüllend – dass ich diese Bandbreite habe und am Tag nachdem ich mit der versammelten Staatsspitze in der Elbphilharmonie sitzen konnte, mit ganz anderen Leuten an einem ganz anderen Ort über ganz andere Themen reden kann. Das macht ja die Vielfalt und Attraktivität einer Stadt wie Hamburg aus und das müssen wir dringend erhalten.

 

OX: Natürlich wollen alle im Zweifelsfall Zuschüsse und Gelder haben, und alle haben irgendwas zu bejammern – Schauspielhaus, Oper etc auf einem relativ hohen Niveau, während bei den kleinen Clubs oft eine ganze Familie unter extremer Selbstausbeutung versucht, eine bestimmte Musikrichtung am Leben zu halten oder flaue Phasen zu überbrücken – gerade kleine Musikclubs haben ja oft Phasen, in denen sie gut laufen und dann wieder Phasen, in denen es ganz schwierig ist. In solch schwierigen Phasen würden diese Clubs dann Hilfe brauchen und sie empfinden es dann oft so, dass sie als Kultur nicht anerkannt werden. Da kommt dann die These: bestimmt die Behörde was Kultur ist und was nicht? Tut sie das?

 

CB: Nein. Das kann sie gar nicht. Die Behörde kann bestimmen, und zwar in der Regel zusammen mit Jurys, was förderfähig oder förderbedürftig ist. Oft ist es auch ein ganz schmaler Grat, wann ein Laden noch ein privatwirtschaftlicher Akteur ist, dem wir als Staat gar nicht helfen dürfen, und wann er Kultur ist. Das funktioniert ehrlich gesagt in Hamburg noch ganz gut, zum Beispiel wenn die Clubs hier zum Finanzamt gehen und dann in der Regel als Kulturbetriebe anerkannt werden. Das klappt nicht überall so reibungslos.

 

Das Livegeschäft ist ja der Bereich, der unglaublich wächst was die Umsätze und Erlöse angeht. Das gilt aber natürlich nicht im Einstiegssegment, also da, wo die Künstler gemacht werden. Hier liegt meines Erachtens auch für die Musikwirtschaft ein wichtiges Feld: Wäre das nicht auch eine Aufgabe für das gut verdienende Livegeschäftes zu gucken, dass das Geld, das am Ende mit dem großem Ticketing verdient wird, auch am Anfang eingesetzt wird, um den Clubs dabei zu helfen? Damit will ich den Staat gar nicht rausnehmen, aber die Frage kann man auch denjenigen stellen, die am Ende davon profitieren, dass am Anfang viele Leute Selbstausbeutung betrieben haben, damit sie überhaupt als Künstler einsteigen konnten.

 

OX: Vlt. würde es schon helfen, wenn es alleine so eine Art Notfallfond geben würde für ein oder zwei ganz spezielle Clubs, also nicht Gießkanne über alle 70.

Es gibt auch Unmut über das Reeperbahnfestival, dazu kommt die Problematik, dass es da so viele Mini-Einkaufszentren gibt, die Alkohol verkaufen ohne Toiletten anzubieten und ohne das, was ein gastronomischer Betrieb sonst machen muss. Reeperbahn-Läden, die auch Show machen, also auch international zum Ruf beigetragen haben – leiden.

Das Reeperbahnfestival an sich war auch eine gute Idee, die aber, weil sie so groß geworden ist, jetzt auch doch vieles erschlägt. Z.B. kleine Musikclubs, die nicht am Reeperbahnfestival teilnehmen, die können in der Zeit schließen, da kommt kein Mensch mehr weil alle die Reeperbahn rauf oder runterlaufen und das Bier bei Aldi oder Penny kaufen. Das ist keine Kultur, das ist was anderes. Das ist Tourismus. Ist das schon so im Bewusstsein und haben Sie da evtl eine Idee, was man da machen kann?

 

CB: Da muss man aber einiges auseinanderhalten. Das Reeperbahnfestival ist mittlerweile zu DEM Treffpunkt der Musikwirtschaft in Deutschland gewachsen. Das Festival findet an vier Tagen im Jahr in Hamburg statt. Ich kenne natürlich auch das Gespräch mit den Clubs, die nicht selber Teil des Reeperbahnfestivals sind. Aber unter dem Strich ist die Rechnung nach dem Muster: „Wenn das Reeperbahnfestival kleiner wäre, dann ginge es uns besser“ – nicht richtig. Die Aufmerksamkeit des Reeperbahnfestivals für das Musik Livegeschäft ist etwas, von dem alle Clubs auch unterjährig profitieren.

Etwas ganz anderes ist das reale Problem, das tatsächlich die Clubs im Umfeld St. Pauli haben, wenn sich das ganze Jahr die Leute ihr Bier bei Aldi oder Penny kaufen und nicht in den Clubs. Das Problem ist erkannt. Da sucht unter anderem der Bezirk derzeit nach einer Lösung.

 

OX: Das Festival zieht ja auch viel Geld weg und unendlich Geld haben die Leute ja nicht.

 

CB: Ich glaube, dass am Ende der positive Effekt überwiegt.

Für die vier Tage Reeperbahn Festival im Jahr gelten auch noch ganz andere Referenzpunkte. Für das Festival und die Musikwirtschaft und auch für die Stadt ist die Frage entscheidend, ob derjenige, der aus den USA einmal im Jahr nach Europa kommt, weil er Acts präsentieren will oder weil er Acts einkaufen will, sich entscheidet: Gehe ich nach Groningen, gehe ich nach Cannes oder gehe ich nach Hamburg zum Reeperbahnfestival? Ein anderer Aspekt, der auch noch eine Rolle spielt, ist, dass tatsächlich eine Wirtschaftsdelegation des US-amerikanischen Handelsministeriums hierherkommt, dass die Kanadier im letzten Jahr hier waren, die Franzosen in diesem Jahr kommen, weil man einfach auf der Ebene des tatsächlich relevanten musikwirtschaftlichen Geschäfts zusammenkommen will. Das geht nur, wenn man plausibel der Größte oder Relevanteste innerhalb Europas ist. Sonst gehen solche Delegationen zu dem anderen größeren Ort, sprich nach Groningen oder nach Cannes. Und davon hätten wir dann mittelbar in der Musikwirtschaft in Hamburg auch nichts.

 

OX: Demnach wäre die Kunst, gerade der Größte zu sein. Aber nicht noch größer, dafür gäbe es den Begriff „over-done“ im Englischen..

 

CB: Den gibt es, aber in der Gefahr ist das Reeperbahnfestival nicht.

 

OX: Wofür genau ist die Kultur- und Tourismustaxe? Da sind doch 500.000 gekommen. Warum wird das nicht für Kultur verwendet, sondern u.a. für ein Boxevent, für eine Beachvolleyballtournee… Das ist nicht das, was wir unter Kultur verstanden haben.

 

CB: Da sind sogar über 13 Millionen Euro gekommen und davon werden mindestens 50 Prozent für Kultur verwendet.

Letztes Jahr haben wir zum Beispiel das Festival Theater der Welt daraus mitfinanziert. Wir haben Theaterkompanien aus fünf Erdteilen eingeladen, die dann am Baakenhafen, in dem großen Kakaospeicher und an anderen Orten in der Stadt Theater gemacht haben. Thalia und Kampnagel haben das zusammen organisiert. Wir finanzieren auch jährlich den Ausstellungsfonds aus der Kultur- und Tourismustaxe, also die großen Ausstellungen, die hier in den Museen stattfinden. Ebenso die Zuwendung der Stadt für das Reeperbahnfestival oder viele kleinere Kulturveranstaltungen oder unterschiedliche Festivals wie Elbjazz oder das Dockville-Festival. Wir reden da von rund sieben Millionen Euro, die jedes Jahr in die Kulturförderung gehen aus der Kultur- und Tourismustaxe.

Insofern ist mein Gewissen da rein. Und dann werden natürlich auch andere Sachen daraus gefördert, zum Beispiel Sportveranstaltungen, weil die natürlich auch Touristen ziehen. Aber der Teil, der in Sport und Tourismus fließt, ist kleiner als der Teil, der in Kultur und Medien fließt.

 

OX:

Ein letztes Thema, um zurückzukommen auf die Anfänge von Kultur: welchen Einfluss und welche Möglichkeiten haben Sie bei Schule und Ausbildung? Ich höre, dass immer mehr Unterrichtsstunden ausfallen, und die zuerst immer bei Kunst und Musik gestrichen werden, also bei den Kreativen. Und kreative Leute braucht man ja auch später im Geschäft und in vielen anderen Bereichen.

 

CB: Ich glaube, das ist das allgemeine Vorurteil, das man sich über das Bildungssystem erzählt, aber faktisch haben wir ja heute Ganztagsschulen, die auch einen guten Blick auf die kulturelle Bildung haben.  Als Kulturbehörde kommen wir immer dann ins Spiel, wenn es darum geht, außerschulische Angebote mit Schule zu vernetzen. Wo wir gerade sehr gut mit der Schulbehörde zusammenarbeiten, um noch mal das Beispiel Elbphilharmonie zu nehmen, sind die Musikvermittlungsangebote der Elbphilharmonie über die 60.000 Menschen und darunter viele Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Hierfür hat die Elbphilharmonie mit der Schulbehörde gemeinsam Unterrichtsbestandteile entwickelt, die in der Elbphilharmonie stattfinden. Wir sind auch gemeinsam mit der Schulbehörde dabei, einen Fonds Kultur und Schule aufzulegen. Das ist ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag. Mit dem Fonds sollen Schulen in die Lage versetzt werden, kulturelle Projekte umzusetzen.

Wir brauchen Kultur an der Schule an ganz vielen Stellen und erleben auch wahnsinnig viele Lehrerinnen und Lehrer, die sich richtig Mühe geben, dass da was passiert.

 

OX: Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich häufig überlastet. Andererseits gibt es unzählige sehr gute Musiker, die gern auch an den Schulen Musik unterrichten würden.

 

CB: Auch da kann es gute Kooperationen geben, aber das ist auch ein Problem für das System Schule: Wir brauchen Lehrer in der Regel in einer Festanstellung und nicht als Honorarkraft, die mal da ist und mal nicht da, nach dem Motto: übrigens, ich bin jetzt mal vier Wochen auf Tour. Das geht dann auch wieder nicht.

 

OX: Wenn man nicht weiß wohin mit der Kulturtaxe, könnte man da einige Dozenten stellen.

 

CB: Die Einnahmen aus der Kulturtaxe auszugeben dürfte das geringste Problem sein… Das Geld für Dozentenstellen auszugeben dürfte aber schwierig werden, weil die Kultur- und Tourismustaxe daran hängt, dass sie aus Übernachtungen generiert wird. Insofern ist die Vereinbarung, dass in Sachen investiert wird, die eine öffentliche Wirkung haben wegen derer dann Menschen hierherkommen.

 

OX: Haben Sie das verfolgt, dass Amsterdam das Tourismuskonzept eingestellt hat? Die geben gar nichts mehr für Tourismus aus, weil sie sagen: das steht so und wir finanzieren z.B. mehr Kreativität. Und es gibt auch eine Nachfrage nach Kreativität, selbst bei Shareholder-Value-orientierten Firmen wie z.B. Siemens, die sagen: wir haben jetzt massenweise Soldaten, die tun was ihnen gesagt wird, aber für die Zukunft brauchen wir auch kreative Denker. Und das kreative Denken müssen die auch irgendwo gelernt und erprobt haben.

 

CB: Wir haben in Hamburg die Kreativgesellschaft, die macht ein von der EU gefördertes Projekt, das hat den wunderbar sexy Titel „Plattform für branchenübergreifende Lösungen“. So muss man solche Dinger manchmal nennen, damit man in Europa Geld kriegt… Es geht im Kern aber genau um die Vernetzung zwischen den Kreativen in der Stadt und den großen klassischen Industrien und Dienstleistern, dass die sich Impulse aus Bereichen holen, aus denen die sich vor zehn Jahren niemals Impulse geholt hätten. Wir dürfen Kreativität nicht nur als etwas begreifen, das für sich passiert, sondern als etwas, von dem andere auch profitieren können.

Aber was den Tourismus angeht, noch kann Hamburg finde ich Leute vertragen. Da ist Amsterdam glaube ich eine Drehung weiter als wir.

 

OX: Es gibt auch ein paar Hotels, die noch leere Zimmer haben.

 

CB: Erstens das und zweitens finde ich, gibt es noch ein paar Leute auf der Welt, die wissen können, dass es Hamburg gibt. Wenn die mal kommen und dann wieder rausgehen und erzählen, wie toll das hier ist – davon profitieren dann auch die Künstler.

 

OX: Wir bedanken uns ganz herzlich.

 

CB: Gerne

Klaus M. Schulz (links) und Dr. Carsten Brosda (rechts)

Klaus M. Schulz (links) und Dr. Carsten Brosda (rechts)

[KS]
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