The Dead Daisies - Gänseblümchen mit Löwenmähnen

The Dead Daisies – Gänseblümchen mit Löwenmähnen

17. April 2018

Mit einer Besetzung, die Rockgourmets das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, und einem neuen Album („Burn It Down), mit dem die Rock-Tugenden der 70er herausragend reanimiert werden, beweisen The Dead Dai­sies: „Rock‘n‘Roll is alive and well!

 

Mehr Prominenz auf der Bühne geht kaum: Doug Aldrich (54) war Gitarrist von Ronnie James Dio und David Coverdale; Schlag­zeu­g­er Deen Castronovo (53) hat unter anderem schon für Ozzy Osbourne getrommelt; und Sänger John Corabi (58), der optische und klangliche Mittelpunkt der Band, beerbte bei Mötley Crüe den blonden Beau Vince Neil, stand anschließend acht Jahre lang mit Ratt auf der Bühne und konnte zwischenzeitlich Union, einer Band mit Kiss-Mitglied Bruce Kulick, seinen Stempel aufdrücken. Initiator der All­star-Truppe ist der australische Geschäftsmann und Gitarrist David Lowy (63), der mit seinen vorherigen Formationen lediglich regionale Be­achtung gefunden hatte. Am 18.04. treten die Daisies in der Markthalle auf. Wir haben uns bereits im Vorfelde mit Aldrich unter­halten.

 

Was gibt‘ neues zu berichten?

Wir haben ein neues Album, „Burn It Down! Ende Oktober haben wir uns alle in New York getroffen, wir haben da das Studio von Alicia Keys gemietet. Es lief super, in nur einer Wo­che haben wir alle Songs für die Platte ge­schrieben. Nach den Proben haben wir sofort aufgenommen, ohne Verzögerungen.

 

Wie unterscheidet sich das Album von sein­em Vorgänger?

Das aktuelle hat andere Sounds und Aromen als „Make Some Noise (2016). Dieses Mal haben wir mehr experimentiert, auch ist es wohl ein bisschen heavier geworden.

Was ist dein Lieblingslied von der neuen LP?
Set Me Free“, das liebe ich wirklich. Wir wollten unbedingt eine Ballade auf dem Album haben, und sie ist echt einzigartig geworden. Marco hat sie sich auf dem Piano überlegt – was witzig ist, denn auf der finalen Album­version ist gar kein Piano mehr zu hören.

Wie sieht der Schaffensprozess bei euch aus?
Wir sind eine Demokratie, schreiben die Lieder und arbeiten zusammen. Es sind immer viele Leute involviert, nicht nur wir Musiker- wir sind ein ganzes Team. Zum Beispiel „Bitch“; das war eine Idee des Managements, die sagten: „Hey, wollt ihr euch nicht mal daran versuch­en?“ Viele Leute wissen gar nicht, dass das ein Stones-Cover ist – ein gutes Zeichen! Auch „Revolution“ von den Beatles haben wir ge­covert. Wir dachten, das ist eine gute Idee, bei all den politischen Problemen, die es in der USA gerade gibt. Die gute Sache aber ist, dass wir die Musik haben: sie hilft und, diese Zeiten zu überstehen und sie wird auf lange weiterleben.

Was dürfen sich die Fans vom 18. April er­hoffen, wenn ihr in der Markthalle auf­tretet?
Wir werden viele neue Lieder spielen, darauf können die Fans gespannt sein. Natürlich wird es auch die älteren Nummern geben, die die Fans so lieben. Auf jeden Fall wird es eine super Show. Wir wollen, dass die Leute Spaß haben. Nach dem Konzert sollen sie begeistert sein.

Wie sieht eine Dead-Daisies-Tour aus? Gi­bt es erwähnenswerte Anekdoten?

Es passiert dauernd irgendetwas witziges:
Irgendjemand verschläft immer, nach zwei Stunden Busfahrt fragt man sich dann: wo ist der Typ eigentlich? In Japan hat mir ein Fan eine Gitarre geschenkt, die ich mal auf einer Musikmesse gespielt habe. Er hatte das ge­sehen und sie mit geschenkt. Ein anderer hat mir die Gitarre seines Freundes geschenkt, der in der Armee gestorben ist. Er wollte, dass ich die Gitarre bekomme. Das hat mich berührt. Es ist eine sehr schöne Gitarre, mit der ich auch einige Gigs gespielt habe.

Wie viele Gitarren hast du und was ist dein Lieblingsstück?

Ich habe über 50 Gitarren, in meinem Studio ungefähr 30. Am liebsten habe ich meine Double-Neck-Gitarre, so eine, wie Jimmy Page sie spielte. Ab und zu bin ich in einer Led-Zeppelin-Coverband mit Brian Tichy und anderen Freunden aktiv, da benutze ich sie. Ich habe sie Dave Amato (Reo Speed­wagon) abgekauft, aber ich nehme sie nicht mit auf Daisies-Tour. Wir reisen nämlich oh­ne viel Gepäck!

Was ist dein Lieblngsalbum?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Wahr­scheinlich „Physical Graffiti (1975) von Led Zeppelin. Da sind so viele unterschied­liche Sachen drauf: heavy Riffs, funky Groo­ves, sexy Gitarre …  „Into the Light“ mag ich am meisten, und wie jeder andere auch liebe ich „Kashmir“. „Sick Again“ ist eben­falls ein super Song, von dem komischer­weise nie so viel gesprochen wird. Ich be­komme sofort gute Laune, wenn ich ihn höre!
Was steht für die Zukunft an?

Das gute an den Daisies ist, dass wir sechs Monate zusammenarbeiten, und jedes Band­mitglied die anderen sechs Monate Zeit für andere Projekte hat. Ich habe diese alte Band wiederbelebt, die ich seit 1998 habe, Bur­ning Rain. Wir nehmen gerade unsere vierte Platte auf. Wann sie erscheinen wird, ist aber noch unsicher, das müssen wir erst mit den Daisies absprechen. Die anderen drei Bur­ningRain-Alben gibt es übrigens auf Spotify. Das letzte habe ich aufgenommenen, als ich noch bei Whitesnake war: Montag bis Freitag habe ich für Whitesanke gearbeitet, am Wo­chenende an der Burning-Rain-Platte. Jetzt bin ich aber gerade im vollen Dead-Daisies-Mo­dus!

Welcher ist dein Lieblingsort in Hamburg?

Auf der Reeperbahn ist immer gut etwas los. Hamburg ist eine wundervolle Stadt: die Elbe, tolle Restaurants und super Shopping-Mög­lich­keiten. Ich habe Mal eine Lederjacke hier gekauft, die habe ich immer noch. (lacht)

 

Hast du eine Botschaft an die Fans?

Wir sind unseren deutschen Fans sehr dankbar. Wie genießen es jedes Mal, hier zu sein. Wir freuen uns schon, euch zu sehen!

[KS]
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