Interview: B104

10. Januar 2018

Die HAMBURG-BANDCONTEST-Sieger 2017 überzeugten Publikum und Jury mit ener­gie­geladenem Rock und viel Charme. Die selbsternannten „Dorf-Ossis“ Dennis Derda (24, Ges., Git.) und Sven Paulsen (23, Ges., Git.) von B104 berichten über ihre musika­lischen Anfänge, die Zeit vor der Teilnahme am Bandcontest und ihre Zukunftspläne als Gewinner des selbigen.

OXMOX: Wann habt ihr zum ersten Mal zusammen als Band gespielt?

Sven: Das aller erste Mal … da waren wir noch eine Schülerband.

Dennis: Das war in der sechsten oder siebten Klasse, wir waren damals elf, zwölf Jahre alt.

Wie alt seid ihr jetzt?

Dennis: Ich bin 24.

Sven: Und ich 23.

Dennis: Willi ist 21, mein Bruder – Daniel – ist auch 24 – logischerweise, ist ja mein Zwilling. Und Hermann, unser Schlagzeuger, ist 14.

Euer Drummer ist also neu – oder war der im Kindergarten schon dabei?

Dennis: Nein, ganz früher war ich am Schlag­zeug. Als richtige Band gibt’s uns auch erst seit zwei Jahren. Anfangs hatten wir zwei oder drei Songs von Blink-182 gecovert, aber mehr auch nicht. Danach war Ruhe. Ich war damals am Schlagzeug, Sven hat, wie jetzt auch, Bass gespielt. Der Gitarrist ist jetzt nicht mehr dabei, das war irgendein Kumpel von uns. Und mein Bruder hat außerdem gesungen.

Wo habt ihr immer geübt?

Dennis: Meine Eltern haben hinten eine alte Werkstatt, da haben wir es uns edel gemacht – Teppiche ausgelegt und so weiter. Von den Nachbarn kamen ab und zu Beschwerden, dass wir zu laut sind und mit der Musik eh nichts erreichen werden. Plötzlich hatten wir was über uns in der Zeitung stehen, dann hieß es: „Ist doch gar nicht so schlecht.“ Ab da ging es auf einmal besser.

Wer schreibt bei euch die Songs?

Dennis: Wir alle zusammen. Wenn einer eine Idee hat, nehmen wie die auf – wie das halt so ist. Am Anfang haben wir uns aber noch ganz streng zusammengesetzt. Wir brauchten neue Songs, um live spielen zu können – nur drei reichen da nämlich nicht.

Was habt ihr jetzt für ein Repertoire?

Dennis: Wir haben 12 bis 13 Songs, die wir immer spielen können. So kriegen wir live eine Stunde voll.

Sven: Wir könnten auch 16 spielen, wenn wir das wollten, aber das muss nicht sein.

Wie habt ihr den jüngsten von euch kennen­gelernt, euren Schlagzeuger?

Dennis: Der hat bei meiner Freundin nebenan gewohnt und sie hat mir erzählt, dass er so gut Schlagzeug spielt. Wir hatten davor noch jemand anderes an den Drums, der ist aber vor unserem allerersten Gig abgesprungen.

Warum?

Dennis: Angst. Wir haben uns immer ein bisschen lustig gemacht, und er hatte da keinen Bock mehr drauf.

Was habt ihr denn gesagt?

Dennis: Eigentlich nichts! Aber er war immer so zurückhaltend. Und dann kam er einfach nicht! Wir wollten ihm auf die Schnauze hauen danach.

Habt ihr?

Dennis: Wir haben ihn uns gepackt! (lacht) Nein, danach haben wir mit ihm noch Mal geredet. Wir sind ja keine Assis. Aber was soll der Scheiß – einfach nicht zu kommen? Das geht gar nicht.

Sven: Aber er hat schon Bescheid gegeben. Die Nacht vor unserem ersten Auftritt hat er geschrieben: „Ich kann nicht mehr mit­machen, bin aus der Band raus.

Dennis: Wegen seiner Alten, die hat ihm Druck gemacht.

Daraufhin habt ihr den kleinen Nachbar­jungen adoptiert.

Dennis: Ganz genau. Ich weiß gar nicht, was seine Mutter davon hält. Wir proben drei Mal in der Woche bis ca. 21 Uhr, und nebenbei geht er zur Schule.

Seine Mutter hat keine Angst, wenn er mit euch nach Hamburg fährt und in der Markthalle spielt?

Dennis: Natürlich hat sie Angst. Sie war aber im Publikum, der Vater auch.

Freuen die sich mit?

Dennis: Ja, beim Bandcontest schon. Aber bei kleinen Gigs, wo wir reinscheißen – also wenn das Mal nicht so gut wird, passiert ja auch – dann denken die sich: „Wann hört der Scheiß endlich auf?“ Aber mittlerweile wird das immer runder: Neue Songs, alles besser, alles rund gemacht. War zwar harte Arbeit, ist ja klar – aber es wird immer runder, oder?

Sven: Ja!

(lachen)
Ihr habt Songs von Blink-182 gecovert – sind das eure Idole?

Dennis: Nicht mehr seit Tom DeLonge weg ist. Naja, nach den Covers ging es weiter: Schule, Ausbildung, Jobs. Irgendwann haben wir gemerkt: ist kacke. Wir hatten viel mehr Lust, Mal wieder Musik zu machen. Ich, mein Bruder und Willi haben dann ganz langsam wieder angefangen. Wir haben ein paar Songs geschrieben, Mädels eingeladen und gespielt.

Sven: Nur wegen der Mädels!

Dennis: Die Musik war aber totaler Bullshit. Wenn wir da heute reinhören, ist uns das peinlich. Danach haben wir versucht, das ernst­hafter anzugehen. Und erst letztes Jahr sind wir auf E-Gitarre umgestiegen. Wir hat­ten schon ein paar Konzerte mit Akustik­gitarre gegeben, was auch ganz cool war. Aber so geil wie mit E-Gitarren klingt es natürlich nicht.

Sven: Ich hatte das alles anfangs ein bisschen belächelt. Da war ich ja noch gar nicht in der Band. Die Jungs hatten schon ein Facebook-Profil und Merch., Pullover zum Beispiel.

Schon mit dem jetzigen Bandnamen?

Beide: Ja, genau. B104.

Wir kamt ihr darauf?

Dennis: Wir wollten irgendetwas mit Zahlen, wie Sum 41 oder Blink-182. Eines Morgens gingen wir dann durch Rehna und haben ein Straßenschild gesehen: Umleitung B104. Das ist die Bundestraße 104, die geht durch ganz Mecklenburg-Vorpommern, von Ost nach West. Und wir dachten sofort: „Voll geil, eine Ost-West-Verbindung. Richtig tief­gründig!“ Und seitdem heißen wir so.

Habt ihr schon ein Album veröffentlicht?

Beide: Nur ein Demotape.

Sven: Wir haben halt auch nichts, keinen Plattenvertrag oder so.

Dennis: Wir haben gar nichts, wir sind totale Idioten. Wir haben keine Ahnung – weil wir uns alles selbst beigebracht haben. Wir bräucht­en halt echt eine Tagesmutti, die uns alles erklärt.

Dafür habt ihr aber eine große Fanbase.

Dennis: Aber echt! Das sind verrückte Typen.

Auf eurem Merch steht „Beinhundertvier“ – das kann verwirren.

Dennis: Ja, am Anfang haben wir das so gemacht, wir fanden das ganz lustig: „Bein­hund­ertvier“, das bleibt im Kopf. Aber es gab Probleme mit Facebook. Die finden das nicht gut, wenn deine Seite B104 heißt, auf dem ganzen Merch und den Flyern aber Bein­hundertvier steht.

Sven: Bei Google gibt es viel mehr Ergebnisse für Beinhundertvier als für B104.

Dennis: So! Wo waren wir? Demotape! Wir haben versucht, das unter die Leute zu bringen. Wir waren richtig motiviert, „Nächste Woche laufen wir im Radio“, bla bla bla. Aber wir wurden ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt – totaler Scheiß. Nach einem halben Jahr haben wir uns gefragt: „Was haben wir da nur gemacht?“. Soviel Geld bezahlt …

Sven: Naja.

Dennis: Wenn du die ganzen Aufnahmen und so’n Scheiß zusammenzählst, sind wir bei über 4.000 Euro.

Was ist euer bisher größte Auftritt gewesen?

Dennis: Rock Am Töschen.

Wie ist es dazu gekommen?

Dennis: Wir suchen uns immer Festivals raus, für die wir uns bewerben. Meistens kriegen wir ein „Wird nichts“ oder „Keine Ahnung“ zurück. Aber ein paar Dinger haben wir auch gekriegt – Rock Am Töschen zum Beispiel. Als wir da gespielt haben, war es schon dunkel – ungefähr zwölf Uhr nachts. Der Veranstalter hat alle 16-Jährigen rausgeschmissen. Und unser 14 Jahre alter Schlagzeuger stand mit uns auf der Bühne!

Sven: Das hat nie jemand mitgekriegt!

Dennis: Rock Am Töschen war schon geil. 3.000 oder 4.000 Leute waren da. Natürlich waren wir aufgeregt, aber irgendwann haben wir das dann gewuppt. War nicht der beste Auftritt, aber war OK.

Habt ihr schon Pläne für die Zukunft?

Dennis: Zum Jahresabschluss spielen wir in Mölln im Jugendzentrum, am 14.12. eine Weihnachtsfeier im Bunker Rostock und da­nach eine Benefizshow. Das wär’s dann erst Mal. Wir hatten uns gedacht: „Den Band­contest nehmen wir noch mit“, und jetzt kön­nen wir echt was daraus machen – dadurch, dass wir gewonnen haben. Damit hatten wir nicht gerechnet.

Gar nicht?

Beide: Nein, kein Stück. Überhaupt nicht!

Ihr habt euch auf der Bühne immer sehr überzeugend präsentiert.

Dennis: Ja, schon. Aber Van Mango zum Beispiel sind richtig geil. Standbild und Planet Pluto waren auch gut. Schmidt auch.

Sven: Wir haben echt gedacht, Van Mango machen den ersten Platz und wir landen auf dem zweiten.

Dennis: Ich erzähl Mal, wie wir überhaupt auf den OXMOX-Bandcontest gekommen sind. Ein paar Kilometer von uns entfernt gibt es eine andere Band, Rabaukendisko – die haben den Mal gewonnen. Das haben wir mitbe­kommen …

Sven: Und so sind wir selbst draufgekommen.

Dennis: Genau. Wir waren vorher auch beim SPH-Bandcontest, der war aber komplett scheiße. So, zurück zum Demotape! Wir dacht­en, wir hauen das jetzt raus, wird richtig geil. Leider wurde es aber als nicht so geil aufge­nommen. So gut sind wir eben noch nicht, und an der Gitarre bin ich ja auch ziemlich neu. Dafür haben wir aber relativ viele Gigs gekriegt – unter anderem Hanse Sail, das war letztens erst – richtig geil. In Magdeburg waren wir auch schon. Wir wollen die Veranstalter von uns überzeugen, die sollen denken: „Ey, die kommen aus dem Norden aber spielen sogar in Magdeburg.“ Es sind schon weitere Gigs geplant, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel machen. Ich bin bei der Post und samstags muss ich arbeiten, das werden die nicht jede Woche mitmachen. Du schreibst aber nichts von der Post rein, oder? Das ist peinlich, die nennen mich alle Paperboy.

Gesagt ist gesagt.

Dennis: Dann müssen wir die anderen aber auch in den Dreck ziehen! Willi, unser Sänger, ist Klempner, der wühlt in Scheiße. Hermann ist in der Schule, Sven macht gerade eine Ausbildung zum Kindergärtner.

Sven: Ich mach so einiges.

Dennis: Erzähl doch mal.

Sven: Also pass’ auf: Neunte Klasse Abschluss, dann bin ich sitzen geblieben und hab die neunte noch einmal verkackt. Ich bin dann an die Volkshochschule gegangen und habe versucht, die zehnte Klasse und den Abschluss nachzumachen – habe ich aber nicht geschafft, wegen Chemie. Dann habe ich eine Maler­ausbildung angefangen, da wurde ich in der Probezeit rausgeschmissen. Später war ich Florist, bis ins zweite Lehrjahr, was auch einigermaßen Spaß gemacht hat.

Und wie hast du in die Rockwelt gefunden?

Sven: Ich habe vorher immer alleine ein bisschen Musik gemacht, wie das halt so ist. Eigentlich komme ich aber aus der Techno-Szene. Irgendwann kam Dennis und hat mich gefragt, ob ich nicht Mal zur Probe mitkommen möchte. Wir haben zusammengespielt und die wollten sofort, dass ich in die Band einsteige.

Dennis: Naja, er konnte gut spielen.

Sven: Auf jeden Fall habe ich berufsmäßig ein bisschen alles gemacht. Meine Freundin ar­beitet im Erzieherbereich und da dachte ich mir: „Komm, machste das auch“, und da bin ich nun. Und wenn das mit der Band nichts wird, dann habe ich immer noch eine zweite Option.

Ihr wollt also professionelle Musiker werden?
Sven: Das ist das Ziel.

Dennis: Wir sind totale Spinner, wir wollen das!

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