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Henning Wehland: Gedanken am Tresen des Lebens

DER LETZTE AN DER BAR

von Henning Wehland

#31 – Bruderlos

Ich hab’ gerufen, hab’ gefleht, dass du kommst und niemals gehst.
Tanz’ mit mei’m Schatten so allein, es könnte anders sein.
Herzlich willkomm’ zu dieser Show es tut mir leid es ist nur… bruderlos.

…“ („Bruderlosvon Selig)

Ich kann mich noch genau daran erinnern, als wir mit H-Blockx bei den Aufnahmen zu unserem zweiten Album waren. Und die legendären „FREAKY FUCKING WEIRDOZ“ spielten um die Ecke in Coesfeld in der Fabrik. Im Vorprogramm gab sich eine „Psychodelic-Rockband“ namens SELIG die Ehre.

Die ganze Band war aus einem Guß, aber der Sänger Jan Plewka hat und hatte damals schon etwas Magisches. Ich bin bis heute nicht wirklich aus ihm schlau geworden und das macht mich fast wahnsinnig. Aber das ist die Faszination von Ausnahmetalenten, wie Jan. Hinzu kommt natürlich, dass die ganze Band außergewöhnlich ist. Der Gitarrensound von Christian Neander hat Generationen von zukünftigen Rockerinnen und Rockern geprägt und trägt eine klare Handschrift ohne die Tradition des good old Rock and Roll zu vergessen.

Wir haben unser erstes Mal bei Rock am Ring 1995 gespielt. Selig traten dort auch auf und der Trommler Stoppel hatte sich am kurz vorher den rechten Fuß gebrochen oder verstaucht zumindest verletzt und musste alle Einsätze mit dem linken Fuß bzw. mit den Händen ersatzweise spielen.

Mehr ging in meiner Vorstellung damals nicht. Für uns als skateboardfahrende Punks in Ausbildung und einer „nach-mir-die-Sintflut-Einstellung“ gab es kaum etwas uncooleres als psychodelischen Hippierock von Jungs ohne Schuhen, die auf der Bühne erstmal einen Teppich ausgerollt haben. Aber der Faszination Selig konnte sich keiner von uns entziehen.

Das macht für mich diese Emotion aus, die ich nur aus der Verbindung mit Musik kenne. Wenn ich eingesogen werde in den Bann Energie, die von einer Band ausgeht, die die Macht der Sprache der Musik beherrscht.

Ich glaube ich habe seit dem Konzert bei Rock am Ring 1995 kein Konzert mehr von Selig gesehen. Trotzdem sind sie mir nach über 25 Jahren immer noch so präsent, als ob ich gerade die letzte Zugabe beklatscht hätte.

Vor ein paar Wochen hat mich Benjamin von Stuckrad Barre angerufen und gefragt, ob ich eventuell den Text meines Lieblings-Selig-Songs rezitieren könnte, um das Ganze in den sozialen Medien zu veröffentlichen. Da ließ ich mich natürlich nicht zweimal bitten. Neben mir reihten sich noch diverse andere Kollegen und Kolleginnen in diesen Kanon ein. Da wurde mir erstmal bewusst, was für einen Einfluss diese Gruppe auf meine Generation gehabt hat.

Ich möchte diese Chance ergreifen und mit diesem Text meinen Hut ziehen, vor einer Band und Musikern, die mich und viele Wegbegleiter geprägt haben. Und einfach mal Danke sagen!

Wo wäre ein besserer Platz als im OXMOX hier und jetzt. Malte, Stoppel, Christian, Leo und Jan, ich wünsche Euch alles Gute und manchmal, wenn ich einsam bin, denke ich vielleicht auch mal an Dich….


„Es ist so ohne Dich, ich find es widerlich, ich will das nicht
denkst Du vielleicht auch mal an mich, es ist so ohne Dich
Und wenn Du einsam bist, denkst Du vielleicht auch mal an mich…“ („Ohne Dich“ von Selig)

(Foto: Ricarda Spiegel)

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