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UNI-EXTRA: Studentische TelefonSeelsorge®

Studentische TelefonSeelsorge®

Mehr als vierzig Jahre gibt es das Angebot der Studentischen TelefonSeelsorge® (STUTS) in Hamburg.

UNI-EXTRA Interview mit Pastor Christof Jaeger

Viel gesprochen wird ja jetzt wieder über die Einsamkeit! Spüren Sie etwas davon?
Einsamkeit steht hinter ganz vielen Anrufen bei der Studentischen TelefonSeelsorge. Häufig wird es nicht explizit zum Thema. Aber die Lebensverhältnisse führen leicht dazu, dass wenig Kontakte bestehen. Insbesondere für Studierende, die in einer fremden Stadt unter Coronabedingungen anfangen zu studieren, ist es kaum möglich tiefergehende Beziehungen zu knüpfen. Corona verschärft da einen Trend, der schon vorher zu beobachten war.

Sind die Menschen, mit denen ich spreche, ausgebildet?
Wir bilden alle unsere Mitarbeitenden über zwei Semester intensiv aus, bevor sie eigenständig telefonieren. In diesen etwa 150 Stunden Ausbildung entwickeln sie ihre Fähigkeiten in der Gesprächsführung. Sie setzen sich mit ihrer eigenen Biographie und ihrem Umgang mit Krisen auseinander. Und sie lernen, wie sie im Umgang mit Anrufenden sowohl deren Anliegen erkennen und bearbeiten als auch eigene Wahrnehmungen und Grenzen spüren und achten können. Auch nach der Ausbildung endet dieser Lernprozess nicht. In Supervisionen und Fortbildungen setzt er sich bis zum Ende der Mitarbeit fort.

Muss ich in der Kirche sein um anzurufen?
Unser Angebot richtet sich an alle Menschen. Kirchenmitgliedschaft spielt da keine Rolle. Auch unsere Mitarbeitenden sind zum Teil nicht Mitglieder einer Kirche. Wir wollen möglichst hilfreich für die Anrufenden sein. Das ist für uns entscheidend.

Mit welchen Problemen kann ich bei Ihnen anrufen? Wie können Sie mir helfen?
Es rufen Menschen mit ganz unterschiedlichen Problemen bei uns an. Manchmal hat jemand auch gar kein bestimmtes Problem, aber das Bedürfnis mit jemandem zu reden. Insgesamt gilt, dass Reden hilft. Wer beim Telefonieren Worte für die eigene Situation findet macht manchmal die Erfahrung, dass einiges klarer wird. Im Gespräch wird auch deutlich: ich bin nicht allein, es gibt Menschen, die sich mir zuwenden.

Wie hat sich durch den Lockdown die Arbeit in der Seelsorge verändert?
Durch die pandemische Lage hat die Zahl der Anrufenden deutlich zugenommen. Wir verzeichnen etwa 40% mehr Anrufe als in der Zeit vor Beginn der Corona-Krise. Offenbar gibt es nun noch mehr Menschen, die sich ein offenes Ohr wünschen.

Rufen die Menschen eher an, um Leid zu klagen oder wollen die auch aktiv dagegen werden?
Das ist ganz verschieden. Das eigene Leben zu verändern ist nicht leicht. Wer ehrlich auf sich selbst schaut, wird das vermutlich aus eigener Erfahrung bestätigen können. Deswegen verwundert es nicht, dass manche Anrufenden gar kein Interesse daran haben, etwas zu verändern. Vielen fehlt auch das Zutrauen zu dieser Möglichkeit oder die Einsicht in die Notwendigkeit.

Mit welchen existenziellen Fragen werden Sie konfrontiert?
Besonders herausfordernd ist die Frage: will ich noch weiterleben? Suizidalität kommt als explizites Thema nicht jeden Abend, aber immer wieder in Gesprächen der Studentischen TelefonSeelsorge vor. Es braucht großes Vertrauen und Mut, um diese Frage zum Thema zu machen. Aber die Anonymität ermöglicht es Anrufenden, sie in einem offenen Gespräch zu bedenken ohne sofort mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Häufig wirkt das entlastend und kann so Leben retten. Daneben gibt es natürlich auch weniger bedrohliche Fragen. Beziehungsthemen fallen mir ein oder die Frage, ob mein Studienfach wirklich zu mir passt.

Gibt es Dinge, die man anonym besser besprechen kann als mit Freunden oder Bekannten?
Zumindest bietet die Anonymität Vorteile. Freunde und Bekannte haben in der Regel ein Bild von mir. Sie kennen mich schon länger und können nicht so offen und unvoreingenommen zuhören. Vielleicht meine ich sogar schon vor einem möglichen Gespräch zu wissen, wie sie reagieren würden. Ein fremder Mensch hat es da leichter. Er wird nicht durch Vorerwartungen beeinflusst und kann sich ganz dem momentanen Erleben widmen. Vielleicht traue ich mich in der Anonymität auch eher, Seiten von mir zu zeigen, die mir sonst unangenehm und peinlich wären.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

Christof Jaeger
Pastor und psych. Psychotherapeut
Leitung Studentische TelefonSeelsorge
ESG Hamburg
Grindelallee 43
20149 Hamburg
Tel. 040-411704-13
Christof.Jaeger@esg.nordkirche.de

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