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GRAFFITI-SPRAYER: VOM KAVALIERSDELIKT ZUM BERUF

Ich spraye seit meinem 12. Lebensjahr. Das sind jetzt immerhin schon 29 Jahre“, sagt Ray de la Cruz (41) und lacht, „ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal für Graffiti bezahlt werde“. Zunächst arbeitete Ray tagsüber ganz bürgerlich als Flugzeuglackierer bei Airbus und nachts sprayte er seine Graffiti. Als er dann einen Arbeitsunfall hatte, sah er dies als Chance und investierte mehr Zeit in die Planung und Durchführung – und es lohnte sich. Durch sein Durchhaltevermögen, seine Disziplin und natürlich auch sein Talent konnte er das Hobby zum Beruf machen.

Ray geht sogar noch einen Schritt weiter. Es genügt ihm nicht, nur an seinen eigenen Graffiti zu arbeiten. Er möchte „eine Brücke bauen und generationsübergreifend“ etwas bewirken und seine „Euphorie“ weitergeben, darum arbeitet er viel mit Jugendlichen und bringt ihnen die richtigen Handgriffe bei. Denn auch Graffiti will gelernt sein. Der perfekte Abstand von Spraydose zur Wand? Einfach die Spraydose mit dem Boden zuerst an der Wand aufstellen. „Die Länge der Dose ist der richtige Abstand“, verrät Ray.

Der Anfang war nicht einfach“, erinnert sich Ray. In den 90ern gab es noch kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram. Sich mit anderen zu vernetzen, stellte Ray vor große Herausforderungen. Doch er nahm sie an und schwärmt von Hamburgs „ganz eigener Szene“.

Als Kind einer salvadorianischen Mutter und eines österreichischen Vaters kam Ray nach Hamburg und fühlt sich als „Hamburger Jung“. Seit 2014 arbeitet er mit Flüchtlingskindern. Die Kunst kann Mittler zwischen den Kulturen sein und hilft den Kindern sich auszudrücken, gerade wenn sie noch nicht gut Deutsch können.

Sein neustes Projekt ist eine über 80m lange Wand am Spielbudenplatz 15, „beste Fläche in Hamburg“, so Ray. Hierfür musste er aber erst ein paar Hürden überwinden. Kommt es zu einer dauerhaften Geruchsbelästigung der Nachbarschaft? Doch Ray kann beruhigen: Der markante Geruch verfliegt und übrig bleibt nur das Kunstwerk.

Mitstreiter sind schnell gefunden. Viktor Schneider (34), hauptberuflich Tätowierer, liebt den Ausgleich, den das Sprayen ihm bietet: „Von jung bis alt kann jeder mitmachen“. „Man ist gleich connected. Es gibt keine Berührungsängste“, bestätigt Teak (26). Doch Manpower allein reicht nicht aus.

Das Projekt wird großzügig unterstützt von Hafenstyle“ bekräftigen die Sprayer und zeigen begeistert ihre Hafenstyle-T-Shirts.

Teak empfiehlt: „Es ist wichtig, einfach dran zu bleiben. Alles andere kommt mit der Zeit“. Gut gemachte Graffiti sind nicht bloße Schmierereien, sondern Kunst. „Du kannst mit allem Farbe auf das Medium auftragen, mit Pinsel, Händen, Schwämmen und sogar mit einem Fusselbesen“, verrät Victor. Auch das Medium ist variabel: „Man kann auch seine Freundin bemalen“, schmunzelt er.

Ray war schon in New York, doch seiner Heimat Hamburg ist er immer treu geblieben. Was kommt als nächstes? „Wir planen eine große Norddeutschlandtour. Wir wollen nach Lübeck, Kiel, Flensburg …“

DSC 7863 - GRAFFITI-SPRAYER: VOM KAVALIERSDELIKT ZUM BERUF

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